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Licher Stadtturm soll Museum werden

Lich (nab). Viel vorgenommen haben sich die Turmfreunde Lich für die nächsten zehn Jahre. So soll der alte Wehrturm aus dem 13. Jahrhundert künftig Besuchern nicht nur einen schönen Rundumblick über Lich bescheren, sondern der 25 Meter hohe Fachwerkaufbau mit Türmerwohnung wieder originalgetreu hergestellt werden.

Neben dem Museum soll die Wohnung auch für besondere Veranstaltungen vermietet werden.

Festgeschrieben sind all diese Vorhaben in der Agenda 2024, die sie am Mittwoch im Turmverlies vorstellten. Damit die Investitionen in Höhe von rund 175 000 Euro umgesetzt werden, setzen die Turmfreunde wieder auf die Finanzierung aus eigenen Mitteln und auf Paten, die als Sponsoren die Ausbauvorhaben unterstützen. Das Konzept für die Patenschaften sieht vor, den gesamten Turmkopf ideell in 17 Teile zu gliedern, für die dann Patenschaften übernommen werden können: Für die vier Teile des Turmgangs, den Mittelgang, die vier Zimmer der oberen Etage sowie die linke und rechte Hälfte der Turmhaube übernehmen die 17 Paten dann jeweils bis zu 5000 Euro. Den jeweils gleichen Betrag erbringen Turmfreunde aus ihren über die Jahre erwirtschafteten Mitteln, erläuterte Franz-Gerd Richarz.

Vier Paten haben sich so schon gefunden: eine anonym bleibende Patin aus Berlin, Alexander Tielsch von der Goldschmiede in Lich, Martin Laue aus Eberstadt vom Ingenieurbüro Lauetec und Anke Herde-Bertram und Olaf Herde von der Neuen Apotheke in Lich, die im Frühjahr eine neue Apotheke "Am Stadtturm" eröffnen.

"Nachdem wir seit 2006 die Begehbarmachung des Turmes geschafft haben, wollen wir jetzt in den nächsten zehn Jahren dafür sorgen, dass er seinen Kopf noch lange stolz aufrecht tragen kann." Turmfreund und Architekt Christoph Leidner habe dafür eine Gesamtplanung entwickelt, die er fachlich betreut und in enger Absprache mit der Denkmalpflege und der Stadt Lich (als Besitzerin des Gebäudes) umsetzt. "Wir folgen einen Traum, sind aber keine Träumer", fügte Hannelore Rischmann hinzu. Es werde Jahre dauern, bis die Türmerwohnung statisch gesichert und wiederhergestellt ist.

Tausend Besucher im Jahr

Die statische Sanierung der Turmhaube und der Rückbau der Sicherungsmaßnahmen von 1910 bis heute ist mit veranschlagten 70 000 Euro der teuerste Teil. Das Wiederherrichten der Fachwerkwände und die Schließung der Fachwerkgefache soll 15 000 Euro kosten. Ebenfalls 15 000 Euro fallen für die historische Wohnungseinrichtung an und ebenso viel für Elektroarbeiten und Sicherheitsbeleuchtung. 10 000 Euro kosten die Brandschutzmaßnahmen, 3000 Euro neue Fenster, 5000 Euro die Arbeiten an den Türen und ebenfalls 5000 Euro die Besucherführung und Sicherheitsbeleuchtung. Zudem sind Nebenkosten in Höhe von 10 000 Euro und Rücklagen von 17 000 Euro für Unvorhergesehenes eingeplant.

Aber auch die Winterpause haben die Turmfreunde genutzt, um den Turm weiter aufzuwerten. Architekt Bernd Leidner hat historische Fliesen gespendet, die auf dem Boden im Verlies verlegt wurden. Sie sind rund 200 Jahre alt und lagen früher auf den Dachböden der Fachwerkhäuser in der Altstadt, wo Getreide getrocknet wurde. Auch die Gewölbedecke wurde gesichert und dabei gleichzeitig das "Angstloch" wiederhergestellt. Die Kosten von rund 5000 Euro kommen allesamt aus Einahmen, die die Turmfreunde aus Aktivitäten wie Stadt- und Turmführungen oder Planwagenfahrten erwirtschaftet haben.

Ein Besuchermagnet ist der Stadtturm allemal, berichtete Richarz. Seit seiner Eröffnung 2011 hätten ihn jährlich 1000 Menschen besichtigt. Allein in diesem Jahr sind schon 790 Besucher gekommen. Unter ihnen sind Leute, die von der Autobahn abfahren, weil sie das Hinweisschild sehen, aber zu nehmend auch Menschen aus dem Ausland, fügte Rischmann hinzu. Und selbst als Trauzimmer für die standesamtliche Trauung werde das Verlies bestens angenommen.

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