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Langsdorfer Höhe

Logistikzentrum Lich: Nun äußert sich die Befürworter

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Die Debatte um das Logistikzentrum in Lich spitzt sich zu. Jetzt melden sich verstärkt die Fürsprecher des Projekts zu Wort.

Lich - Im Magistratszimmer des Rathauses ging es zur Sache. Aus Bensheim war Markus Engelmann vom Vorstand der Dietz AG nach Lich gekommen, um die Vorsitzenden der Fraktionen im Stadtparlament noch einmal detailliert über das geplante Logistikzentrum an der Langsdorfer Höhe zu informieren. Ob nächsten Mittwoch ein Dringlichkeitsantrag für eine Bürgerbefragung mit der notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit (25 Stimmen) beschlossen werden kann, ist aktuell fraglich. Die SPD will den Antrag zwar wie angekündigt einbringen und die Grünen wollen ihn unterstützen. CDU und FDP haben aber weiteren Beratungsbedarf. Derweil läuft dem Investor nach eigenem Bekunden die Zeit davon: Eine Bürgerbefragung will er nicht abwarten, sondern vorher "den Stecker ziehen."

Logistikzentrum Lich: Laut Mietvertrag maximal 400 Lkw

Eine klare Marschrichtung haben die Freien Wähler. Nach dem Gespräch mit dem Investor sehen sie sich mehr denn je in ihrer Haltung bestärkt, dass die Ansiedlung des Logistikzentrums von Vorteil für Lich wäre. Man werde weder für den Dringlichkeitsantrag noch für eine Bürgerbefragung stimmen, sagte Fraktionsvorsitzender Josef Benner am Freitag in einem Pressegespräch, an dem auch Stadtrat Rainer Dern und der Stadtverordnete Sebastian Schäfer teilnahmen. Im Gespräch mit Engelmann sei deutlich geworden, dass die Dietz AG zu erheblichen Zugeständnissen bereit sei. Das Vorstandsmitglied habe eine Reduzierung der Bauhöhe um insgesamt zwei Meter, zusätzliche 200 000 Euro für eine umfangreiche Begrünung und eine Beteiligung des Unternehmens an zwei Ampelanlagen an der B 457 (für die Abfahrten nach Laubach und am Waldschwimmbad) in Aussicht gestellt. Außerdem habe er, was sehr ungewöhnlich sei, den Mietvertrag mit dem künftigen Nutzer, dem Online-Händler Wayfair, präsentiert. Darin sei eine maximale Zahl von 400 Lkw pro Tag verbindlich festgeschrieben. "Die reale Verkehrssituation stellt sich also ganz anders dar als im Gutachten, das auf einem modellhaften Worst-Case-Szenario basierte", folgert Benner.

Logistikzentrum Lich: Gibt es eine schweigende Mehrheit?

Für ihn und seine Mitstreiter überwiegen die Vorteile, die das Logistikzentrum für Lich bringen würde: ein Invest von zusammen mindestens 110 Millionen Euro durch die Dietz AG und Wayfair, Einnahmen aus der Grundsteuer B von schätzungsweise jährlich 175 000 Euro und die Schaffung von mehreren hundert Arbeitsplätzen. Den Einwand von Kritikern, dass es sich dabei vorwiegend um Jobs im Billiglohn-Sektor handelt, lässt Benner nicht gelten. "Die Pläne sehen fast 4000 Quadratmeter Bürofläche vor. Die sind ja nicht alle für den Chef."

Die Freien Wähler sind überzeugt, dass sie mit ihrer positiven Haltung gegenüber der Ansiedlung nicht alleine stehen. "Wir denken, dass es in Lich eine schweigende Mehrheit gibt." Erfreulicherweise meldeten sich mittlerweile auch die Fürsprecher des Projekts öffentlich zu Wort. "Es gibt jetzt auch eine Gruppe Pro Logistikzentrum."

Die drei FW-Vertreter betonen, dass sie ihre Zustimmung zum Logistikzentrum nicht blauäugig gegeben haben. "Wir fühlten uns von der Verwaltung stets gut informiert, haben darüber hinaus externen Sachverstand hinzugezogen und intensiv beraten", betont der Fraktionsvorsitzende. Dreimal habe das Stadtparlament mit breiter Mehrheit für den Bebauungsplan gestimmt, darauf habe sich die Dietz AG verlassen. Jetzt könne man die Verantwortung nicht abgeben. Und man dürfe nicht nur die Einzelentscheidung sehen. "Wir als Stadtverordnete sind dafür da, das Gesamtgefüge zu betrachten", unterstreicht Sebastian Schäfer.

Logistikzentrum Lich: "Weniger Spielraum für die Stadt"

Benner kritisiert, dass im Bürgermeisterwahlkampf mit populistischen Parolen gegen das Logistikzentrum mobil gemacht werde. Anders als vom CDU-Kandidaten Knoll behauptet, sei die Kreditbelastung von mehr als vier Millionen Euro bei einem Scheitern der Langsdorfer Höhe sehr wohl ein Problem, weil die Tilgung erwirtschaftet werden muss. Die Spielräume beispielsweise für den Bau eines weiteren Kindergartens, für Radwege oder auch die Seniorensozialarbeit würden schrumpfen. Und dass die Stadt die Langsdorfer Höhe kleinteilig in eigener Regie vermarkten könne, hält Stadtrat Dern für eine Legende: "Daran arbeiten wir gegenüber im Carl-Benz-Ring seit 20 Jahren."

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