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Johanna Korf an der Marienstiftsorgel.

Musikalische Wohltat

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Lich (jou). Für das Konzert am Pfingstsonntag in der Marienstiftskirche kehrte Organistin Johanna Korf gleichsam zu ihren musikalischen Wurzeln zurück: Hier erhielt sie bei Kantor Christof Becker ihren ersten Orgelunterricht. Nun steht sie kurz vorm Masterabschluss an der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik Halle, und dies war ihren ausgereiften Darbietungen auch anzumerken. Klangliche Leuchtkraft und Ehrfurcht gebietende Erhabenheit verlieh sie dem akkordischen Anfangsteil der Partita über "Heut triumphieret Gottes Sohn" von Johannes Weyrauch. Auch im weiteren Verlauf mutete die Konzeption durchdacht an. Die kontrastreiche Registrierung bis hin zu sanften Ruhepunkten brachte Korf mit feinem Instinkt zur Geltung. Besonders faszinierten weihevolle Momente. Knifflige polyphone Abschnitte zeichnete die Organistin recht klar, überhaupt wirkte die Gestaltung anschaulich.

Von der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück in die Barockzeit führten Johann Sebastian Bachs Toccata und Fuge C-Dur BWV 564. Virtuos meisterte Korf spielerisch-leichte Motivik wie rasche Läufe. In ihrer ansprechenden Interpretation bekam die Musik experimentelle Züge. Die kompositorische Vielfalt dieses Werkes reicht so weit, dass Forscher vermuten, Bach habe sie in seiner Tätigkeit als Orgelgutachter verwendet. So nahm der folgende Adagio-Teil mit in ganz andere, betont ernste Sphären, lud die Besucher ein, wie bei einem Gebet in sich hineinzuhorchen. Das spirituelle Erlebnis gipfelte in der zeitlos schönen, überaus elegant vorgetragenen Fuge. Wie von einer überirdischen Macht gelenkt, griffen die Stimmen ineinander, schienen sich gegenseitig anzustoßen.

Die musikalischen Höhenflüge setzten sich fort bei Bachs Orgelchoral "Schmücke dich, o liebe Seele". Darin berührte der klanglich intime, meditative Charakter. Für spezielle Farbigkeit sorgten dichte Ornamente. Auf dieser beschaulichen, introvertierten Linie blieb Heinrich Scheidemanns Choralbearbeitung "Komm, heiliger Geist, Herre Gott".

Ganz anders zum Schluss Max Regers spannungsgeladene Fantasie über "Eine feste Burg ist unser Gott" op. 27. Sie wartete mit brillanten dynamischen Spitzen auf und schlug den Bogen zum Beginn des Konzerts zurück. Alles in allem erwiesen sich die sehr gelungenen Interpretationen der jungen Musikerin als Wohltat für Intellekt wie Sinne und werden den Besuchern noch lang in Erinnerung bleiben. (Foto: jou)

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