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So könnte laut Dietz AG das Logistikzentrum an der Langsdorfer Höhe aussehen (Blick von der Tankstelle an der Hungener Straße auf die Zufahrt für Mitarbeiter).

Langsdorfer Höhe

Kritiker des geplanten Logistikzentrums in Lich warnen vor Verkehrsbelastung

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Der zusätzliche Lkw-Verkehr, den das Logistikzentrum an der Langsdorfer Höhe in Lichbringen würde, ist nach wie vor das Thema, was viele Licher beschäftigt. Dennoch hat das Projekt wohl seine vorletzte politische Hürde genommen.

Aus bauplanerischer Sicht gibt es nichts, was gegen einen Satzungsbeschluss spricht. Dieses Fazit zog Mathias Wolf vom Planungsbüro Holger Fischer am Montagabend im Licher Bauausschuss, nachdem er die Ergebnisse der Offenlage des Bebauungsplanes Langsdorfer Höhe lange und ausführlich erläutert hatte.

Verfolgt wurde seine Präsentation sowie die von Markus Engelmann, Vorstandsmitglied der Dietz AG, nicht nur von den Mitgliedern des Gremiums, die den Bebauungsplan am Ende mehrheitlich befürworteten. Auch andere Mandatsträger sowie rund 120 interessierten Bürger hörten zu. 19 von ihnen nutzten eine Sitzungsunterbrechung, um den Referenten Fragen zu stellen. Nach wie vor das beherrschende Thema für viele Licher: die befürchtete Verkehrsbelastung.

Logistikzentrum Lich: Stellungnahmen umfassen 70 Seiten

Zurück zur Offenlage: 45 Fachbehörden waren gefragt worden, ob ihre Belange betroffen sind, knapp 70 Seiten umfassen die Stellungnahmen. Die meisten dieser Träger öffentlicher Belange hatten dem Bebauungsplan grundsätzlich zugestimmt. Ablehnung kam nur von zwei Seiten: vom Dezernat Bodenschutz beim Regierungspräsidium Gießen, das die massive Vollversiegelung kritisiert, und vom NABU-Kreisverband. Letzterer hat insgesamt drei Stellungnahmen abgegeben. Grund dafür sind vor allem die Population von Feldlerche und die Zauneidechse. Jene Eidechse kommt auf dem Gelände an der B 457 in zwei Bereichen vermehrt vor, wie Wolf erläuterte. Zahlreiche Untersuchungen habe es deswegen gegeben. Ersatzbiotope wurden angelegt, die Reptilien überwiegend bereits umgesetzt.

Neben den Fachbehörden hatten sich auf insgesamt 160 Seiten 15 Bürger zum Bebauungsplan geäußert. Kritik kam unter anderem zu Größe und Lage des Plangebietes, Massivität und Höhe der Halle (Wolf: "Das ist sehr, sehr stark kritisiert worden"), Versiegelung der Fläche, Verkehrsbelastung, Immissionsschutz, Beeinträchtigungen von Orts- und Landschaftsbild oder Entwässerung. Wolf erklärte, dass alle Punkte geprüft wurden, einige seien berücksichtigt worden, andere für das Bauleitplanverfahren nicht relevant.

Logistikzentrum Lich: Fragerunde im Ausschuss

Bei der anschließenden Fragerunde wurde deutlich, welche Themen die Kritiker des Projektes, darunter auch die Fraktion der Grünen, nach wie vor am meisten umtreiben: Verkehrsentwicklung, bauliche Alternativen, Immissionsbelastung, Entwässerung. Dr. Thomas Krauskopf (Grüne) wollte unter anderem wissen, ob bei einer kleinteiligen Entwicklung des Gebietes durch die Stadt alle Erschließungskomponenten in dieser Dimension benötigt würden. Konkret geht es um zwei Kreisverkehre, Entwässerungsanlagen und Straßenbau für 3,85 Millionen Euro, die der Investor zahlt, wenn das Logistikzentrum gebaut wird. "Wir haben alle Maßnahmen zu machen, egal wie viele Hallen dort stehen", antwortete Bürgermeister Bernd Klein.

Ein weiterer Punkt, der neben Krauskopf auch andere Zuhörer nachfragen ließ, betraf die Anzahl der täglich zu erwartenden Lkws - laut Dietz AG maximal 410 - beziehungsweise deren Kontrolle und mögliche Sanktionen bei Nichteinhaltung. Zwar wird es laut Engelmann keine Zählung seitens des Investors geben, aber man werde "ein Augenmerk darauf haben", sagte der Architekt. Die Stadt ihrerseits könnte sich durch einen städtebaulichen Vertrag mit der Dietz AG eine rechtliche Handhabe für den Fall von Überschreitungen sichern. Befürchtungen, dass die maximale Anzahl der Laster mit Blick auf die 212 geplanten Lkw-Tore des Logistikzentrums in Zukunft deutlich überschritten würden, entgegnete Engelmann: "Die Anzahl der Andockstationen hat nichts mit der Anzahl der Lkw zu tun, sondern mit der Art und Weise der Abwicklung."

Logistikzentrum Lich: Welchen Weg nehmen die Laster?

Ein weiteres Thema: die Verkehrswege der Laster. Warum wurde die Problematik A 45 (die Kritiker befürchten eine Mehrbelastung der Kernstadt sowie von Muschenheim und Birklar) in den Planungen nicht berücksichtigt, wie konnte sich die Stadt im Verkehrsgutachten ausschließlich auf den Kreisverkehr fokussieren, und welche Maßnahmen sind für die Ab-/Auffahrten an der B 457 vorgesehen? Befriedigende Antworten für die Fragesteller gab es in allen drei Fällen nicht. Wo die Lkws tatsächlich entlangfahren, sei schwierig zu ermitteln. Man gehe grundsätzlich davon aus, dass dies über die B 457 und die A 5 geschehe, sagte Wolf.

Klein bestätigte: "Wir sind uns sicher, dass sie nicht durch Lich fahren, weil das fast unmöglich ist, ebenso der Weg durch Muschenheim und Birklar." Was die übrigen Auf- und Abfahrten betrifft, könne die Stadt nur Wünsche und Anregungen äußern, weil es sich um eine Bundesstraße handelt. "Wir haben darauf hingewiesen", sagte Klein, "dass die ganze B 457 untersucht werden muss."

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