In der musikalischen Oberklasse

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Ein herausragendes Musikerlebnis genossen die verblüfften Besucher des Bezalel Kulturzentrums am Samstag. Hakim Ludin schaffte es mit seiner "One-World-Percussion" nicht nur, sofort Mitarbeit und gute Laune herzustellen, sondern überzeugte mit einer enorm vielfältigen musikalischen Performance auf allerhöchstem Niveau: ein Glücksfall.

Ein herausragendes Musikerlebnis genossen die verblüfften Besucher des Bezalel Kulturzentrums am Samstag. Hakim Ludin schaffte es mit seiner "One-World-Percussion" nicht nur, sofort Mitarbeit und gute Laune herzustellen, sondern überzeugte mit einer enorm vielfältigen musikalischen Performance auf allerhöchstem Niveau: ein Glücksfall.

Ludin, geboren in Afghanistan, rangiert in der professionellen Oberklasse: Er spielte mit Konstantin Wecker und Hannes Wader sowie bei den Konzertabenden mit Roger Willemsen im Rahmen der Lit. Cologne und den Berliner Philharmonikern. Als erstes fällt die ungemein freundliche Art auf, in der er mit seinem Publikum umgeht und etwa eine 1000 Jahre alte kleine Handtrommel erklärt. Die Besucher sollen mitmachen. Leichtes Zögern im Saal, Ludin sagt: "Keine Angst, es ist Ayurveda, nicht Voodoo" und lächelt sympathisch. Schon läuft eine Erklärungs- und Mitmachrunde an, bei der man Mitsprechen und -klatschen soll, alles ganz einfach, es gibt gleich ein allgemeines Eingrooven, die Zuhörer sind ganz konzentriert, dann schließt Ludin mit einem dramatischen Beckenschlag unerwartet ab.

Später, es geht mit dem Cajon nach Spanien, übt Ludin wieder einen Rhythmus ein, teilt das Publikum in zwei Gruppen, lässt eine leicht abwandeln und voilà, steht der originale Flamencorhythmus im Raum, mit einem verblüffend eleganten Drive. Die Leute sind begeistert, nicht wenige hat er schon nachmittags in einem Workshop angewärmt. Zwischendurch bemerkt man den vollen Sound, den er mit den leicht verstärkten Instrumenten schafft und die schier endlose Vielfalt der Klänge.

Was Ludin etwa aus einer simplen Rahmentrommel herausholt ("Irgendwann hab ich gemerkt, dass eine Rahmentrommel Charakter hat"), ist phänomenal und beweist seine souveräne Kompetenz. Einer der zahlreichen Höhepunkt des Konzerts ist den auch ein längerer Titel, "Frauengärten", bei dem er noch ein paar Becken zu Hilfe nimmt. Die erzählerische Tiefe seines Spiels ist beeindruckend und die rhythmische und Klangvielfalt sind überwältigend.

"Es gibt Patterns, die weltweit Gültigkeit haben", sagt er und führt sie sogleich vor. Man ist verblüfft, was einem so alles bekannt vorkommt – und woher es stammt.

Ein weiteres Glanzlicht ist der Titel mit der Conga und zwei Bongos, den Handtrommeln. Darauf inszeniert Ludin "ein Zwiegespräch zwischen Mann und Frau" (sie hat die tiefe Stimme), das er mimisch subtil humorvoll unterstützt, das Ganze beispielhaft farbig und kontrastreich. Hakim Ludin spielt nicht einfach, er erzählt eigentlich musikalisch, auf einem durchweg herausragenden Niveau. "Es hört sich einfach an, aber es braucht viel Zeit, viel Geduld und viel Demut", sagt er.

"Mein Vater hat damals gesagt, "Geh nach Deutschland, mach den Ingenieur, und dann kommst du sofort zurück", erzählt er lächelnd. "Ich hab aber Musikwissenschaften studiert und bin hier geblieben." Zum Glück. Im Nu ist die Zeit verflogen, und Hakim Ludin erhält außergewöhnlich heftigen Beifall, sehr lange.

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