Ernst-Otto Finger stellt das 3-D-Modell des Römerlagers am Limes bei Muschenheim vor. 		FOTO: NAB
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Ernst-Otto Finger stellt das 3-D-Modell des Römerlagers am Limes bei Muschenheim vor. FOTO: NAB

Neues 3D-Modell in Lich

Römerkastell so groß wie die Saalburg

  • Nastasja Akchour-Becker
    vonNastasja Akchour-Becker
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Zwischen Hof Güll und Muschenheim befand sich einst ein Römerkastell. Ein 3D-Modell vermittelt den Besuchern nun einen Eindruck von der Ausdehnung und Struktur des Lagers.

Die Gegend rund um Muschenheim hat kulturhistorisch eine Menge zu bieten: Das Megalithgrab Heiliger Stein, die Keltengräber im Vorderwald oder der Limes-Aussichtsturm sind Zeugen der Vergangenheit. Auf einer Anhöhe in Richtung Hof Güll stand einst ein Römerkastell. Zu sehen sind davon heute nur die wenigen sichtbaren, rekonstruierten Grundmauern.

Damit Besucher de Kulturhistorischen Wanderwegs einen Eindruck von der einstigen Größe erhalten, hat nun die Limes-stiftung Lich zusammen mit der Archäologischen Gesellschaft Hessen für rund 20 000 Euro ein 3D-Modell anfertigen lassen. Es zeigt ein Aluminium-Guss-Relief des Kastells Arnsburg-Alteburg.

Exponierter Militärstützpunkt

Das Modell lässt erahnen, wie groß einst das Kohorten-Kastell war. »Mit 500 Auxiliar-Soldaten und 2,9 Hektar Größe war es kaum kleiner als die Saalburg«, sagt Ernst-Otto Finger, Mitglied der Limes-Freunde Hungen. Er beschäftigt sich seit Langem ehrenamtlich für das Landesamt Denkmalpflege in Wiesbaden mit den Römer in und um Lich.

Das Kastell im nördlichsten Limesbogen bestand von 90 bis 260 n. Chr.. Es wurde unter Kaiser Domitian errichtet und im Laufe der Zeit als exponierter Militärstützpunkt mit verschiedenen Kohorten besetzt. Über 150 Jahre lang versahen dort römische Soldaten ihren Dienst an der Nordgrenze.

Der Standort des Modells ist innerhalb der Mauern vor dem Horreum, dem Getreidelager. Rechts daneben befindet sich das Praetorium, die zentrale des Militärlagers.

Südlich des Kastells entwickelte sich eine zivile Siedlung, ein sogenanntes Vicus, dass als Besonderheit eine eigene Stadtmauer aufwies. Dort lebten die Soldaten mit ihren Familien und Pferden. Es gab Handwerksbetriebe, Gaststätten und Händler priesen ihre Waren an. Neben den Wohnhäusern waren zwei Bäder und ein Amphitheater vorhanden.

Gutshof und Gräberfeld

In nördlicher Richtung lag zur Versorgung ein Gutshof (Villa Rustica) und ein großes Gräberfeld erstreckte sich an der Römerstraße in Richtung Münzenberg. Der bekannteste Fund ist ein goldener Hahn, der sich im Oberhessischen Museum befindet.

Finger ist Mitglied der Archäologischen Gesellschaft Hessen. »Wir haben das Areal mit 70 000 Quadratmetern von der Fürstlichen Familie Solms-Braunfels gekauft«, sagt Finger. »Pro Mitglied sind das 44 Quadratmeter.« Hinzu kamen noch etwa 10 000 Quadratmeter für das Gelände des kleinen Amphitheaters, das sich in der nähe der Landstraße befindet, hinzu. Der Kaufpreis lag bei 120 000 Euro, pro Mitglied waren das 75 Euro. »Außerdem hatten wir eine Prospektion, also eine Erkundung und Erfassung der archäologischen Stätte, für 27 400 Euro in Auftrag gegeben.«

Goldener Hahn gehört nach Lich

Mit dem Kauf will die Gesellschaft die Landwirtschaft auf dem Areal stoppen. »Lich ist Weltkulturerbestadt«, sagt Finger. »Doch die Stadt berichtet viel zu wenige über den Limes und nutzt es touristisch nicht aus. Die Innenstadt und die Gastronomie könnten viel mehr davon profitieren. Auch der goldene Hahn gehört nach Lich und nicht nach Gießen.«

Die jüngsten Grabungen lieferten neue Ergebnisse: Im Sommer wurde das Grab einer hochgestellte Persönlichkeit an der Römerstraße nach Münzenberg gefunden. Denn rund 4000 Besucher, die jedes Jahr über den Kulturhistorischen Wanderweg Muschenheim gehen, dürfte das gefallen.

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