Die Erschließung der Bauplätze im Baugebiet "In den Gräbenstücken" in Lich ist weitgehend abgeschlossen.
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Die Erschließung der Bauplätze im Baugebiet »In den Gräbenstücken« in Lich ist weitgehend abgeschlossen.

Bauland

Lich: Mit Punktesystem zum neuen Bauplatz - Soziale Kriterien sollen zählen

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Bauplätze in Lich sind heiß begehrt. Die Stadt will ihre eigenen Grundstücke künftig nach sozialen Kriterien und einem Punktesystem vergeben.

Eine alleinerziehende Feuerwehrfrau mit drei kleinen Kindern, die in Lich zur Miete wohnt, keine Immobilien besitzt und sich seit vielen Jahren im Elternbeirat engagiert, hätte gute Chancen, einen der städtischen Bauplätze zu ergattern. Die sind rar und heiß begehrt, die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem. Wer also soll den Zuschlag bekommen? Die Stadtverordnetenversammlung hat die Frage am Mittwochabend beantwortet. Sie hat sich einstimmig auf Vergabekriterien geeinigt, die neben sozialen Aspekten auch ehrenamtliches Engagement berücksichtigen. Auch der Kaufpreis wurde festgesetzt. Der voll erschlossene Quadratmeter wird 230 Euro kosten.

Fast 300 Interessenten registriert

Zur Anwendung werden die Richtlinien erstmals im neuen Baugebiet »In den Gräbenstücken« kommen. Dort sind in den vergangenen Monaten zwischen Oberstadt, Wetter und Umgehungsstraße 30 Bauplätze erschlossen worden. Sechs dieser Grundstücke befinden sich im Besitz der Stadt. Sie sind zwischen 438 und 642 Quadratmeter groß und heiß begehrt. Im Bauwilligenregister, das die Stadt seit 2015 führt, sind laut Bürgermeister Dr. Julien Neubert rund 290 Interessenten registriert. »Ich kenne Menschen, die sich hier engagieren und sich seit Jahren um einen Bauplatz bemühen, aber nicht zum Zuge kommen«, sagt Neubert. In den vergangenen Jahren seien Baugebiete in Lich durch private Investoren erschlossen worden. Bei der Vergabe der Grundstücke hätten soziale Gesichtspunkte keine Rolle gespielt. »Da geht es nach dem Prinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst«, erläutert Neubert.

»In den Gräbenstücken« liegen die Dinge anders. Das Baugebiet hat eine lange Vorgeschichte. Die Planung stammt noch aus der Zeit vor dem Investorenmodell, die Kommune kann hier selbst Land verkaufen und möchte Bewerbern den Vorzug geben, die Familie haben, in der Stadt verwurzelt sind und sich in ihr engagieren. Deshalb hat der Magistrat auf Basis eines Fragebogens ein Punktesystem entwickelt. Um es klar zu sagen: Auswärtige kinderlose Singles, die sich ganz auf ihre privaten Interessen konzentrieren, brauchen sich gar nicht erst um einen städtischen Bauplatz zu bewerben. Mit gerade mal zehn Punkten hätten sie keine Chance gegen die eingangs erwähnte fiktive Feuerwehrfrau, die dank Kinderschar, Wohnort und gesellschaftlichem Engagement mit 115 Punkten im Ranking ziemlich weit vorne liegen dürfte.

Frist von drei Jahren

Der Kauf eines städtischen Bauplatzes ist zudem an weitere Bedingungen geknüpft. Die Käufer müssen das Grundstück innerhalb von drei Jahren bezugsfertig bebauen. Sie dürfen es ohne Zustimmung der Stadt nicht weiter verkaufen und schon gar nicht zu einem höheren Preis. Und sofern ihr Grundstück an Albach oder Wetter grenzt, müssen sie sich im Kaufvertrag zur Einhaltung des Gewässerschutzes verpflichten.

Groß debattiert wurde über diese Richtlinien nicht. Lediglich SPD-Fraktionsvorsitzende Brigitte Block meldete sich zu Wort: »Wir werden mit Freude zustimmen«, erklärte sie. Zwar habe die Stadt »In den Gräbenstücken« nur wenige Plätze zu vergeben. Die Richtlinien könnten aber auch für künftige Baugebiete hilfreich sein, sagte Block mit Blick auf die geplante Bebauung des alten Sportplatzes.

Die Bauplätze »In den Gräbenstücken« sollen im Amtsblatt und über die Homepage der Stadt Lich ausgeschrieben werden. Alle im Bauwilligenregister verzeichneten Interessenten werden per E-Mail informiert. Die Bewerbungsfrist beginnt am 1. Oktober und endet am 20. November.

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