+
Abenddämmerung an der Langsdorfer Höhe. FOTO: US

Logistikzentrum

Logistikzentrum in Lich: Hält der Investor seine Zusagen ein?

  • schließen

Über den Städtebaulichen Vertrag zum Logistikzentrum Langsdorfer Höhe wird kontrovers diskutiert. Gegner sprechen von Wortbruch, der Investor betont seinen guten Willen.

Maximal 410 Lkw am Spitzentag. - Keine Nachtfahrten und keine Sonntagsfahrten. - Keine nennenswerten Lichtimmissionen zwischen 22 und 6 Uhr. - Optische Absenkung der Gebäudehöhe auf 16 Meter und umfangreiche Begrünung. Diese und weitere Versprechungen hatte die Dietz Gruppe im September auf dem Höhepunkte der Auseinandersetzung ums Licher Logistikzentrum in großformatigen Anzeigen gemacht. Längst laufen an der Langdorfer Höhe die Arbeiten zur Geländeprofilierung, seit drei Wochen liegt zudem die Baugenehmigung für das gesamte Projekt vor. Doch in den städtischen Gremien wird weiter um das Projekt gerungen.

Lich: Keine Schonfrist für den neuen Bürgermeister

Aktuell zur Debatte steht der Abschluss eines Städtebaulichen Vertrags, mit dem unter anderem die Versprechen des Investors festgeschrieben werden sollen. Keine Schonfrist also für Dr. Julien Neubert, der sein Amt als Bürgermeister vor gerade mal vier Wochen angetreten hat und sich am Mittwoch in seiner ersten öffentlichen Sitzung als Rathauschef rund 70 Gegnern des Logistikzentrums gegenüber sah. Die "Bürger für ein lebenswertes Lich" (BfL) hatten ihre Meinung zum vorliegenden Vertragsentwurf bereits in der vergangenen Woche in einer Pressemitteilung kundgetan: "Dietz AG hält sich nicht an Zusagen zur Langsdorfer Höhe" lautete die Überschrift.

Diesen Eindruck versuchten die beiden Dietz-Geschäftsführer Dr. Hafez Balaei und Markus Engelmann im Haupt- und Finanzausschuss zu zerstreuen. "Wir haben die Signale wahrgenommen", sagte Engelmann. So sei man beim Schwerverkehr bereit, die Staffelung der täglichen Lkw-Bewegungen in den Vertragstext aufzunehmen. Bislang war dort von täglich maximal 890 Fahrten und samstags von maximal 490 Fahrten die Rede. Nun nannte Engelmann konkretere Zahlen: 820 Fahrten (also 410 Lkw, die an- und abfahren) am Montag, dem Spitzentag, dienstags bis freitags 580 bis 680 Fahrten und samstags 350, alle mit dem Zusatz "circa" versehen.

Lich: Laut Dietz höchstens 50 Sprinter am Tag

Sprinter sind in diesen Zahlen noch nicht enthalten. Laut Engelmann sind die kleinen Transporter aber eine zu vernachlässigende Größe: "50 am Tag, wenn’s hoch kommt," sagte er. "Diese Zahlen liegen weit unter den Vorgaben des Bebauungsplanes und des Verkehrsgutachtens", ergänzte Balaei. Weitere Aussagen machten die beiden Geschäftsführer zu den Kosten des Kreisels an der B 457 und zur Gebäudehöhe. Bereits im März 2019 hatte sich Dietz bereit erklärt, die Kosten für Planung und Bau des Kreisverkehrs zu übernehmen. Außerdem zahlt der Investor laut Engelmann einen einmaligen Ablösebetrag für den Unterhaltungsaufwand und zusätzlich 20 000 Euro für die Pflege der Insel an die Stadt, die wiederum eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung mit HessenMobil abschließt.

Nicht einhalten wird der Investor seine Zusage zur "Optischen Absenkung der Gebäudehöhe um zwei Meter auf 16 Meter". Der Vertrag sieht nun eine Höhe von 18 Metern vor, gemessen von Oberkante Bodenplatte bis Oberkante Attika. "Wir haben gemacht, was technisch möglich war", versicherte Engelmann. Tieferlegen werde man die riesige Halle aber nicht. 10 000 Lkw-Ladungen wären erforderlich, um die anfallenden 150 000 Kubikmeter Erdreich abzufahren. Das sei ökologisch nicht zu verantworten, meinte Engelmann - eine Aussage, die von den Zuschauern im Rathaus mit höhnischem Gelächter quittiert wurde.

Ob es tatsächlich "keine nennenswerten Lichtimmissionen" geben wird, ist ebenfalls unklar. Das Logistikzentrum liegt in einem Industriegebiet, Drei-Schicht-Betrieb ist grundsätzlich möglich. Zu den Betriebszeiten könne man dem künftigen Mieter keine Vorgaben machen, sagte Engelmann. Der Lkw-Verkehr sei jedoch auf die Zeit zwischen 6 und 22 Uhr beschränkt.

Zur Beleuchtung macht der Vertrag eher vage Aussagen: "Außerhalb des Schichtbetriebs wird die Außenbeleuchtung auf das Notwendigste heruntergefahren, um die Blendwirkung nach Möglichkeit zu minimieren."

Die Kritik aus den Reihen der BfL daran war deutlich. Vorsitzender Magnus Schneider: "Ich habe viel mit Verträgen zu tun gehabt, aber so einen Mist habe ich noch nie gelesen". Neben Schneider machten auch andere Zuschauer von der Möglichkeit Gebrauch, sich während einer Sitzungsunterbrechung zu Wort zu melden. Kritische Anmerkungen kamen unter anderem zur Kostenübernahme für den Kreisel, die Maßnahmen zur Begrünung und zur Einhaltung der erlaubten maximalen Lkw-Fahrten.

Zählung der Lkw-Fahrten

Eine Zählanlage wird es am Logistikzentrum nicht geben. Wenn sie es wissen wollten, müssten sie schon selbst zählen, legte Balaei den Kritikern nahe. Aus seiner Perspektive ist der Städtebauliche Vertrag seitens des Investors "ein Zeichen des guten Willens".

Das ist auch die eigentliche Krux an der ganzen Angelegenheit. Ein Druckmittel hat die Stadt nicht in der Hand. "Mit dem Satzungsbeschluss haben wir den Joker aus der Hand gegeben", sagte Bürgermeister Neubert. Dennoch plädierte er eindringlich für ein Ja zum Vertrag. Er enthalte Leistungen, die über die ursprünglich vereinbarte Erschließung hinausgehen. "Im sechsstelligen Bereich", wie Neubert präzisierte. So sieht der Vertrag Zahlungen nicht nur für zusätzliche Begrünung (200 000 Euro), sondern auch für eventuell notwendige Ampeln (maximal 150 000 Euro) und ein Verkehrsleitsystem (bis zu 50 000 Euro) vor. "Wir erreichen auf jeden Fall etwas Positives für die Stadt", meint auch Ausschussvorsitzender Josef Benner. Der HFA stimmte nicht über den Vertragsentwurf ab. Bis zur Entscheidung im Stadtparlament am kommenden Mittwoch sollen die mündlichen Zugeständnisse der Dietz AG in den Vertragsentwurf eingearbeitet sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare