Nieder-Bessingen geplündert

  • Patrick Dehnhardt
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Lich (pad). 30 Jahre Krieg - es ist eine Zeitspanne, die man sich kaum vorstellen kann, geschweige denn will. Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs können berichten, welch Leid und Unheil schon wenige Jahre Krieg über ein Land bringen können. Da lässt sich nur erahnen, welche Folgen der Dreißigjährige Krieg für die Region hatte.

Blickt man in die Chroniken der Dörfer, wird deutlich, dass viele in den ersten Jahren noch von den Kriegswehen verschont blieben. Doch dies änderte sich vor 400 Jahren. »Die erste Gemeinde, die den Krieg in seiner ganzen Grausamkeit zu spüren bekam, war Nieder-Bessingen«, heißt es in der Nonnenröther Dorfchronik. Am 27. Oktober 1621 wurde das Dorf geplündert, gingen zahlreiche Häuser in Flammen auf.

In dem Dorf an der Wetter waren pfalzgräfliche Soldaten einquartiert gewesen. Dies führte zu einer »Strafaktion« des kaiserlichen »Capitain Esch«: Eine Truppe mit 80 Pferden und Musketieren ritt gen Norden. In der Stadtchronik von Hungen ist der Vorbeizug der Soldaten verzeichnet.

In der Nacht des 27. Oktobers 1621 trafen die Soldaten ein - und wüteten wie die wilden Tiere. »Solch Grausamkeiten konnten sich nur Verbrecher ausdenken«, heißt es etwa in der Nonnenröther Dorfchronik.

Die Soldaten vergewaltigten Frauen, folterten und erschlugen die Männer. Häuser wurden geplündert und in Brand gesteckt. Was den Angreifern in die Hände fiel, wurde zerstört und zerschlagen. Dem Schultheiß - also dem Eintreiber der Abgaben - stahlen sie 100 Königstaler, auch weiteren Bewohnern raubten die Soldaten Geld. Selbst vor der Kirche machten sie nicht halt: Das Gotteshaus wurde aufgebrochen und das Altargerät gestohlen. Im Amtsprotokoll heißt es, das Dorf sei »in Grund geplundert« worden.

Der Amtsmann schrieb danach an den »Capitain Esch« und schilderte den Schaden. Dieser antwortete, dass aufgrund der Einquartierung der pfalzgräflichen Soldaten »solche Flecken ausm Grund zu verbrennen« seien.

In den Nachbarorten sorgte die Plünderung für Entsetzen. In den nachfolgenden Jahren würden jedoch auch sie unter Einquartierungen und Truppendurchzügen leiden müssen, bei denen teils nicht klar war, ob gerade Freund oder Feind wütete.

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