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Kreative Künstler

"Quarantine Sessions" im Licher Kino

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Mit dem bisweilen quälenden Stillstand "dank" Corona auf künstlerischer Ebene geben sich Freischaffende im Gießener Land nicht zufrieden. In Lich gibt es Konzerte besonderer Art.

Corona hin, Corona her - es muss und wird irgendwie weitergehen. Mit dem bisweilen quälenden Stillstand (auch) auf künstlerischer Ebene geben sich Freischaffende im Gießener Land nicht zufrieden. Sie entwickeln Ideen, setzen ihre in der Krise neu geborenen Konzepte kreativ um, werben um Unterstützung.

Das Kino kommt zu den Kinofans

Für Aufsehen sorgen seit einigen Tagen die "Quarantine Sessions", mit denen sich das "Traumstern" in Lich via Facebook, YouTube und Twitter bei seinem Publikum in Erinnerung ruft - frei nach dem Motto: "Wenn ihr nicht ins Kino kommen könnt, dann kommen wir eben zu euch!"

Wie soll das gehen? Mit - siehe oben - Fantasie. Einige Musiker aus der Region geben kleine Solokonzerte vor der großen Kinoleinwand im leeren Kinosaal - mit dabei sind dann nur Anika Wagner und Tobias Eckhard, die für ein scharfes Bild und den guten Ton sorgen.

Gastmusiker in den Startlöchern

Zum Auftakt gab der Licher Musiker Helmut Fischer eine Instrumental-Performance. "Quarantine Session No. 2" steuerte Markus Wach von "Mala Isbuschka" bei. Wie berichtet, hatte das Weltmusik-Ensemble sein lange geplantes CD-Releasekonzert am 19. März wegen der Beschränkungen durch die Corona-Pandemie absagen müssen. "Unsere Gastmusiker aus Griechenland, der Türkei und aus Syrien stehen schon in den Startlöchern", versichert Wach in dem kleinen Film und macht mit Musik aus fernen Landen Appetit auf die Konzertveranstaltung, die auf jeden Fall (wann auch immer) nachgeholt werden soll.

Mini-Solokonzerte und Memoiren

Apropos Startlöcher: Weitere Mini-Solokonzerte bzw. "Quarantine Sessions" sind in den kommenden Tagen auch von Markus Reich (Percussion), Peter Herrmann (Bass) und Tess Wiley (Gesang/Gitarre) zu erwarten; ein Blick in die entsprechenden Sozialen Medien lohnt.

Das "Traumstern"-Publikum selbst bedankt sich inzwischen mit lesenswerten Erinnerungen, nachdem es von den Kinoleuten aufgefordert wurde: "Schreibt uns eure Geschichten". Gesagt, getan. Eine Frau schreibt: "Ich zieh zurück nach Gießen. Und einer der ersten Gedanken: Zuhause? Endlich wieder Traumstern. Kommt gut durch die Krise." Ein anderer Kinofan erinnert sich: "Ein Highlight für mich war beim Kinofest (Jubiläum 1998?). Im proppenvollen Kinosaal der Kurzfilm ›Der Hahn ist tot’, an dessen Ende 250 Kinobesucher inbrünstig und im Kanon ›Der Hahn ist tot‹ gesungen haben. Unbezahlbar!" In einer anderen Zuschrift ist zu lesen: "Vor ganz langer Zeit hatten wir im Kino Kinderzirkusproben. Daraus sind dann später tolle Jugendtheatergruppen geworden." Und so geht es Absatz um Absatz und Erinnerung weiter.

Erinnerungen sind natürlich kein Alleinstellungsmerkmal des Publikums. "Wir hatten auch schon Heiratsanträge..." schreiben die Hausherren des Filmpalasts.

"Wunderbare Unterstützung"

Die "wunderbaren Unterstützungen" haben das Team ermutigt, weiter kreativ zu sein. Rückendeckung gibt es auch von der örtlichen Kulturgenossenschaft, die vor gut 20 Jahren angetreten ist, um die kulturellen Aktivitäten rund ums "Traumstern" dauerhaft zu sichern (weitere Info unter www.kulturgenossenschaft-lich.de), wie es Aufsichtsratsvorsitzender Michael Pieck im Beitrag von Kollegin (us) vor einigen Tagen auf den Punkt gebracht hatte: "Auf die Leute in Lich ist Verlass".

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