+
Das Verständnis für die Körpersprache der Pferde zu erhöhen, ist eines der Ziele des Lehrgangs mit Jordan Brasser am Wochenende. (Symbolfoto: dpa)

Pferdeflüsterer

Pferdeflüsterer Jordan Brasser kommt nach Lich

  • schließen

An diesem Wochenende kann man dem Pferdeflüsterer Jordan Brasser über die Schulter schauen. Was kann ein Amerikaner den deutschen Reitern beibringen? Organisatorin Anne Traub im Interview.

Jordan Brasser kommt extra aus Michigan angereist. Was kann ein Amerikaner den Lichern noch im Umgang mit Pferden erklären?

Anne Traub:Jordan Brasser arbeitet mit einer ganz anderen Lehrmethode als der in Deutschland üblichen. In Deutschland bildet die klassische Dressur die Grundlage. Brasser wählt einen anderen Ansatz. Er versucht, das Verhalten des Pferds zu verstehen und wirkt dementsprechend auf es ein. Daraus entsteht eine ganz andere Art, mit dem Pferd umzugehen.

Das erinnert an Western-Reiten.

Traub:Es wird gerne als Western-Reitstil abgestempelt. Aber es ist für alle Arten von Reiten anwendbar.

Pferd mit Körpersprache steuern

Was unterscheidet die Natural Horsemanship (der allgemeine Umgang mit dem Pferd) vom klassischen Reiten?

Traub:Bei der Natural Horsemanship geht es nicht nur um Reiten, sondern den kompletten Umgang mit dem Pferd. Das fängt beim Zugehen auf das Pferd an, über das Halftern bis hin zum Reiten. Man macht viel Bodenarbeit mit dem Pferd, vorzugsweise mit dem Knotenhalfter. Das Pferd reagiert intensiver und sensibler auf die Impulse des Reiters.

Es sieht oft so aus, als ob dabei das Pferd wie unsichtbar vom Reiter gesteuert wird. Wie geht das?

Traub:Man versucht, das Pferd mit der Körpersprache zu steuern. Das macht die Kommunikation für den Zuschauer so unauffällig. Wenn man die Horsemanship beobachtet, kommt es vor, dass das Pferd scheinbar einfach so hinterherläuft.

Pferde: Probleme beim Verladen auf Anhänger

Was sind die häufigsten Probleme, auf die Pferdebesitzer stoßen?

Traub:Oft gibt es Probleme beim Verladen auf einen Anhänger. Dass das Pferd einfach stehen bleibt, etwa zum Hufe auskratzen, ist auch schon eine Herausforderung. Das kann man ihm durch die Horsemanship aber beibringen. Aber es geht nicht nur darum, Probleme zu beheben, sondern das Reiten insgesamt zu verfeinern. Dadurch kann man weniger Kraft aufwenden und wirkt weniger auf das Pferd ein.

Lässt sich denn in einem zweitägigen Seminar ein Problem lösen, zum Beispiel dass das Pferd nicht stehen bleibt?

Traub:Es geht schneller als man denkt. Mitorganisator Christoph Brückmann ist beispielweise ein klassischer Dressurreiter. Er hatte ein Pferd, das war praktisch nicht reitbar. Der junge Hengst war sehr schreckhaft und ist durchgegangen. Pferdeflüsterter Jordan Brasser hat zwei Stunden mit dem Tier gearbeitet - und konnte dann das Pferd mit dem Knotenhalfter in Schritt, Trab und sogar Figuren auf dem Zirkel und Handwechsel reiten. Seitdem kann Brückmann mit dem Hengst auf einem ganz anderen Niveau arbeiten.

Pferdeflüsterer Jordan Brasser: Denkweise verstehen

Wenn man das nur einmal im Training macht, reicht das aber nicht aus, oder?

Traub:Nein, es braucht Kontinuität. Man muss es immer wieder üben - das ist beim Pferd so wie bei den Menschen.

Der Lehrgang selbst ist fast ausgebucht. Sie bieten Pferdefreunden jedoch an, noch auf den Zuschauerrängen Platz zu nehmen. Kann man denn nur durchs Zugucken etwas mitnehmen?

Traub:Es geht hier ja um einen ganz anderen Ansatz. Die Zuschauer können die andere Herangehens- und Denkweise beobachten. Das kann schon Einfluss darauf haben, wie ich mit meinem Pferd umgehe.

Der Lehrgang im Natural Horsemanship findet am Samstag, 28., und Sonntag, 29. September, von 9 bis 16.30 Uhr auf dem Gelände des Licher Reitvereins statt. Es gibt ausreichend Platz auf der Tribüne. Infos per E-Mail jordanbrasser-lehrgang@web.de oder unter Telefon 01 76-97 67 07 23.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare