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In Lich formiert sich der Protest gegen das geplante Logistikzentrum an der Langsdorfer Höhe.

Umstrittenes Projekt

Geplantes Logistikzentrum in Lich: Kritiker sammeln 2130 Unterschriften

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Viele Licher machen gegen das geplante Logistikzentrum "Langsdorfer Höhe" mobil. Ein befürchteter Verkehrskollaps auf der B 457 ist nur einer von vielen Kritikpunkten.

"Die Wut der Bürger ist groß", sagt Klaus Zeiger. Er meint das Logistikzentrum "Langsdorfer Höhe". Der Planungsprozess für das umstrittene Projekt geht in die entscheidende Phase. An diesem Freitag um Mitternacht endet die Offenlage des Bebauungsplans und damit die Frist, in der Bürger ihre Bedenken gegen das Projekt vortragen können.

Von dieser Möglichkeit haben die Licher reichlich Gebrauch gemacht. Insgesamt 2130 Unterschriften sind - Stand Donnerstagnachmittag - in den vergangenen Wochen in Lich gesammelt worden. 1340 Personen unterstützten Zeigers Einspruch gegen den Bebauungsplan "Langsdorfer Höhe", 790 Unterschriften hat zudem Elke Schöne-Neumann gesammelt. Ihre Unterlagen haben die Kritiker im Rathaus an Stadträtin Gisela Maier und Marco Römer, den Fachbereichsleiter Bauservice, übergeben.

Entscheidung am 11. September

Adressat des Protest ist in erster Linie die Stadtverordnetenversammlung, die am 11. September über den Bebauungsplan entscheiden soll. "Stimmen Sie diesem Projekt nicht zu oder verschieben Sie zumindest Ihre Entscheidung ins nächste Jahr, so dass der neue Bürgermeister nicht vor vollendete Tatsachen gestellt wird", lautet Zeigers Appell.

Im Mai hatte Elke Schöne-Neumann den breiten Protest mit einem Leserbrief ins Rollen gebracht. "Ich bin froh, dass die Sache solche Wellen geschlagen hat", sagt sie rückblickend. Ihre Kritik entzündete sich zunächst nur an der Höhe des geplanten Logistikzentrums, das laut Bebauungsplan maximal 20 Meter hoch werden könnte.

Steigende Verkehrsbelastung

Erst nach und nach sei klar geworden, welche Auswirkungen das geplante Projekt an der "Langsdorfer Höhe" darüber hinaus haben werde, erläutert Zeiger, der in seinem Einspruch gleich eine ganze Reihe von Punkten auflistet. Zerstört würden das mittelalterliche Stadtbild sowie der Lebens- und Nahrungsraum streng geschützter Tiere.

Die Versiegelung von mehr als 20 Hektar werde massive Auswirkungen auf das Grundwasser haben, und die zu erwartende Klimaveränderung nicht auf den Planungsbereich begrenzt bleiben.

Als weiteres Argument gegen das von der Dietz AG geplante Logistikzentrum wird die Verkehrsbelastung angeführt, die um zusätzlich 1280 Lkw und 1250 andere Fahrzeuge steigen werde. "Im Schnitt ein Lkw pro Minute", haben die Kritiker ausgerechnet.

B 457 wird betroffen sein

Der nun in die Planung aufgenommene Kreisel an der Bundesstraße verbessere die Lage nur marginal. Die B 457 sei die Straße mit der höchsten Verkehrsdichte und darüber hinaus noch die unfallträchtigste Straße im ganzen Landkreis. Ihr Kollaps sei programmiert. Dass die Stadt von der Ansiedlung der Deutschland-Niederlassung des Online-Händlers Wayfair groß profitieren könne, bezweifeln die Kritiker. Sie glauben weder an ein nennenswertes Gewerbesteuer-Aufkommen noch an sichere Arbeitsplätze. Man sei nicht grundsätzlich gegen Industrie und Gewerbe an der "Langsdorfer Höhe", aber man sei entschieden gegen dieses konkrete Vorhaben. Zeigers Appell an die Stadtverordnetenversammlung: "Man kann auch mal einen Schritt zurück gehen."

Stadträtin Maier, die den erkrankten Bürgermeister und die in Urlaub befindliche Erste Stadträtin vertrat, sagte zu, die Stellungnahmen an die städtischen Gremien weiterzuleiten. Wie Marco Römer erläuterte, wird der Planer die Einsprüche in die Planungsunterlagen einarbeiten. Diese werden dann dem Bauausschuss und schließlich der Stadtverordnetenversammlung zur Entscheidung vorgelegt.

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