Porträt dreier Idealisten

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Lich (jou). Filmemacher Stephan Hilpert wählte einen geschickten Einstieg für seine 2015/2017 gedrehte Dokumentation "Congo Calling": Zu Beginn eröffnet Außenminister Frank-Walter Steinmeier einen neuen Flughafen im Osten der Demokratischen Republik Kongo und erhofft sich davon wirtschaftliches Wachstum für die Region. Die Szene lässt erahnen, in welch hohem Maße das Land von westlicher Unterstützung abhängig ist. Am Mittwochabend präsentierte Hilpert seine Doku im Kino Traumstern.

Heikles Forschungsprojekt

Am Flughafen im Kongo knüpft Hilpert Kontakt zu Peter, einem der drei Protagonisten, die er porträtiert. Peter war 30 Jahre Entwicklungshelfer im Kongo; nun wird sein Vertrag nicht verlängert. Er will ein neues Hilfsprojekt für Straßenkinder ins Leben rufen, findet indes keine Geldgeber.

Anders verhält es sich bei der Belgierin Anne-Laure. Sie leitete früher ein Kinderschutzprojekt der Europäischen Union und arbeitet jetzt für ein kongolesisches Musikfestival, das Frieden in einer unsicheren Region stiften soll. Anne-Laure ist mit einem Regimekritiker befreundet, der sie für ihr Vermögen schätzt, die Grenzen zwischen Ausländern und Einheimischen aufgehoben zu haben.

Dann ist da noch der spanisch-französische Doktorand Raul mit seinem Pilotprojekt. Unter Mithilfe kongolesischer Männer befragt er Rebellen sowie Dorfbewohner, die unter deren Herrschaft leben, um strukturellen Zusammenhängen auf den Grund zu gehen. Das Projekt weckt bei den Mitarbeitern Begehrlichkeiten - sie betrügen ihn, lassen sich zu Vetternwirtschaft verleiten. Im Begleittext wird die Frage aufgeworfen, wie hilfreich die Unterstützung des Westens ist, tatsächlich geht es in dem Film jedoch eher um etwas anderes.

Hilpert nähert sich drei Ausländern mit jeweils sehr unterschiedlichem Erfahrungshintergrund, die aus karitativem oder wissenschaftlichem Idealismus im Kongo tätig sind oder waren. Dabei lässt sich die Auswahl der Protagonisten durchaus kritisch werten: Keiner von ihnen ist gegenwärtig direkt in der Entwicklungshilfe aktiv, Peter etwa sieht sich aus finanziellen Gründen gezwungen, nach Deutschland zurückzukehren. Die Dokumentation erscheint als Porträt engagierter Ausländer interessant, auch wenn sie inhaltlich teils etwas anderes verspricht.

Bei der außerordentlich kontroversen wie anregenden Publikumsdiskussion mischten sich denn auch Lob und Tadel. Eine Zuschauerin bemängelte, dass Frauen unterrepräsentiert seien, ein anderer sah bei Anne-Laure das Klischee unqualifizierter Entwicklungshelfer bedient; zudem werde unreflektiert thematisiert, wie Forschungsprojekte Korruption fördern können.

Wie Hilpert anmerkte, wollte er einen "sehr persönlichen Film" drehen; die Zusammenarbeit mit den Protagonisten sei sehr intensiv und intim gewesen. Wesentliche Impulse habe sein Ex-Kommilitone Raul geliefert. Um die Abhängigkeiten zu verdeutlichen, habe er Rauls kongolesischen Mitarbeiter Christian mit in die Dokumentation reingenommen. Das Rebellenproblem sei "sehr komplex" - niemand wisse, wie diese genau agieren. So sei das heikle Forschungsprojekt sehr wohl aufschlussreich und könne womöglich langfristig zur Verbesserung der politischen Situation beitragen.

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