+
Tess Wiley sorgt für die musikalische Untermalung der Feierlichkeit. Sehr zur Freude der Gäste und Gastgeberin Birgit Klös (r.).

"Leuchtturm in der Provinz"

  • schließen

Lich (kdw). Das Motto zum Jubiläum hatte natürlich etwas mit den Anfängen zu tun. "Kunst, Musik und kleine Brötchen" hieß es am Sonntag, als die renommierte Edition noir, Verlag und Galerie in einem, ihr 25-Jähriges feierte. Auch im Herbst 1994 war Musik das Thema der ersten Ausstellung. Und so schloss sich für Birgit und Bodo W. Klös, die beiden Gastgeber, am Sonntag ein Kreis.

Gefeiert wurde bei bestem Wetter, im Garten und im Hause. Garniert mit allerlei Anekdoten aus den vergangenen 25 Jahren, aber vor allem mit exzellenten Kunstwerken. Zu Gast und mit Arbeiten vertreten waren etwa Dagmar Zemke aus Chemnitz und Günther Herrmann aus Gießen. Darüber hinaus wurden Arbeiten von Martin Konietschke, Johannes Grützke, Wiebke Steinmetz, Gisela Mott Dreizler, Bärbel Esser, Peter Zumseil, Frank Eissner, Helge Leihberg und natürlich auch von Gastgeber Klös gezeigt. Für musikalische Auflockerung sorgten Singer-Songwriterin Tess Wiley und Helmut Fischer am Akkordeon.

In seiner Einführung war Dr. Friedhelm Häring, Kunsthistoriker und ehemaliger Gießener Museumsdirektor, voll des Lobes. Seit Jahrzehnten ist er der Familie Klös freundschaftlich verbunden. Er würdigte "die Lebensleistung von 25 Jahren" und hob die vielen geknüpften internationalen Bande hervor. Die Edition stelle eben nicht nur in Leipzig und Frankfurt auf den großen Buchmessen aus, sondern auch in Genf, in Österreich und vielen anderen Orten, sagte Häring. "Und das heißt auch präsent sein, einpacken, auspacken, repräsentieren." Auf gut Deutsch also: Reichlich Arbeit. Mit "dem super Programm" sei die Edition noir "ein Leuchtturm in der Provinz". Zugleich biete man Sammlern, Kunstfreunden und Künstlern eine Heimat. Und so ganz nebenbei, sagte Häring mit einen Augenzwinkern, müssten von Birgit Klös ja auch noch zwei Kinder und ein Ehemann koordiniert werden.

Die so hoch gelobte Gastgeberin sprach dann auch über die Tücken einer solchen Feier. "Wir haben gestern erst den Rasen gemäht. Da waren die Blätter weg, aber jetzt sind sie wieder da." Dieses kleine Detail allerdings störte wahrlich niemanden im voll besetzten Garten. Viel mehr ging es um Kunst und die Werke der Jubiläumsausstellung, auch bei Gastgeberin Klös: "Ich wollte heute ganz verschiedene Facetten zeigen und habe deshalb auch die Scherenschnitte von Wiebke Steinmetz zum Thema Musik genommen", erzählte sie. Sie sprach von einem "Geschenk", dass sie sich gemacht habe. "Ich habe nur das ausgewählt, was mir gefiel, besonders auch diese wunderbare Musikmappe von Johannes Grützke aus Berlin", sagte Klös.

Natürlich ist so ein Jubiläum immer auch Anlass für einen Rückblick. Die menschliche Ebene durfte dabei nicht fehlen. "In den vielen Jahren hab ich unheimlich gute Freunde kennengelernt", sagte Birgit Klös. Verleger, Galeristen, Künstler, mit denen die Chemie stimme. "Es gibt so viele gute Leute, die da draußen vor sich hinarbeiten. Ich würde sie am liebsten alle zeigen."

Zu den ausgesuchten Arbeiten, die nun während der Jubiläumsausstellung im großen Raum präsentiert werden, gehören zum einen ausdrucksvolle Amy-Winehouse-Porträts von Dagmar Zemke und prachtvolle Tanzbilder von Helge Leihberg. Bodo Klös adelte ihn als "Champions-League-Grafiker", also einen der ganz Großen. Dazu gesellen sich noch Schwarz-weiß-Grafiken des vor zwei Jahren verstorbenen Johannes Grützke, einem "der bedeutendsten Grafiker Deutschlands", wie Bodo Klös anmerkte. Immerhin bemalte Grützke einst eine Wand in der Frankfurter Paulskirche. Auch Klös selbst hat Neues zu bieten, Porträts von Leonard Cohen und Tom Waits etwa.

Dass so viele Gäste am Sonntag zugegen waren, schien ihn dennoch zu überraschen. "Ich bin immer wieder erstaunt, was hier auf dem Dorf los ist", sagte Klös. Da mag auch ein wenig Understatement mitschwingen. Denn Edition, Galerie und Klös selbst zählen seit langem zur kreativen Oberklasse in der Region und darüber hinaus.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare