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Licher Firma entwickelt Schnelltest zum Nachweis von Covid-19

  • vonChristina Jung
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Im Kampf gegen das Coronavirus ist großflächiges Testen das A und O. Die Licher Firma BAG Diagnostics hat einen neuartigen Schnelltest entwickelt.

Im Kampf gegen das Coronavirus ist großflächiges Testen das A und O. Die Licher Firma BAG Diagnostics hat einen neuartigen Schnelltest entwickelt. Was das Besondere daran ist und wie er funktioniert, erklärt Dr. Nicolas Sachsenberg, Geschäftsführer des Unternehmens.

Herr Sachsenberg, Ihre Firma BAG Diagnostics hat einen neuen Schnelltest entwickelt, um SARS-CoV-2 nachzuweisen. Mit welchem Ziel?

BAG verfügt über eine jahrzehntelange Erfahrung bei der Entwicklung und Vermarktung von Labortests. Diese Expertise wollten wir unbedingt unterstützend in der aktuellen Situation einbringen. Um die Anzahl an weiteren Infektionen mit dem Virus zu verringern, sind nach dem Stand aktueller Studien sichere Tests eines der wichtigsten Mittel. Damit können Labore sehr schnell zu einer Aussage kommen, ob ein Patient tatsächlich Virusträger ist.

Was heißt denn in dem Fall "sehr schnell"?

Die Testergebnisse liegen rein technisch betrachtet nach circa 90 Minuten vor. Mindestens ebenso wichtig aber ist, dass wir einen Test entwickelt haben, der sichere Ergebnisse liefert.

Wie meinen Sie das?

Bei unserem Test durch Messung eines universal in menschlichen Zellen vorkommenden Gens wird überprüft, ob in den Proben genügend Testmaterial für sichere Ergebnisse vorliegt. Das heißt wir prüfen, ob genügend Virusmaterial mit dem Nasen- und Rachenraumabstrich aufgenommen wurde.

Und das ist neu?

Das können bisher zumindest nur die wenigsten Tests. Findet dieser Check jedoch nicht statt, kann ein Patient fälschlicherweise negativ getestet werden - und wird somit als potentieller Infektionsherd nicht erkannt. Diese Sicherheitslücke haben wir mit unserem Test geschlossen. Zudem kann der Test auf allen gängigen Geräten ausgewertet werden. Das ist uns sehr wichtig. Wir wollen so viel Flexibilität für Kliniken und Labors wie möglich. Und dann gibt es noch einen Vorteil.

Welchen denn?

Unser Kit kann bei Raumtemperatur in den Versand gehen. Im Hinblick auf geringe Transportkosten und der einfacheren Logistik scheint uns das ebenfalls ein wichtiger Faktor zu sein. Die Qualität des Tests darf nicht darunter leiden, dass Kühlketten nicht aufrecht erhalten werden können. Noch wichtiger: Die gesamte Logistik muss für Entwicklungsländer und Hilfsorganisationen erschwinglich sein.

Wie funktioniert der Test?

Für einen Test werden Proben aus Abstrichen des Nasen- und Rachenraums genommen. Das darin enthaltene virale Erbgut wird durch einen molekularen Test nachgewiesen. Mit Hilfe der sogenannten Polymerase-Kettenreaktion (PCR) werden - vereinfacht gesagt - Teilabschnitte des viralen Erbguts vervielfältigt. Die Vervielfältigung dieser viralen Genstücke kann mit Hilfe von Fluoreszenzfarbstoffen gemessen werden. Wird ein Fluoreszenzsignal nachgewiesen, kann daraus abgelesen werden, ob und in welcher Menge SARS-CoV-2-Viren in der Probe enthalten sind.

Ist Ihr Test bereits zertifiziert?

Die CE-Zertifizierung wird in gut einer Wochen abgeschlossen sein.

Ab wann und in welchen Bereichen wird mit dem Test gearbeitet?

Wir haben für die Entwicklung mit unterschiedlichen Laboren und Kliniken zusammengearbeitet und werden die ersten SARS-CoV-2 Tests so schnell wie möglich an unsere Kunden ausliefern. Durch die hohe Nachfrage haben viele Labore bereits Engpässe. Dank unserer hohen Produktionskapazität für mehrere hunderttausend Tests pro Woche können wir hier Abhilfe schaffen.

Ist der Test nur für die Anwendung durch medizinisches Fachpersonal gedacht oder auch für den Privatgebrauch?

Für die Analyse benötigt man spezielles Equipment und Fachwissen. Deshalb ist dieser Test ein reiner Labor-Nachweis sowohl für wenige Proben als auch für den Hochdurchsatz.

FOTO: dpa

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