Ohne Bakterien läuft nichts

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Lich (kjg). Vor rund 200 Zuhörern referierte Fachdozentin und Buchautorin Dr. Anne Katharina Zschocke dieser Tage im Versammlungsraum der Christuskirche über das Thema "Effektive Mikroorganismen (EM) - wie Bakterien auf das Klima und die Gesundheit wirken". In einem ambitionierten und lebendigen Vortrag, bei dem auch der Humor nicht zu kurz kam, nahm die Referentin das Publikum mit in eine unsichtbare und geheimnisvolle Welt. Das zeigte sich schon bei der ersten Frage, mit der die Referentin ihren Vortrag einleitete: "Wer von ihnen empfindet aufrichtige Liebe und Dankbarkeit zu Bakterien?"

Zschocke unterstrich: "Ohne Bakterien geht nichts". Sie seien notwendig für den Stoffwechsel von Pflanzen, Mensch und Tier sowie im Boden. Im menschlichen Darm leben 100 Billionen Mikroorganismen in einem symbiotischen Gleichgewicht. "Wir leben heute in einem Klima der Angst, auch um das Klima, und sehen in eine bedrohliche Zukunft. Eine Therapie von Mensch und Planet ist notwendig, und dabei können Bakterien helfen", fuhr Zschocke fort.

Winzigste Helfer des Menschen

Mit der Entstehung der Welt vor über vier Milliarden Jahren gab es auch Leben auf der Erde: die Mikroorganismen. Das sind Einzeller, Bakterien, Pilze und Hefen, die aber auch schon einige Zeit vorher da waren. Mit einem Seil, gehalten von zwei Zuhörern, machte Zschocke anschaulich, was vier Milliarden Jahre im Verhältnis zu unserer Zeitrechnung, die gerade mal 2000 Jahre alt ist, bedeuten. Die Mikroorganismen waren hundertstel Millimeter groß und konnten erstmals im 17. Jahrhundert in einem Mikroskop gesehen werden. Robert Koch, der Entdecker der Tuberkulose-Bazillen, bezeichnete 1890 die Bakterien als "die kleinsten, aber gefürchtetsten Feinde des Menschen". Diesem Ausspruch widersprach Zschocke. Sie hält Bakterien für wichtige Helfer des Menschen. Sie leben im Menschen (Mund, Magen, Magenschleimhaut), in der Luft - praktisch überall - und sie kommunizieren miteinander. Die Frage, ob steril gleich gesund sei, beantwortete Zschocke mit "Nein"; als Beispiel nannte sie die antibakterielle Zahnpasta.

Die "Effektiven Mikroorganismen" (EM) wurden um 1980 in Japan entwickelt. Sie sind überall einsetzbar, in Garten und Landwirtschaft, Hygiene, Haushalt und Tierhaltung. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Bakterien, Milchsäuren und Hefepilzen, die eine für Menschen und Pflanzen positive Mikrobiologie schaffen. "Diese Bakterien können alles", so Zschocke, und: "Sie helfen bei Fußpilz, halten die Blumen frisch und beseitigen bzw. verhindern Schimmel im Bad". Mit EM könne man sich zum Gesunden zurück regulieren. Man könne sich mit EM die Haut einreiben, den Boden putzen, die Raumluft verbessern und abwaschen. In unterschiedlichen Zusammensetzungen seien EM universell einsetzbar. So habe etwa Prof. Dr. Dr. Sven Dänicke EM in einen Kuhstall gesprüht - mit dem Ergebnis, dass Gülle nicht mehr so geruchsintensiv gewesen sei.

Der Vortragsabend war der Start der aktiven Arbeit der EM-Initiative Lich.

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