+
Alles ganz anders: Maximal 50 statt 192 Plätze bietet das Kino Traumstern bis auf weiteres. Pro Sitzreihe dürfen zwei Zuschauer Platz nehmen, abwechselnd am neu geschaffenen Mittelgang oder außen. Gelbe Zettel helfen bei der Orientierung. FOTO: US

Kino auf Abstand

So nimmt das Kino Traumstern am Freitag wieder den Spielbetrieb auf

  • schließen

Als erstes Kino im Landkreis öffnet das Traumstern im Lich wieder. Dafür haben die Verantwortlichen einiges umgestaltet. Sie gehen davon aus, dass Distanz noch lange oberstes Gebot sein wird.

Zum Abschluss gab es noch einmal ganz großes Kino. Mit dem mehrfachen Oscar-Gewinner "Parasite" verabschiedete sich das Kino Traumstern am 17. März nach der Spätvorstellung in die Corona-Zwangspause. Jetzt, zwei Monate später, gehen die Licher wieder an den Start. Am morgigen Freitag um 17.30 Uhr wird sich erstmals wieder der rote Vorhang vor der großen Leinwand öffnen.

Auf die Zuschauer wartet neben dem Film "Die perfekte Kandidatin" ein Kinoerlebnis der ungewohnten Art. Sie werden sich zu zweit oder sogar allein in einer Reihe wieder finden. Sie werden den Saal mit Maske durchs Foyer betreten und ebenfalls mit Maske durch eine Seitentür verlassen. Und sie werden vor der Vorstellung Name, Adresse und Telefonnummer hinterlegen müssen, damit im Falle einer Infektion mit dem Coronavirus alle Besucher informiert werden können.

So sieht es das Abstands- und Hygienekonzept vor, das das Traumstern-Team in den vergangenen Tagen auf Grundlage der Verordnung der Landesregierung erarbeitet hat. Wie es funktioniert, wird sich zeigen. "Wir müssen uns gemeinsam mit unserem Publikum langsam vortasten", sagt Kinobetreiber Edgar A. Langer.

Jeweils die mittleren drei Sessel wurden herausmontiert

Langer, sein Kollege Hans Gsänger und ihre Mitarbeiter haben lange am neuen Konzept getüftelt und den Kinosaal und das Foyer so umgestaltet, dass die Leute sich nicht zu nahe kommen. Die räumlichen Gegebenheiten mit nur einem einzigen großen Kinosaal - in normalen Zeiten eher von Nachteil - kamen ihnen in der aktuellen Situation zugute.

"Man liegt zwei Tage mit Werkzeug am Boden und schleppt schwere Sachen" - so beschreibt Gsänger die zurückliegenden Arbeitstage. Das Team hat aus jeder Sitzreihe die jeweils mittleren drei Sessel herausmontiert. So ist ein Mittelgang entstanden und die Zahl der Reihen hat sich verdoppelt. In jeder können, mal innen, mal außen, maximal zwei Leute mit dem gebotenen Abstand zu anderen Zuschauern Platz nehmen.

"Diesen Aufwand betreibt man nicht für ein paar Tage", sagt Edgar Langer. Er und sein Kollege stellen sich darauf ein, dass Distanz noch für mehrere Monate geboten sein wird. "Wir alle müssen jetzt üben, wie man sich ein bisschen in Richtung Normalität bewegt."

Förderaler Flickenteppich für Filmbranche ein Desaster

Einfach wird das nicht, denn nicht nur die Abstands- und Hygieneregeln machen den Kinos das Leben schwer. Dass jedes Bundesland anders mit der Corona-Krise umgeht, findet Gsänger nachvollziehbar und im Prinzip gut. "Die Infektionsgefahr ist ja auch unterschiedlich." Aber für die Filmbranche sei dieser föderale Flickenteppich ein Desaster, den sie agiere bundesweit.

Heißt konkret: Solange nicht überall die Kinos wieder geöffnet sind, gehen viele neue Produktionen gar nicht erst an den Start. In Lich macht man sich darüber weniger Sorgen. "Wir hatten ohnehin vor, die Filmpreis-Gewinner zu zeigen. Die sind fast alle schon angelaufen", sagt Langer.

Langer: "Gerettet hat uns das Publikum"

Auf die zurückliegenden zwei Monate blicken die Licher mit gemischten Gefühlen. Natürlich sei die Verunsicherung groß gewesen. Aber es habe sich auch Kreatives entwickelt, sagt Gsänger mit Verweis auf die im Kino aufgezeichneten Quarantine-Sessions, die auf Youtube zu sehen sind.

Zudem sei die Solidarität des Publikums einfach großartig gewesen. Viele Leute haben zur Unterstützung Zehnerkarten gekauft. "Und fast alle haben aufmunternde Worte dazu geschrieben," erzählt Langer. "Wir haben auch Soforthilfe vom Land bekommen. Aber gerettet hat uns unser Publikum."

Mit dem Kino soll morgen nach Möglichkeit auch die benachbarte Kneipe "Statt Gießen" wieder an den Start gehen. "Wir gehören zusammen, deshalb wollen wir gerne gemeinsam öffnen", sagt Ulla Limberger vom Vorstand der Kulturgenossenschaft. Ob es tatsächlich am Freitag losgehen kann, erfährt man aktuell auf der Homepage www. kulturgenossenschaft-lich.de.

Kooperationsbereitschaft der Gäste

Wie nebenan im Kino werden auch hier vorerst strenge Abstandsregelungen gelten. Maximal 20 Personen dürfen sich gleichzeitig im Raum aufhalten, die Stühle sind genau abgezählt. Und an jedem Tisch dürfen nur Mitglieder aus nicht mehr als zwei verschiedenen Haushalten Platz nehmen. "Den Stammtisch haben wir gleich weggeräumt", berichtet Limberger.

Spanische Spezialitäten soll es aber wieder geben, wenn auch mit reduzierter Karte und gerne auf Vorbestellung. Genau wie im Traumstern setzt man in der Kinokneipe auf die Kooperationsbereitschaft der Gäste. In diesem Punkt sind sich alle einig: Der ersehnte Schritt in Richtung Normalität kann nur gemeinsam gelingen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare