Patrick Müller vom Pforteverein (l.) mit Jens und Susanne Forgel, die im Erker der Pforte Platz genommen haben. FOTO: PAD
+
Patrick Müller vom Pforteverein (l.) mit Jens und Susanne Forgel, die im Erker der Pforte Platz genommen haben. FOTO: PAD

Pilger übernachten in der Pforte

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
    schließen

Lich(pad). Die Pilgerherberge in der Ober-Bessinger Pforte wurde zwar im vergangenen Jahr feierlich eröffnet. Doch aufgrund des Winters und dann der Covid-19-Pandemie hatte bislang noch kein Gast in dem frisch sanierten Wahrzeichen übernachtet. Nun freute sich der Pforteverein über die ersten Gäste.

Susanne und Jens Forgel kommen aus Bobenhausen II. Wandern ist eine gemeinsame Leidenschaft des Paars. Auf eine Pilgerreise hatten sie sich bislang aber noch nicht begeben. "Das wollten wir die ganze Zeit aber schon einmal machen", erzählte Jens Forgel.

Geschlafen wie ein Stein

Zunächst wollte das Paar den Jakobsweg beschreiten. Nachdem sie jedoch im Licher Kino Traumstern im Februar den Film "Nur die Füße tun mir leid" über eine Pilgerreise auf dem berühmten Wanderweg gesehen hatten, war ihnen klar: der wäre nicht ihr Ding. "Das ist Rudelpilgern, das wäre Stress", findet Jens Forgel. Doch ein Satz aus dem Film war beiden im Gedächtnis geblieben: "Der richtige Pilgerweg fängt an der Haustür an."

In diesem Fall war es dann jedoch nicht die eigene Haustür, sondern die des Arbeitsplatzes: Susanne Forgel arbeitet in der Grünberger Buchhandlung Reinhard - an der der Lutherweg direkt vorbeiführt. Als sie nun aufgrund der Covid-19-Einschränkungen in Kurzarbeit gehen musste, war plötzlich auch die Zeit für solch eine Reise da.

"Das ist unser Corona-Projekt", erklärt Susanne Forgel. Zunächst ging es auf einzelne Abschnitte des Lutherwegs in der Region, etwa von Grünberg nach Ober-Ohmen oder von Groß-Felda bis nach Alsfeld.

Als der Gesetzgeber dann die Öffnung von Unterkünften wieder erlaubte, wollten beide auch einmal eine Übernachtung in einer Pilgerherberge ausprobieren. Im Internet stießen sie auf die Herberge in der Ober-Bessinger Pforte. "Da wussten wir noch nicht, dass alles neu ist", erzählen beide.

In Grünberg brachen sie auf. Vorsichtshalber hatten sie einen Schlafsack dabei. "Es war für uns absolutes Neuland", erzählt Susanne Forgel. Auf dem Weg merkten beide, wie sich nach und nach die Gedanken des Alltags sortierten. "Es gibt Phasen beim Laufen, wo man nichts sagt. Und dann kommt ein Gedanke, man spricht ihn aus - und der andere ist erstaunt, weil er das auch gerade gedacht hat."

Über Lauter und Wetterfeld ging es zum "Hessenbrückenhammer" für ein Abendessen. Nach 18 Kilometern Strecke war schließlich die Herberge erreicht. Beide waren positiv überrascht - und das nicht nur, weil der Schlafsack nicht gebraucht wurde.

Die nagelneuen Räume, die Dusche, dazu das schön sanierte Bauwerk. "Dass es dann Kaffee gab, war eine schöne Überraschung", ist die Pilgerin begeistert. Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Münzenberg.

René Schäfer und Patrick Müller vom Vorstand des Pfortevereins freuen sich über das Lob der ersten Gäste. "Wir können dabei lernen, was wir noch verbessern müssen", erklärte Schäfer.

Doch da konnten die beiden Pilger aus dem Vogelsberg ihnen nicht weiterhelfen: Ihnen war nichts negativ aufgefallen. Auch was die ersten Gäste nachts geträumt haben, bleibt ein Geheimnis. "Wir sind 18 Kilometer gewandert - da schläft man wie ein Stein", schmunzelt Jens Forgel.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare