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Ein mit der Rußrindenkrankheit befallener Ahornbaum zeigt dunkle Flecken.

Rußrindenkrankheit

Riesiges Waldstück in Lich wegen Seuche gesperrt – Beschwerden bei Menschen möglich

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Bittere Nachricht aus einem Wald bei Lich: Die Rußrindenkrankheit geht um. Eine Fläche so groß wie 30 Fußballfelder wird teilweise gerodet. Bei Menschen kann die Seuche Beschwerden hervorrufen.

Abgeplatzte Rinde und dunkle Flecken am Stamm: Wenn Ahornbäume so aussehen, könnte es sich um die Rußrindenkrankheit handeln. Erste Fälle dieser neue Baumkrankheit gibt es auch in Hessen. So etwa in einem Wald bei Lich. Konkret betroffen ist der Wald Hardtberg, wie die Fürst zu Solms Lich'schen Rentkammer, zu deren Besitztum das Gebiet gehört, mitteilt. Von einem "massiven Befall" ist hier die Rede. Die Auswirkungen sind deutlich. Ausgelöst wird die Rußrindenkrankheit von dem Pilz Cryptostroma corticale, dessen Sporen auch für Menschen gefährlich sind.

"Für den Wald ist es eine Katastrophe", sagt der zuständige Förster Jörg Heßler am Freitag. Erste Anzeichen eines Befalls (Lesen Sie auch das Update: So läuft die Rodung bei Lich) seien bereits vor rund acht Wochen aufgefallen. Erst nach mehreren Ortsterminen und im Absprache mit den hessischen Forstbehörden sei gestern entschieden worden, dass gerodet werden muss. Am Freitag wurden deshalb die Waldwege im betroffenen Gebiet gesperrt. Am Montag soll mit den Arbeiten begonnen werden. 

Erste Krankheitsanzeichen sind Flecken am Stamm und verfärbtes Holz. Unter der Rinden reifen die Pilzsporen heran. Sie bilden eine dicke, dunkle Schicht, die wie Ruß aussieht. Daher der Name: Rußrindenkrankheit. Am Ende reißt die Rinde auf und blättert ab. Der Baum kann dadurch unwiderruflich geschädigt werden und sterben. Die Sporen verteilen sich in der Luft und können auch bei Menschen Atemwegsprobleme verursachen. Auch allergische Reaktionen und Lugenschädigungen sind möglich.

Wald in Lich gesperrt: Holz wird vor Ort verbrannt

Erstmals wurde die Rußrindenkrankheit in Deutschland vor über zehn Jahren nachgewiesen, wie die Nordwestdeutsche Forstlichen Versuchsanstalt berichtet. In Hessen wurden 2009 die ersten Fälle bekannt. Nach Einschätzung von Hessenforst hat die Krankheit landesweit betrachtet eine geringe Bedeutung: Nur 0,1 Prozent der Waldfläche sei von Ahornarten besiedelt. Das könnte sich angesichts des Klimawandels aber ändern. Der trockene Sommer 2018 habe die Bäume geschwächt und so die Ansiedlung des Pilzes begünstigt, sagt Förster Heßler. 

Eine Möglichkeit, die Bäume von dem Pilz zu heilen gibt es nicht. Befallene Bäume müssen gerodet werden, unter Verwendung geeigneter Schutzmaßnahmen für das Personal. So wird es nun auch in einem Wald bei Lich gehandhabt: Rund 20 Hektar - eine Fläche so groß wie knapp 30 Fußballfelder - sind betroffen. Rund 30.000 Ahornbäume müssen einzeln aus dem Bestand entfernt werden. Das Holz kann nicht mehr verwendet werden. Nach groben Hochrechnungen gehen dem Waldeigentümer allein dadurch 240.000 Euro verloren. Große Mengen des anfallenden Holzes sollen voraussichtlich vor Ort verbrannt werden, um die Verbreitung der Pilzsporen durch einen Transport des Holzes zu vermeiden. Im Anschluss sollen wieder viele Tausend Bäume gepflanzt werden.

Das betroffene Gebiet ist aktuell für Spaziergänger gesperrt. Förster Heßler geht davon aus, dass die Sperrung mindestens zwei bis drei Wochen andauern wird. (Video: Eva Diehl)

Info

Die Rußrindenkrankheit

Die Rußrindenkrankheit wird durch einen Pilz verursacht. An befallenen Bäumen tritt zunächst ein Schleimfluss auf. In der Baumkrone kommt es zur Blattwelke und Laubfall, später sterben ganze Äste ab. Im Stammquerschnitt entstehen grüne bis blaue großflächige Flecken im Holz. Das Absterben des Baumes kann sich über mehrere Jahre hinziehen. Beim abgestorbenen Baum reißt am Stamm die Rinde längsseitig auf und darunter ist das Holz rußig schwarz gefärbt. Über diesen rußig schwarzen Belag setzt der Pilz eine Vielzahl an Sporen frei, die beim Menschen gesundheitliche Beschwerden wie Reizhusten, Fieber, Atemnot und Schüttelfrost auslösen können. Betroffen sind zumeist junge Bäume mit glatter Rinde. Infektionen treten vermehrt an Bergahorn, seltener an Spitz- und Feldahorn auf. (Quelle: RP Gießen)

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