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Immer jünger, immer länger: Weil Kinder heute schon mit ein oder zwei Jahren in den Kindergarten gehen und viele über Mittag bleiben, wird der Bedarf an Betreuungsplätzen immer größer. Viele Träger stellt das vor Probleme, auch die Stadt Lich. (Symbolfoto: dpa)

Mangelware Kita-Platz

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Lich (ti). Erst vor wenigen Tagen wurde in Lich der Grundstein für eine neue Kindertagesstätte gelegt, das Kooperationsprojekt von Kommune und Asklepios-Klinik, das im Landkreis wegen seines Zwölf-Stunden-Betriebes einzigartig sein wird. Im April 2020 soll der Neubau fertig sein und 74 zusätzliche Betreuungsplätze bieten. Und die werden in der Stadt dringend benötigt: 73 Mädchen und Jungen stehen derzeit auf Wartelisten für das laufende Kindergartenjahr, 51 davon unter drei Jahren. Dies ging aus dem Bericht hervor, den die zuständige Verwaltungsmitarbeiterin Bianka Heyer in der Sitzung des Sozialausschusses am Montagabend vorlegte. Fazit: Die Kinderbetreuung wird eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahre sein.

Die betroffenen Eltern seien angeschrieben worden, zwei hätten sich zurückgemeldet und mitgeteilt, dass sie auf die Plätze angewiesen seien, so Heyer. In Kooperation mit dem Landkreis, der für die Betriebserlaubnis der Kitas zuständigen Fachaufsicht, würde in solchen Fällen nach einer Lösung gesucht und diese über Ausnahmeregelungen - beispielsweise durch eine kurzfristige Überbelegung der Gruppen - meist auch gefunden, erklärte Bürgermeister Bernd Klein. "Da, wo es dringend ist, kriegen wir es irgendwie hin, aber es knirscht gewaltig."

Kein Zukauf mehr möglich

Je eher also die Betreuungsplätze auf dem Klinikgelände zur Verfügung stehen, desto besser. Trotzdem werden auch sie nicht reichen, um den Bedarf zu decken, so Heyer. Nach den bereits jetzt für das Kindergartenjahr 2020/21 vorliegenden Anmeldungen sind "alle Einrichtungen voll, aber nicht alle Kinder untergebracht". Die Ursachen für diese Situation, die übrigens kein Licher Problem darstellt, sondern 14 der 17 Landkreis-Kommunen betrifft, sind vielfältig.

Eine davon heißt Kinderförderungsgesetz, das seit 2015 verbindlich ist und den Städten und Gemeinden die Planungen erheblich erschwert. Denn je nach Alter eines Kindes belegt es nicht nur einen, sondern anderthalb oder zweieinhalb Betreuungsplätze. Integrationskinder sogar noch mehr. Eine weitere Ursache ist dem Umstand geschuldet, dass immer mehr Eltern ihre Kinder früher, also bereits mit ein oder zwei und nicht wie früher mit drei Jahren im Kindergarten anmelden. Und immer mehr Mädchen und Jungen bleiben über Mittag.

Beides stellt die Träger vor weitere Probleme. Erstens: Je jünger die Kinder sind, desto mehr Fachkräfte müssen eingestellt werden. Diese kosten Geld und sind aufgrund des enormen Bedarfs schwer zu bekommen, auch wenn es in Lich bisher kein Problem war, offene Stellen zu besetzen. "Auf unsere Ausschreibungen haben wir immer eine hohe Anzahl an Bewerbungen", berichtet der Bürgermeister und begründet dies mit der Attraktivität von Lich als Wohnort.

Zum laufenden Kindergartenjahr hat die Kommune fünf neue Erzieherinnen eingestellt, insgesamt beschäftigt sie in ihren fünf Einrichtungen - weitere fünf sind in freier Trägerschaft - 50 Fachkräfte. Zusätzliche zwölf Vollzeitstellen werden für die Klinik-Kita benötigt. Die Ausschreibung erfolgt im Herbst.

Zweitens: Weil immer mehr Kinder über Mittag bleiben, stoßen die Einrichtungen an ihre räumlichen Grenzen, es können nicht mehr alle Elternwünsche berücksichtigt werden. Essen kann nur, wer die Nachmittagsbetreuung über einen festen Platz in Anspruch nimmt. Ein Zukauf ist seit 1. August aus Platzgründen in keiner der Einrichtungen mehr möglich. Klein: "Wir wollen die Kinder ja nicht abfertigen. Es findet in dieser Zeit auch Pädagogik statt."

562 Plätze stehen derzeit in den zehn Kindergärten zur Verfügung. Fünf davon sind in Trägerschaft der Stadt, zwei werden von der Lebenshilfe betrieben, zwei weitere von Elternvereinen und eine von der evangelischen Kirchengemeinde Langsdorf. Betreut wird, je nach Einrichtung, frühestens von 7 Uhr an bis maximal 16.30 Uhr. Bis auf den Muschenheimer Kindergarten bieten alle Nachmittagsbetreuung an.

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