Geplantes Logistikzentrum

Lich: Protest gegen geplantes Logistikzentrum formiert sich

Kurz vor Ende der Offenlegung des Bebauungsplanes Langsdorfer Höhe protestieren etliche Licher gegen das geplante Logistikzentrum. Potenzieller Mieter soll US-Online-Händler Wayfair sein.

Die Hubbühne hinter dem Aldi-Markt ist am Freitag auf 20 Meter Höhe ausgefahren. So hoch darf laut Bebauungsplan im Industriegebiet Langsdorfer Höhe gebaut werden. Dass die Dietz AG aus Benzheim dort ein Logistikzentrum errichten und vermieten will, ist seit Mai 2018 bekannt. Den ganzen Herbst über und dann noch einmal im Frühjahr haben die städtischen Gremien über dieses Projekt beraten. Als einzige Fraktion waren die Grünen von Anfang an dagegen. Doch jetzt, quasi auf der Zielgeraden, formiert sich Protest auf breiter Linie.

Am 9. August endet die Offenlage des Bebauungsplanes Langsdorfer Höhe. Solange kann auch die Bürgerschaft ihre Bedenken äußern. Und das tut sie. Rund 600 Unterschriften haben Elke Schöne-Neumann und ihre Mitstreiter bislang nach eigenen Angaben gegen das Projekt gesammelt. Am Freitag dürften noch einige hinzu gekommen sein. Über 150 Interessierte nahmen an einer Versammlung teil, zu der die Grünen auf den Parkplatz der Firma Walz eingeladen hatten. (Update: Lich: Investor zieht bei Bürgervotum Stecker bei Logistikzentrum)

Die Fakten darlegen, Kontakte knüpfen, Gruppen bilden: So umschrieb Fraktionsvorsitzender Michael Pieck den Zweck dieses Treffens, das als Auftakt zu einer breit angelegten Diskussion gedacht war. "Es ist noch nicht zu spät", ermunterte Pieck die Zuhörer. Zwar gebe es im Stadtparlament eine breite Mehrheit für das Logistikzentrum, aber die endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen. "Man muss seine Meinung kundtun. In sachlicher Diskussion kann man etwas bewegen", fasste der Fraktionsvorsitzende seine langjährige Erfahrung als Kommunalpolitiker zusammen.

Logistikzentrum Lich: Wayfair als Mieter?

Die Pläne für das Logistikzentrum haben sich seit letztem Herbst geändert. War zunächst die Rede von fünf Hallen mit 14,50 Metern Höhe, so soll jetzt noch eine einzige große gebaut werden: 140 Meter breit, 300 Meter lang. Die Aussagen über die Höhe divergieren. Der Planer sprach zuletzt gegenüber dieser Zeitung von 14,50 Metern, nach Informationen der Grünen sollen allerdings 18 Meter im Gespräch sein. Unter der Hand wird auch der Name des potenziellen Mieters gehandelt: der US-amerikanische Online-Händler Wayfair.

"Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht", sagte der Grünen-Stadtverordnete Ralph Bretschneider, der einige Informationen zu dem Unternehmen zusammengetragen hatte. Der weltweit größte Internetanbieter für Möbel und Haushaltswaren habe seinen Sitz in Boston, seine EU-Vertretung in Galway (Irland) und plane dem Vernehmen nach in Lich ein 100 000 Quadratmeter großes Auslieferungslager. Bretschneiders Fraktionskollege Dr. Thomas Krauskopf erörterte zudem die Möglichkeit eines Bürgerbegehrens für den Fall, dass der Bebauungsplan als Satzung beschlossen wird. Die Grünen machten allerdings klar, dass sie selbst kein Bürgerbegehren initiieren wollen. Pieck: "Aber falls es eines geben sollte, werden wir es unterstützen."

Logistikzentrum Lich: Entscheidung in heißer Phase der Bürgermeisterwahl

Die Höhe der Halle, die Versiegelung von 20 Hektar Fläche und die zu erwartende Verkehrsbelastung waren in der folgenden Diskussion die zentralen Argumente gegen das Projekt. An der Auffahrt von der Hungener Straße auf die B 457 sei täglich mit zusätzlich 1250 Pkw und 1280 Lkw zu rechnen. Der Anteil des Schwerlastverkehrs werde von aktuell sechs Prozent auf 50,6 Prozent steigen, haben die Verkehrsplaner im Zuge der Bauleitplanung errechnet.

Eine besondere Brisanz erhält die Debatte um das Logistikzentrum durch den Umstand, dass die abschließende Entscheidung mit der heißen Phase des Bürgermeisterwahlkampfes zusammen fällt. Von den drei Kandidaten - Peter Blasini (unabhängig), Christian Knoll (CDU) und Dr. Julien Neubert (SPD) - waren die beiden Letztgenannten am Freitag anwesend. Auch wenn sie aller Voraussicht nach auf die Entscheidung keinen Einfluss haben werden: Ihre Position interessierte. Knoll ließ sich nicht auf eine klare Position festnageln. Nur soviel: "Logistik ist nicht unbedingt das, was ich mir an dieser Stelle wünsche." Und man hätte die Öffentlichkeit zu einem früheren Zeitpunkt einbinden müssen. So gebe es jetzt auf der Zielgeraden die Probleme.

Julien Neubert, der einziger Kandidat, der auch im Stadtparlament sitzt, wusste, dass er bei dieser Versammlung einen schweren Stand haben würde: Er habe für das Logistikzentrum gestimmt, weil so am Ort mehrere hundert Arbeitsplätze auch für gering qualifizierte Menschen entstehen. Und weil die Aussicht bestehe, die millionenschweren Verluste, die der Stadt in der Vergangenheit bei der Planung der Langsdorfer Höhe entstanden sind, wieder wettzumachen. Er sei aber offen für andere Meinungen, versicherte Neubert und wies darauf hin, dass die SPD schon vor ziemlich genau einem Jahr zu einer Ortsbegehung an der Langsdorfer Höhe eingeladen hatte. "Damals kamen sieben Leute."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare