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Der Platz auf der Bank an der Pforte bleibt leer.

Der Platz auf der Bank bleibt leer: Ober-Bessingen trauert um Erich Bünding

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Er gehörte zu Ober-Bessingen wie der Krippenweg und die Pforte: Erich Bünding. Nun ist das Original gestorben.

Er gehörte zu Ober-Bessingen wie der Krippenweg und die Pforte: Erich Bünding. Wenn man durch das Dorf fuhr, sah man ihn meistens auf der Bank zwischen Pforte und Spielplatz sitzen. Ein schneller Gruß im Vorbeifahren wurde von ihm stets erwidert, für ein Schwätzchen war er immer zu haben - vor allen Dingen wenn es um sein Heimatdorf oder den Fußball ging. Nun bleibt der Platz auf der Bank leer: Erich Bünding ist tot.

An Heiligabend 1957 erblickte Erich Bünding das Licht der Welt. In der Mühle, nur wenige Meter entfernt von seinem Lieblingsplatz auf der Bank, wuchs er als Einzelkind auf. Nach dem Tod des Vaters kaufte die Familie ein Haus im Dorf, wo er bis vor Kurzem lebte. Beruflich war er als Hilfsarbeiter in einer Metzgerei in Lich, später dann bei der Rewe in Hungen tätig.

Eine Krankheit überschattete sein Leben: Er litt an epileptischen Anfällen. Dieses Schicksal ließ ihn jedoch nicht verzagen, im Gegenteil: Vor allem wegen seiner positiven Lebenseinstellung und seines freundlichen Wesens machte er sich viele Freunde.

Er gehörte fest zum Dorfleben. Als Linienrichter unterstützte er den Sportverein Fortuna, was ihn den Spitznamen Schiri einbrachte. Der Hessische Fußballverband zeichnete ihn für seinen Einsatz mit dem Landesehrenbrief aus. Auch bei der Feuerwehr war er für seinen Einsatz geschätzt - hier versäumte er mehrere Jahre lang nicht eine einzige Übung. Doch für sein Ober-Bessingen machte er noch viel mehr: "Er ist durchs Dorf gegangen und hat die Mülltonnen bei den Leuten rein- und rausgestellt, die das vergessen hatten", berichtet Ortsvorsteherin Karin Römer. Auch Gassekehren bei anderen Leuten war für ihn eine Selbstverständlichkeit.

In den letzten Monaten blieb der Platz auf der Bank an der Pforte allerdings leer: Erich Bünding war schwer erkrankt, kam zunächst in eine Klinik, dann ins Pflegeheim. Am 12. Dezember verstarb er.

Da er keine Angehörigen hinterließ, wäre er beinahe unbemerkt zu Grabe getragen worden. Eine Amtsbestattung - solch einen anonymen Abschied habe Erich Bünding nicht verdient, fanden jedoch viele Ober-Bessinger. So taten sie sich zusammen, um für ihn ein würdiges Begräbnis auszurichten.

Die Ober-Bessinger Kirche war beim Gedenkgottesdienst mit Pfarrer Martin Sahm bis auf den letzten Platz gefüllt. Patricia Jünger-Kühn spendete den Blumenschmuck, Bestatter Rolf Schiel kümmert sich um ein würdiges Grab. Die Feuerwehr geleitete ihren Kameraden auf seinem letzten Weg mit der Fahne, eine große Zahl Fortuna-Fußballer verabschiedete sich ebenfalls von ihrem Linienrichter. Im Anschluss lud die Eichbaumgruppe zu Kaffee in die Hütte am Eichbaum ein, viele Ober-Bessinger hatten eigens Kuchen gebacken. "Ich denke, es hätte ihm viel Freude gemacht", ist sich Ortsvorsteherin Karin Römer sicher.

Der Platz auf der Bank an der Pforte, er mag nun leer bleiben. In Ober-Bessingen wird man sich an das Original Erich Bündung aber noch lange erinnern. pad/FOTOS: PAD

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