In Nieder-Bessingen stehen stark befallene Bäume an der Wetter. Ein Ausschnitt der Misteln ist bislang nicht geplant. FOTO: PAD
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In Nieder-Bessingen stehen stark befallene Bäume an der Wetter. Ein Ausschnitt der Misteln ist bislang nicht geplant. FOTO: PAD

Noch keine Lösung für Mistelplage

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Die Mistel breitet sich immer weiter aus. Mittlerweile sind ganze Streuobstwiesen befallen. In der Stadt Lich sucht man nach einem Rezept gegen die Schmarotzerpflanze.

In diesem Winter blieben viele Bäume auf den Streuobstwiesen grün. Das hat aber nichts mit dem Klimawandel zu tun, vielmehr sind sie voller Misteln. Die Schmarotzerpflanze hat sich in den vergangenen Jahren gerade im Ostkreis stark ausgebreitet. Hobbyobstbauern und Gartenbauvereine schlagen deshalb Alarm.

Die Beeren der Mistel werden von Vögeln gefressen. Über den Kot gelangen die Samen auf andere Bäume. Dort bohrt die Mistel eine Art Wurzel in ihre Wirtspflanze, lässt sich von dieser mit Wasser und Nährstoffen mitversorgen. Über die Jahre wächst die Schmarotzerpflanze zu einer beachtlichen Größe heran.

Dabei entzieht die Mistel dem Baum nicht nur Nährstoffe, sondern verdrängt auch dessen Blätter. Zudem ist die Mistel wesentlich schwerer als die Äste eines Obstbaumes. Auf Dauer können Äste oder sogar der ganze Baum die Last nicht mehr tragen und sterben ab.

"Die Baumbesitzer müssen die Misteln entfernen. Sonst ist das nicht mehr in den Griff zu kriegen", forderte der Obst- und Gartenbauverein Ober-Bessingen bereits vor Jahresfrist. Diese Aufforderung ging auch an die öffentliche Hand, da städtische Bäume von Misteln befallen sind. Ein besonders krasses Beispiel dafür sind die hohen Pappeln an der Wetter bei Nieder-Bessingen: In den Ästen hängen zahlreiche Misteln von der Größe einer Waschmaschine.

Diese Bäume pflegt im Auftrag der Stadt der für die Wetterufer zuständige Wasserverband Nidda. Mittlerweile habe die Stadt dem Wasserverband einen Auftrag zur Lösung des Problems erteilt, schreibt der Licher Bürgermeister Dr. Julien Neubert auf Anfrage dieser Zeitung. Der Wasserverband "sieht aber derzeit keine Möglichkeit zur Umsetzung, da ein Ausschnitt der Misteln aufgrund der Höhe und des Standorts der Pappeln sehr problematisch ist und eine Fällung der Bäume vonseiten der Naturschutzbehörde kritisch gesehen wird".

Interkommunale Lösung notwendig

Auch bei städtischen Bäumen andernorts räumt der neue Bürgermeister Defizite ein: "Leider waren die finanziellen Ressourcen in den vergangenen Jahren aufgrund der hohen Kosten für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners sowie die Beseitigung der durch die trockenen Sommer verstärkten Baumschäden vollständig ausgereizt." Zudem fehlten die personellen Resourcen, um bis Ende Februar die notwendigen Ausschnitte vorzunehmen. Danach sind diese aufgrund der Brut- und Setzzeit wieder verboten.

In Ober- und Nieder-Bessingen erhalten die Obst- und Gartenbauvereine von der Stadt für die Pflege der städtischen Streuobstwiesen Gelder, mit denen auch die Mistelbekämpfung an diesen Bäumen finanziert werde, erklärt Neubert weiter.

Problematisch werde es hingegen bei den Streuobstbeständen in privater Hand. "Die Eigentümer wohnen teilweise weiter weg, oft fehlt das Interesse an der Obstbaumpflege oder die Besitzer sind aus Altersgründen nicht mehr in der Lage, eine Baumpflege durchzuführen", schreibt Neubert. Ein einziger Schnitt reiche zudem nicht aus.

Ein Rezept zur Eindämmung der Mistelplage hat die Stadt noch nicht gefunden. Zudem müssten dafür die Kommunen zusammen handeln, da die Ausbreitung nicht an den Gemeindegrenzen haltmacht.

Aufgegeben will man in Lich dennoch nicht. Neubert: "Die Stadt wird versuchen, wenigstens bei ihren eigenen Bäumen für eine Eindämmung zu sorgen, sofern es die personellen und finanziellen Resourcen zulassen."

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