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Nach dem Beschluss des Verwaltungsgerichtshofes in Kassel hat die Dietz AG die Arbeiten an der Langsdorfer Höhe unverzüglich wieder aufgenommen. FOTO: SO

Langsdorfer Höhe

Logistikzentrum Lich: Gegner könnten bei Wahl antreten

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Die Gegner des Logistikzentrums nahe Lich wollen alle juristischen Mittel ausschöpfen, haben über 3000 Unterschriften gesammelt und spielen mit dem Gedanken, bei der Kommunalwahl anzutreten.

Lich - "Es ist falsch, jetzt den Eindruck zu erwecken, man könnte keinen Einfluss mehr nehmen. Die Möglichkeit gäbe es. Aber sie wird nicht genutzt. Weil der politische Wille nicht da ist!" Magnus Schneider von Bürger für ein lebenswertes Lich (BfL) nennt es ein "Drama", was sich derzeit in Lich in der Politik abspiele. Am heutigen Mittwochabend tagt die Stadtverordnetenversammlung, um neben anderem erneut die Zukunft der Langsdorfer Höhe aufzurufen. Und an diesem Punkt einen Verfahrensfehler zu heilen, konkret die Frage der Kaufvertrags-Fristverlängerung zu klären.

Schneider, Vorsitzender der BfL, hat sich mit einem dreiseitigen Schreiben nochmals an alle Stadtverordneten gewandt, wiederholt darin alle von den Gegnern hinlänglich dargelegten Argumente von Unwirtschaftlichkeit bis zu Verkehrsproblemen, und appelliert an die Kommunalpolitiker, jener Kaufvertrags-Fristverlängeurng die Genehmigung zu versagen. Dies, um das Projekt bremsen oder umsteuern zu können.

Es steht zu erwarten, dass der Sitzungssaal der Stadtverordneten im Rathaus einmal mehr aus allen Nähten platzen wird. Denn die Gegner des auf der Langsdorfer Höhe geplanten Logistikzentrums sind motiviert, wollen ihren Widerstand fortsetzen.

Logistikzentrum Lich: Über 3000 Unterschriften

So sammeln Magnus Schneider, Burkhard Neumann und ihre Mitstreiter unverdrossen weiter Unterschriften gegen das nach ihrem Dafürhalten überdimensionierte Logistikzentrum, das die Dietz AG errichten will. Mehr als 3000 Unterschriften sind binnen zehn Tagen zusammengekommen. "Auch 4000 Unterschriften zu bekommen, dürfte kein Problem sein", ist sich Neumann sicher, der als Sprecher der BfL fungiert. Warum aber die Sammlung, wenn der Verwaltungsgerichtshof in Kassel schon längst entschieden hat, dass vom Grundsatz her alles rechtens gelaufen ist und gebaut werden darf? "Wir wollen dokumentieren, dass es in der kleinen Stadt eine große Zahl an Menschen gibt, die dagegen sind", sagte Neumann.

Just das ist der Punkt, der Schneider und Neumann wütend macht: Sie werfen den politisch Handelnden in der Stadt vor, Sorgen und Ängste der Bürger nicht wahrzunehmen geschweige denn ernstzunehmen, sprechen von "fehlendem Verständnis". Aber, so sagt Schneider: "Genau da gibt es eine Verantwortung der Politik". Deshalb wird mittlerweile sogar darüber nachgedacht, wie man sich auf der politischen Bühne in Lich anders positionieren könnte. Eine eigene Liste zur Kommunalwahl in 2021? Das liegt immerhin im Bereich des Möglichen. Schneider und Neumann deuten es an, ohne schon konkreter werden zu wollen.

Logistikzentrum Lich: Weitere juristische Prüfungen

Und noch ein Signal sendet BfL-Vorsitzender Schneider: Man denkt darüber nach, das Grundstücksgeschäft mit der Dietz AG vergaberechtlich prüfen zu lassen. Denn, so sagt Neumann: Es habe durchaus andere Unternehmen gegeben, die sich eine Bebauung der Langsdorfer Höhe hätten vorstellen können und zwar kleinteiliger - aber dies sei von Bürgermeister Bernd Klein (SPD) "so nicht gewollt gewesen". Neumann wiederholte gestern in einem Pressegespräch die schon einmal von ihm erhobenen Vorwürfe: "Er hat mit Dietz so verhandelt, dass er keinen anderen reinlässt. Es wurden keine Alternativen in Betracht gezogen". Welche Immobilienunternehmer aus der Region er damit meint, das will Neumann mit Rücksicht auf jene Geschäftsleute nicht öffentlich darlegen. Klein hat stets zurückgewiesen, dass es ernsthafte Alternativen geben hat.

Mittlerweile sind die Gegner des Projekts den nächsten juristischen Schritt gegangen und haben eine so genannte "Anhörungsrüge" eingereicht. In dem Brief an die Stadtverordneten kündigt Schneider des weiteren an, man werde "bis zur letztmöglichen juristischen Instanz gehen".

Info: Das wird geplant

Die Dietz AG plant und baut im Südosten von Lich an der B457 ein Logistikzentrum. Mieter und Nutzer soll der amerikanische Online-Möbelhändler Wayfair werden. Der Protest der Gegner richtet sich gegen die Dimension des Baues, und eine befürchtete Verkehrsbelastung.

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