Postkarte nach Genua

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Die Ansichtskarte feiert dieses Jahr 150. Geburtstag. Das sorgt auch bei den Licher Briefmarkenfreunden für Freude – hat der Verein doch seit den 1980er Jahren selbst mehrere Motive herausgebracht. Am Historischen Markt sind sie stets im Angebot und finden reißenden Absatz.

Die Ansichtskarte feiert dieses Jahr 150. Geburtstag. Das sorgt auch bei den Licher Briefmarkenfreunden für Freude – hat der Verein doch seit den 1980er Jahren selbst mehrere Motive herausgebracht. Am Historischen Markt sind sie stets im Angebot und finden reißenden Absatz.

Vorsitzender Jürgen Gunkel hat intensiv zur Ansichtskarte recherchiert. Bereits 1777 soll es Karten in Frankreich gegeben haben. Allerdings ist kein einziges Exemplar je archiviert oder gar einem Sammler bekannt geworden. Etwa 60 Jahre später, um 1840, war es üblich, Briefpapier mit Stahlstichansichten zu versehen. Die Post weigerte sich aber, diese so zu befördern. 1861 wurde in den USA die erste Postkarte hergestellt – jedoch ohne Ansichtsmotiv. 1868 legen die beiden Leipziger Buchhändler Friedlein und Pardubitz unabhängig voneinander den Entwurf einer "Universal-Correspondenzkarte" vor.

1869 wurde schließlich in Österreich die erste staatliche Postkarte eingeführt, 1870 wurde sie auch in Deutschland amtlich zugelassen. "Bereits innerhalb der ersten beiden Monate wurden rund zwei Millionen Stück verkauft", berichtet Gunkel. Am 16. Juli 1870 verschickt der Hofbuchhändler August Schwartz aus Oldenburg an seine Schwiegereltern eine "Mobile Correspondenzkarte", auf die er in seiner Druckerei ein Artilleriebild gedruckt hatte. Sie gilt als erste Bildpostkarte.

Ab 1873 werden in Deutschland Ansichtskarten aufgelegt, bei denen die Ansicht im oberen Drittel der hochformatigen Karte eingedruckt ist. Seit dieser Zeit und bedingt durch die Legalisierung der privaten Karten, steigen die Auflagen rasant an und erreichen um das Jahr 1903 ihren Höhepunkt. Deutschland war in der Produktion und im Schreiben von Ansichtskarten weltweit führend.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzt eine regelrechte Sammelleidenschaft ein. Orte und Panoramaansichten waren die ersten und häufigsten Motive. Auch im wirtschaftlichen Bereich erlangte die Postkarte eine immer größere Bedeutung und hatte einen erheblichen Anteil am Wachstum der Posteinnahmen. Wurden 1875 rund 62 Millionen Postkarten befördert, waren es 1900 rund 955 Millionen Karten. In der Ansichtskartenindustrie waren zu diesem Zeitpunkt etwa 30 000 Menschen tätig. Alleine in Frankfurt am Main beschäftigte eine Ansichtskartenfabrik im Jahre l900 etwa 1200 Mitarbeiter.

Durch seine Lage, seine malerische Altstadt mit den markanten und geschichts-trächtigen Gebäuden, bot Lich eine Fülle von Motiven, die auf Postkarten gelangten. Künstler wie Merian, T. Weber, Otto Ubbelohde und Otto Ackermann-Pasing haben Lich und seine Sehenswürdigkeiten in Stichen und Zeichnungen festgehalten, die später als Vorlage für Ansichtskarten dienten. Ereignisse, wie das 600-jährige Stadtjubiläum im Jahre 1900, das 35. Gauturnfest des Gaues Hessen 1908 oder der Besuch des Zaren von Russland im September 1910 in Lich wurden auf Karten festgalten.

Die beiden ältesten Licher Ansichtskarten dürften Federzeichnungen des Licher Schlosses und des Mittelschiffes des Kloster Arnsburg sein. Sie wurden wahrscheinlich gegen Ende der 1880er Jahre hergestellt. Das genaue Datum ist nicht bekannt. Die Karte mit dem Licher Schloss wurde am 1. Dezember 1898 nach Genua versandt – und dort am nächsten Tag zugestellt.

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