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Blick auf die Langsdorfer Höhe von oben: Auf der freien Ackerfläche (Bildmitte, dahinter die Hungener Straße) will die Dietz AG aus Bensheim das umstrittene Logistikzentrum bauen.

Aus für Logistikzentrum?

Lich: Investor zieht bei Bürgervotum Stecker bei Logistikzentrum

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In Lich steht ein Bürgervotum zum Logistikzentrum Langsdorfer Höhe im Raum. Doch der Investor warnt: Ohne ein baldiges klares Ja werde er "den Stecker ziehen" müssen.

Die Bürger sollen entscheiden: Nach wochenlanger Kontroverse um das Logistikzentrum an der Langsdorfer Höhe scheint sich eine Mehrheit der Licher Stadtverordneten auf diese Formel einigen zu können. Für den Investor ist das keine Lösung: "Eine Bürgerbefragung wäre der Todesstoß für das Projekt," sagt Dr. Wolfgang Dietz, der Vorstandsvorsitzende der Dietz AG. Ohne ein klares Ja zur Logistikhalle werde man in zwei Wochen den Stecker ziehen müssen, denn: "Der Schaden wird täglich größer."

Dietz versichert, dass er keine Drohkulisse aufbauen wolle. Aber ein Bürgervotum könne man nicht mehr abwarten. "Uns läuft die Zeit davon. Ab einem gewissen Zeitpunkt steht der Nutzer nicht mehr zur Verfügung." (Update: Großer Schweigemarsch in Lich - Protest gegen Logistikzentrum)

Die parlamentarischen Beratungen für die Ansiedlung des Logistikzentrums an der Langsdorfer Höhe laufen seit Mai 2018. Seither wurden alle notwendigen Beschlüsse im Stadtparlament mit breiter Mehrheit gefasst. In Anbetracht dieses Rückenwinds erwarb die Stadt für 2,33 Millionen Euro alle noch erforderlichen Grundstücke. Die Dietz AG ihrerseits investierte nicht nur in Gutachten und die Ausarbeitung des Bauantrags. Sie fand auch einen interessierten Nutzer und schloss für das gesamte Logistikzentrum mit einer einzigen großen Halle einen Mietvertrag auf 15 Jahre ab.

Logistikzentrum Lich: Zeitplan schon jetzt aus dem Takt

"Normalerweise sollten wir auf der Langsdorfer Höhe schon seit zwei Monaten bauen", unterstreicht Dietz. Doch der Zeitplan geriet aus dem Takt. Grund dafür ist der Kreisverkehr für eine bessere Anbindung des Industriegebiets an die B 457, zu dessen Finanzierung sich der Investor nachträglich bereiterklärt hatte und der eine erneute Offenlage des Bebauungsplanes notwendig machte. Erst während dieses Verfahrensschritts erhoben sich erste kritische Stimmen aus der Bürgerschaft und entwickelten sich zu einem Proteststurm, der Tag für Tag lauter wurde. Ironie des Schicksals: Hätte sich die Dietz AG nicht um die Verkehrsproblematik geschert, würden an der Langsdorfer Höhe jetzt wohl längst die Bagger rollen.

Dass nach dem Bau des Logistikzentrums mehr Verkehr über die B 457 rollen werde, bestreitet der Vorstandschef nicht. Aber die im Gutachten genannten Zahlen hätten "nichts damit zu tun, was da tatsächlich an Verkehr entsteht." Bei den im Gutachten genannten 1280 Lkw-Bewegungen täglich (also 640 Laster, die ins Industriegebiet ein- und wieder ausfahren) handele es sich um Maximalzahlen, die auf einer Modellrechnung beruhten. Der potentielle Mieter gehe von 300 bis 400 Fahrzeugen am Tag aus.

Dietz unterstreicht es im Gespräch gleich mehrfach: Eine Einbindung der Bürger sei de facto keine Option zur Entscheidungsfindung. Die Zeit, die ein solches Verfahren in Anspruch nehme, habe man nicht." "Wer sich dafür entscheidet, entscheidet sich gegen die Ansiedlung," unterstreicht der Manager.

"Hohe wirtschaftliche Schäden" bei Scheitern des Logistikzentrums Lich

Scheitere das Logistikzentrum, müssten Investor und Kommune mit wirtschaftlichen Schäden in Millionenhöhe rechnen. Die Dietz AG habe sich nicht nur dem künftigen Mieter gegenüber vertraglich verpflichtet, sondern auch bauliche Vorleistungen beauftragt und müsse sich von diesen beiden Seiten auf Schadensersatzforderungen einstellen. Und auch für die Stadt sieht Dietz unwägbare Risiken. Nicht nur wegen der bereits getätigten Grundstücksankäufe und den daraus resultierenden Schulden.

Es werde in Zukunft schwer sein, die Langsdorfer Höhe zu vermarkten. "Das Grundstück ist verbrannt, das fasst doch keiner mehr an." Die Dietz AG sei eines der führenden Unternehmen im Bereich Bau und Immobilien. "Wenn wir hier scheitern, traut sich keiner mehr."

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