Heidi Harbusch Demenzberaterin
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Heidi Harbusch Demenzberaterin

Den Menschen Mut machen

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Lich(us). Besucher kann Heidi Harbusch momentan nicht empfangen, aber die Licher Demenzberaterin setzt ihre Arbeit auch während der Corona-Krise fort, nun eben am Telefon. Der Bedarf sei gerade in diesen Zeiten gegeben, sagt die gelernte Pädagogin. Die wegen der Pandemie verhängten Beschränkungen treffen Familien mit an Demenz erkrankten Angehörigen besonders heftig. Normalerweise helfen Tagesstätten, Gesprächskreise oder Betreuungsangebote wie in Lich das Café Vergissmeinnicht, den Alltag zu gestalten. "Das ist jetzt alles nicht da", bedauert Harbusch. Sie weiß von Familien, die ihre kranken Angehörigen so lange wie möglich zu Hause betreuen wollen und deshalb in hohem Maße externe Angebote in Anspruch genommen haben. Nun müssen sie allein zurechtkommen.

Tag strukturieren

Die Situation sei für alle Beteiligten gleichermaßen schwierig: Für die Angehörigen, weil sie ohne die gewohnte Unterstützung völlig überlastet sind. Und für die Erkrankten, weil ihr gewohnter Alltag aus den Fugen gerät. Dabei sei eine klare Struktur gerade für an Demenz Erkrankte wichtig, weiß die Beraterin. Ihre telefonische Demenzsprechstunde sieht sie als Angebot an Betroffene, sich an neutraler Stelle mal richtig das Herz auszuschütten zu können. "Das Angebot ist kostenlos und vertraulich", unterstreicht Harbusch. Sie stehe unter Schweigepflicht, sie sei unbeteiligt, und sie könne Rat oder auch Literaturtipps geben. "Es gibt jemanden, der mir zuhört" - das ist die Erfahrung, die die Anrufer machen sollen.

In ihren Gesprächen hat Harbusch erfahren, wie sehr manche Angehörige unter der aktuellen Situation leiden. "Sie sehen alles schwarz, das geht schon in Richtung Depression." Leider sei es momentan auch schwierig, therapeutische Hilfe zu finden. "Alle sind total überlastet."

In solchen Fällen versucht die Beraterin vor allem, die Anrufer aufzumuntern, ihren Blick auf die positiven Dinge zu lenken und Anregungen für die Gestaltung des Alltags zu machen. An die frische Luft gehen, sich bewegen, etwas spielen und mal ein Späßchen machen - schon kleine Dinge könnten Entlastung bringen. Besonders wichtig sei ein strukturierter Tagesablauf. Vor allem aber will Harbusch den Betroffenen Mut machen: "Es bleibt nicht so. Es kommen auch wieder bessere Zeiten."

Kontakt- Träger der Demenzberatung in Lich ist der DRK-Kreisverband. Die telefonische Demenzsprechstunde wird montags von 10 bis 12 und donnerstags von 16 bis 18 Uhr angeboten: Tel. 0 64 04/806-191. Auf Wunsch können Termine außerhalb dieser Zeiten vereinbart werden. E-Mail: demenzberatung@lich.de.FOTO: US

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