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Im Hardtwald gehen die Schützen der Schießsportgemeinschaft Ettingshausen-Seenbachtal ihrem Hobby nach. Vor allem, wenn sie mit dem Großkaliber schießen, ist das in der Umgebung mitunter deutlich zu hören.

"Es ist manchmal grenzwertig"

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Lich/Reiskirchen (ti). Samstagnachmittag. Die Sonne strahlt vom Himmel über Ober-Bessingen. Carl-Albert Götz sitzt unter seiner Pergola hinterm Haus, ringsherum bewegen sich Sträucher und Stauden im Sommerwind. Nur dann und wann dringen von der Kreisstraße nach Nonnenroth die Motorgeräusche vorbeifahrender Autos herüber. Doch das fällt kaum ins Gewicht. Es ist ein lauschiges Plätzchen, an dem der 66-Jährige wie so oft seinen Ruhestand genießt. Doch der Schein an jenem Nachmittag trügt, denn nicht selten wird die Ruhe gestört. Gerade samstags. Die Schützen aus dem benachbarten Ettingshausen sind der Grund dafür. Wenn sie im Hardtwald den Abzug betätigen, hört man das in der Umgebung mitunter ganz ordentlich.

"Wir sitzen nicht hier und fühlen uns durch die Schießerei gestört", sagt Götz. "Aber unser Hund leidet sehr darunter." Täglich seien er und seine Frau mit dem Vierbeiner in der Gemarkung unterwegs, marschierten von Ober-Bessingen aus rund um den Hässels, Richtung Röthges, Münster und dann wieder zurück. Wenn in Ettingshausen mit dem Großkaliber geschossen wird, "kriegt der Hund panische Angst und zittert am ganzen Körper", erzählt der Senior. "Wenn er nicht angeleint ist, geht er durch. Es stresst ihn ungemein." Ruhig wird das Tier erst wieder, wenn die Schützen fertig sind, und "das geht oft über Stunden".

Mittwochs von 15 bis 18 Uhr und samstags ab zehn (bis 18) Uhr, um genau zu sein. Denn für diese Zeiten liegt dem Verein eine Genehmigung für das Schießen mit dem Großkaliber vor. Eigentlich auch für den Dienstagnachmittag, aber da fehlt es derzeit an Betreuungspersonal, wie Vorsitzender Ortwin Schäfer erläutert. Dass sich jemand durch den Freizeitspaß der Schießsportgemeinschaft Ettingshausen-Seenbachtal gestört fühlt, erstaunt ihn. Schäfer: "Das ist mir völlig neu."

Doch nicht nur Carl-Albert Götz hat mit den lärmenden Salven ein Problem. Auch anderen stößt der Freizeitspaß der Schützen bitter auf. "Gerade am Wochenende, wenn man auf der Terrasse entspannen möchte und dann über Stunden geschossen wird, nervt das sehr", sagt Yvonne Langer, die mit ihrem Mann seit sieben Jahren in der Straße Zum Hardtwald in Ettingshausen wohnt, also nahe des Gebietes, in dem die Schützen ihr Vereinsdomizil haben. Auch sie ist Hundebesitzerin und bestätigt die Probleme, die Carl-Albert Götz schildert.

Karin Römer, Ortsvorsteherin in Ober-Bessingen und eine Nachbarin des 66-Jährigen, beklagt sich auf GAZ-Anfrage ebenfalls über den Schießlärm. "Samstagnachmittags ist es manchmal grenzwertig", findet sie. Direkt beschwert habe sich bei ihr aber noch niemand.

Gleiches gilt für Ettingshausen. "Das ist das erste, was ich höre", sagt Ortsvorsteherin Petra Süße, und auch bei der Gemeindeverwaltung und dem Chef der Schützen ist noch keine Kritik laut geworden. Solange sich das nicht ändert, wird man seitens des Vereins auch nichts unternehmen. "Irgendwer beschwert sich doch immer", meint Schäfer. Die einen fühlten sich durch Musikveranstaltungen gestört, andere von der Motorsäge des Nachbarn. Handlungsbedarf in Sachen Lärmschutz auf dem Schießstand sieht er nicht, zumal eine Immissionsprüfung in der Vergangenheit zu dem Ergebnis geführt habe, "dass der Lärm nicht belästigt", was Kreis-Pressesprecher Dirk Wingender auf GAZ-Anfrage bestätigt.

Für den Schießstand Ettingshausen liege ein Genehmigungsbescheid des Regierungspräsidiums vom 31. März 2000 vor. Grundlage für diesen sei auch ein schalltechnischer Messbericht zur nächst gelegenen Wohnbebauung, die rund 350 Meter entfernt liege. Wingender: "Diese Überprüfung führte zu keinen Beanstandungen. Seither sind der Überwachungsbehörde keine Beschwerden oder sonstigen Probleme bekannt." Schäfer: "Bei uns läuft alles ganz korrekt ab."

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