Stechender Schmerz in der Brust kann auf einen Herzinfarkt hinweisen. Dann zählt jede Minute. FOTOS: SCHEPP/PM (2)
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Stechender Schmerz in der Brust kann auf einen Herzinfarkt hinweisen. Dann zählt jede Minute. FOTOS: SCHEPP/PM (2)

Vernetzte Medizin

Neue Kardiologie in Lich mit Experten aus Gießen und Bad Nauheim

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Seit dem 1. September hat die Asklepios-Klinik Lich eine kardiologische Abteilung. Das Ärzteteam ist mit Spezialisten aus Gießen und Bad Nauheim besetzt.

Im Notfall hilft Ivena. Über dieses internetbasierte System erfährt der Rettungsdienst, welches Krankenhaus welche Kapazitäten hat. Beim Verdacht auf Herzinfarkt wird Ivena von kommender Woche an eine neue Adresse melden: die Asklepios-Klinik in Lich. Am 1. September hat dort die Kardiologie ihre Arbeit aufgenommen. Die Anlaufphase ist abgeschlossen, die ersten Patienten konnten bereits erfolgreich behandelt werden.

"Wir wollten schon lange eine Kardiologie", sagt der Ärztliche Leiter des Licher Krankenhauses, PD Dr. Thilo Schwandner. Der Wunsch ist auf ganz besondere Weise in Erfüllung gegangen. Bei der neuen kardiologischen Abteilung handelt es sich nämlich um ein Kooperationsprojekt zwischen dem Licher Haus, dem Universitätsklinikum Gießen-Marburg und der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim. Alle neun Mediziner, die in Lich zum Einsatz kommen, sind auch an einem der beiden anderen hoch spezialisierten Herzzentren tätig.

Der Einsatz dieser exzellent ausgebildeten Fachleute sei aus Patientensicht der größte Benefit, sagt Fabian Mäser, der Geschäftsführer der Asklepios-Klinik Lich. "Soviel Expertise kriegt man woanders nicht", unterstreicht auch Prof. Holger Nef. Der Leiter der interventionellen Kardiologie in Gießen ist nun auch Chef der neuen Licher Abteilung. Er wird sie gemeinsam mit seinem Stellvertreter Dr. Matthias Bayer führen, der ebenfalls am UKGM tätig ist.

1,8 Millionen-Euro investiert

Herzstück der neuen Abteilung ist das moderne Herzkatheter-Labor, das direkt neben der Radiologie eingerichtet worden ist. Laut Mäser sind 1,8 Millionen Euro in den Aufbau der Kardiologie mit ihrer Zwölf-Betten-Station geflossen. Die Abläufe habe man optimal gestalten können: Von der Zentralen Notaufnahme, in der die Patienten eingeliefert werden, sind es über die Röntgendiagnostik bis zum Herzkatheter-Labor nur ein paar Schritte.

Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems sind in Deutschland die Todesursache Nummer 1. "Die Behandlung kann nur gemeinsam mit den Betroffenen und in einer therapeutischen Teamleistung gelingen", sagt Prof. Nef. Die neue Kardiologie in Lich sei dafür ein wichtiger Baustein. Sie gewährleiste nach neuesten Standards eine Basisversorgung, etwa das Setzen von Stents, und entlaste dadurch die begrenzten Ressourcen an den Standorten Gießen und Bad Nauheim, die sich auf die komplexeren Fälle konzentrieren können.

Im Notfall kürzere Wege

Für die Patienten hat die Vernetzung in der Region laut Nef gleich mehrere Vorteile. Sie können dank kürzerer Transportwege im Notfall schneller versorgt werden, was bei einem Herzinfarkt von entscheidender Bedeutung sei. Und wenn eine weitere Behandlung in Gießen oder Bad Nauheim nötig werden sollte, treffen die Kranken dort auf die bereits bekannten Ärzte, die nach den selben Behandlungsabläufen und Therapieschemata arbeiten. Doppeluntersuchungen entfallen.

Auch die anderen Abteilungen des Licher Krankenhauses profitieren von der neuen Kardiologie. Es komme immer wieder vor, dass Patienten, die beispielsweise auf Intensiv liegen, einen Kardiologen brauchen, sagt Chirurg Schwandner. "Die müssen nun nicht mehr verlegt werden. Das ist eine deutliche Aufwertung für unser Haus."

Die Anlaufphase stimmt alle Beteiligten zuversichtlich. "Die ersten acht Patienten sind komplikationslos behandelt worden", berichtet Dr. Bayer. Dafür brauche man nicht nur gute Ärzte, sondern auch gutes Pflegepersonal, und das stehe zur Verfügung. Die Ausschreibungen seien auf große Resonanz gestoßen, berichtete Michaela Kraus, bei der die organisatorischen Fäden zusammen laufen.

Rund um die Uhr im Einsatz

Das Herzkatheter-Labor wird rund um die Uhr zur Verfügung stehen. "Das gelingt nur mit einem exzellenten Team", unterstreicht Nef. Und, wie Bayer ergänzt, mit einem komplexen Dienstplan-Modell, das sich an Wochenblöcken orientiert, aber doch so flexibel ist, dass auf Engpässe reagiert werden kann. Der für diese enge Verzahnung notwendige Einsatz sei an allen Standorten vorhanden, betont Nef. Aus einem guten Grund: "Alle profitieren davon."

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