Paul Batchelor beim Konzert im "Statt Gießen". FOTO: AXC
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Paul Batchelor beim Konzert im "Statt Gießen". FOTO: AXC

Musik fürs Herz und fürs Hirn

  • vonAxel Cordes
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Lich(axc). "Musik fürs Herz", aber auch fürs Hirn gab es am Abend des Valentinstags mit dem britisch-deutschen Singer-Songwriter Paul Batchelor in der Kinokneipe "Statt Gießen". Vor einem aufmerksamen Publikum drehte sich alles um die Liebe.

Als "Musik fürs Herz" kündigte Karla Katja Leisen, Vorsitzende von künstLich e.V., das Konzert vor gut besetzten Tischen an, aber Paul Batchelor (65), Engländer mit Offenbacher Wohnsitz, hätte wohl ohnehin seine 18 Liebeslieder gespielt - nicht nur am Valentinstag. Er sagt zwar, dass er auch dunklere Lieder à la Nick Drake im Repertoire habe, aber wer die Lieder und sehr persönlichen Einleitungen aufmerksam verfolgt hat, wird keinen Zweifel an der bei aller Melancholie positiven Lebensgrundhaltung des sympathisch unaufgeregten Singer-Songwriters haben.

Originelle und berührende Bilder

Dass die Liebe die Kraft ist, auf die Batchelor in seinem Leben setzt, ist völlig klar. "Love Can Shake You", "Love Will See You Through": viele Titel enthalten das L-Wort, und alle beleuchten die Liebe in ihren vielen Facetten - von dankbaren Liedern über seine Frau ("Woman to Love") und reife Liebe ("September Love") über die zärtliche Betrachtung älterer Menschen ("She Works in Her Garden") bis hin zu Songs über den "Spagat" zwischen seinen beiden großen Lieben: In "Good to Me" bedankt er sich bei seiner "besseren Hälfte" dafür, dass sie seine Zweitbeziehung, die zur Musik, akzeptiert und unterstützt.

Auch das Alter spielt eine Rolle, etwa in der wehmütigen Betrachtung einer brillanten jungen Jazzpianistin und -sängerin, die ja noch so viel Zeit hat, noch besser zu werden: "She Has Time". Ganz dezent fingerschnippend-jazzig wird dieser Gedanke musikalisch umgesetzt.

Ein geschickter Wechsel der Gitarren sorgt bei ruhiger Grundstimmung für Abwechslung. Aber egal, ob er auf der bauchigen Westerngitarre mit perlenden Klängen in offener Stimmung, der leicht verzerrten Halbakustischen oder der schmalen Reisegitarre pickt: Oft begleitet er die Songs durch das Aufschlagen des Daumenballens auf den Saiten mit dezentem Rhythmus, fügt geschmackvoll kleine Fills, Läufe, Hammerings und Glissandi ein. Man mag an berühmte Vorbilder wie James Taylor oder den Briten Julian Dawson denken, mit dem er vor 40 Jahren tatsächlich auf Tournee war. Batchelor geht es aber nicht um Berühmtheit. Die Musik ist nicht seine Haupttätigkeit, wohl aber das, was er "am liebsten" macht.

Meist kreiert Batchelor originelle und berührende Bilder, etwa im "Suitcase Song", einem "schüchternen Liebeslied", das auf der Vorstellung eines einsam auf dem Gepäckband rotierenden Koffers basiert. Nicht zuletzt fasziniert das Konzert auch durch Batchelors angenehm warme Stimme. Die kommt in der Zugabe "All I Need Is You" besonders zur Geltung, die er ohne Gitarre vorträgt. Ein für Herz und Hirn wohltuender Abend vor aufmerksamen Zuhörern - man hoff auf Wiederholung.

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