In diesem Jahr gibt es keinen Historischen Markt in Lich, somit fällt auch das historische Spiel aus. Die Kircheblazzgaugler kündigen dafür bereits die Themen der beiden kommenden Aufführungen an. ARCHIVFOTO: PAD
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In diesem Jahr gibt es keinen Historischen Markt in Lich, somit fällt auch das historische Spiel aus. Die Kircheblazzgaugler kündigen dafür bereits die Themen der beiden kommenden Aufführungen an. ARCHIVFOTO: PAD

Luthers Übernachtung in Lich

  • vonred Redaktion
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Lich(pm). Wie alle Großveranstaltungen muss in diesem Jahr auch der 36. Historische Markt in Lich mitsamt dem historischen Spiel ausfallen. Beides war vorgesehen für das kommende Wochenende. Das für Samstag geplante historische Spiel "Der Bauernstreit zu Lich" wird um zwei Jahre verschoben, da im kommenden Jahr ein besonderes Ereignis ansteht.

Auch die Kircheblazzgaugler um Spielleiter Gerhard Pappe sind betrübt, hatten sie doch schon engagiert mit den Proben begonnen, die im März dann abgebrochen werden mussten. Wie der Spielleiter, der auch Autor des historischen Spiels ist, berichtet, schlug auch alle Hoffnung fehl, die Arbeit nach Ostern wieder aufnehmen zu können und bis zum Historischen Markt am 16. Mai fertig zu werden. Das Coronavirus machte einen Strich durch die Rechnung.

Bauernstreit wird 2022 gespielt

Doch wenn auch in diesem Jahr alles abgesagt ist, haben sich die Kircheblazzgaugler bereits Gedanken darüber gemacht, wie es mit dem historischen Spiel weitergehen soll. Das für dieses Jahr geplante Spiel werden sie nicht einfach auf das nächste Jahr verschieben, sondern erst 2022 aufführen. Es handelt sich um einen Streit zwischen Lich und Langsdorf aus dem Jahre 1729.

Die Verschiebung hat einen wichtigen Grund. Denn 2021 ist Lutherjahr. Vor 500 Jahren fand der Reichstag in Worms statt, auf dem sich Martin Luther verantworten musste. Auf der Reise dorthin ist er auch nach Lich gekommen und hat dort übernachtet. Das ist durch einen sogenannten Furier Zettel, also eine Unter-bringungsliste, belegt, schreibt Pappe. Ein später eingetragenes Datum auf diesem Dokument nennt den 21. April 1521, das wäre die Rückreise gewesen.

Da der Furier Zettel eine ganze Reisegesellschaft mit 30 Personen und 89 Pferden benennt, muss man wohl eher von der Hinreise ausgehen, "denn auf der Rückreise dürfte Luther wohl nicht von einem so großen Tross begleitet worden sein". Es dürften sich auch Gefolgsleute und Gesinde bei den Reisenden befunden haben, sodass man von einer viel höheren Personenzahl ausgehen könne. Luther selbst wurde von drei Personen auf seinem Reisewagen begleitet, von denen im Furier Zettel keine Rede ist.

Mit dieser Unterbringung in Lich sowie dem Alltagsleben in der Stadt und einem Gespräch Luthers mit dem Grafen Philipp, beschäftigt sich das Stück im kommenden Jahr, verrät der Spielleiter. Dieses Gespräch habe so nicht stattgefunden, soll aber den Hintergrund der Reise, Luthers theologische Darlegungen, die er vor dem Reichstag verantworten musste, und die Meinung der weltlichen Obrigkeit, die Graf Philipp vertritt, veranschaulichen.

Aufgrund des Jahrestages wird das Stück über Luther im kommenden Jahr aufgeführt, "weil nämlich das Jahr 2021 mit dem Reichstag in Worms ganz unumstößlich festlegt, dass Luther in Lich nur in eben diesem fünfhundertsten Jahr gespielt werden kann", erklärt der Spielleiter. Der Streit mit Langsdorf komme deshalb 2022 zum Zuge. Pappe verspricht, dass die Kircheblazzgaugler die Besucher wieder "mit der gewohnten Spielfreude" unterhalten werden.

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