Ökologischer und ökonomischer Aderlass

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Lich(us). Die Fichte ist so gut wie weg. Die Douglasie durch Borkenkäfer geschädigt. Den Eschen setzt das Triebsterben zu, verursacht durch einen aus Asien eingeschleppten Pilz. "Aber am schlimmsten sind die Schäden an der Buche", sagt Revierförster Ulrich Gessner. Den Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses, die am Mittwoch als Notparlament tagten, hatte er nichts Gutes zu berichten. Nach drei klimatischen Extremjahren weist der Waldwirtschaftsplan für 2021 ein Defizit von 74 665 Euro aus.

Änderung ist nicht in Sicht. Die Fachleute registrieren Schäden bei fast allen Baumarten. Insbesondere das Absterben der Buchen sei ein betriebswirtschaftlicher und ökologischer Aderlass, sagt Gessner.

"Wir holen die Bäume raus, solange das Holz noch verwertbar ist", erläuterte der Experte. Der komplette Jahreseinschlag 2020 habe aus absterbenden Bäumen bestanden. Zum Vergleich: Vor 2018 lag der Kalamitätsanteil meistens zwischen zehn und zwanzig Prozent. Problematisch sind die Trockenschäden noch aus einem anderen Grund: Herabstürzenden Äste stellen laut Gessner eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Waldarbeiter dar.

Hoffnungen ruhen auf der Eiche

In Anbetracht des Klimawandels richten die Forstwirte ihre Hoffnungen auf die Eiche. "Der beste Klimabaum", sagt der Revierförster. Anders als private Forstbetriebe, die von ihren Gewinnen leben müssen, lasse man im Stadtwald alte Eichen so lange wie möglich stehen. Sie seien in vielen Mischbeständen die letzten gesunden Bäume und könnten durch ihre großen Kronen erheblich zur Beschattung, zur Windruhe und zum Schutz vor Trockenstress beitragen.

Aber es gibt auch positive Entwicklungen im Wald. Erfreulich findet Gessner das große Interesse engagierter junger Leute am Forstberuf. Und auch die Bevölkerung nimmt regen Anteil. Bestes Beispiel sind die Bessinger Gurken. Als sich im Sommer herumsprach, dass eine Weißtannenkultur zu vertrocknen drohte, rückten die Nieder-Bessinger mit Wassertank und Gießkannen an, um die 5000 Bäume zu retten. Der Förster fand das zutiefst beeindruckend und fühlt sich ermutigt, die Bevölkerung in Zukunft verstärkt in Pflanzaktionen einzubinden. Früher hatten das immer seine Chefs von Hessen Forst getan. Doch Gessner hat den Dienstherrn gewechselt. Seit März gehört der Stadtwald als Stabsstelle zur Stadtverwaltung, der Revierförster ist direkt dem Bürgermeister unterstellt.

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