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Saxofon-Sound vor herausragender Kulisse: Die Meisterklasse unter Leitung von Jan Schulte-Bunert in der Klosterruine.

Leidenschaftlich berührender Musikgenuss

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Lich (usw). Als großes Vergnügen erwies sich am Samstag das Abschlusskonzert der 14. Internationalen Meisterklasse für klassisches Saxofon. Auf hohem Niveau und mit bestechender Handwerklichkeit stellten die jungen Musiker ihre erheblichen Qualitäten sowie herausragende Motivation unter Beweis. In der sonnendurchfluteten Ruine des Klosters rundete sich das Geschehen zu einem berührenden Musikgenuss ab.

Das Abschlusskonzert, ein zweites fand am Vortag im Kulturzentrum Englische Kirche in Bad Nauheim statt, startete mit dem Klassiker Mozart und dessen Ouvertüre aus der "Zauberflöte", arrangiert von Albert Loritz. Das Ensemble mit Musikern aus Deutschland, England, Spanien, Thailand und Belgien musizierte sachte, fast andächtig und mit aufmerksamem Kontakt. Erfreulich war die schön gestaltete, ausgewogene Dynamik, die Musiker agierten körperlich engagiert und mit spürbarer Energie.

In der an diesem Sonnentag idyllischen Ruine klang das ganze Konzert wunderbar transparent. Alle Musiker zeichneten sich, als Solisten oder im Ensemble, durch exzellente Konzentration und inhaltliche Sicherheit aus, die Geschlossenheit war durchgehend ausgezeichnet. Die Vorbereitungen seien bewegt, intensiv und zuweilen anspruchsvoll gewesen, sagte Jan Schulte-Bunert vom Leitungsteam.

Mit hymnischer Anmut

Johann Sebastian Bachs Suite Nr. 3 in C-Dur, BWV 1009 für Violoncello solo musizierte Martin Stier auf dem Baritonsaxofon; versunken, dabei etwas analytisch, aber zugleich emotional.

Bachs berühmte "Goldberg-Variationen", BWV 988 (erster und dritter Satz), erklangen im Trio von Viktoria Dinkelaker (Sopran), Hella Herreiner (Alt) und Natallia Tsymaliova (Bariton) im ersten Satz ganz ruhig, schön und mit fast hymnischer Anmut. Im Dritten etwas lockerer, heiter und emotional geschlossen - alles sehr gut abgestimmt.

Paul Hindemiths Konzertstück für zwei Altsaxofone (zweiter Satz: mäßig langsam) verwandelten Sebaastian Cooman und Bert Debosschere (beide Belgien) ins erste Glanzlicht. Mit weichem, rundem Klang vergoldeten sie das Werk geradezu, auch durch ihre hingebungsvolle Machart und schufen einen emotionalen Anker; starker Applaus.

Klar gab es auch zeitgenössische Werke, wie Katharina "Tini" Thompsons (*1981) "Eli Groove". Dozent Arno Bornkamp (Belgien), Neus Minguez Nicolau (Spanien, beide Sopran). Zhiyin Luo (China, Alt), Roy Baratz (Israel, Tenor), Bert Debosschere (Belgien) und Weronika Kalupa (Polen, beide Bariton) zeichneten die Stimmen glasklar und realisierten einen wahrlich prachtvollen Groove. Georg Philipp Telemanns Fantasie Nr. 10 für Flöte Solo, TWV 40:11 in drei Sätzen musizierte Natallia Tsymaliova auf dem Altsaxofon federleicht, sicher und mit stillvergnügtem, klarem Ausdruck: exzellent.

Nicht weniger eindrucksvoll agierte Viktoria Dinkelaker (Sopran) bei Carl Philipp Emanuel Bachs Sonate für Flöte in a-Moll, Wq. 132 das Adagio. Sie realisierte den aparten Charakter des Werks sehr gut, musizierte mit schönem Ausdruck und ganz sicher: wunderbar und anrührend.

Im Finale mit Luciano Berlos "Récit für Altsaxofon solo und zwölf Saxofone" fand ein Großensemble zu eindrucksvoller musikalischer Güte zusammen. Jan Schulte-Bunert dirigierte, Simone Müller überzeugte als Solistin (Alt). Nach freiem Solosax ein freies Einschweben des Orchesters mit kraftvollem Energieanstieg. Kurze prägnante Akzente des Ensembles lockerten das Geschehen auf, während Müller gelegentlich durch freie Grenzbereiche streifte; herausragend.

Schleichende Dringlichkeit und differenzierte Bedrängnis machten das Werk ganz konkret rezipierbar. Zuweilen ging man bis an den Rand des natürlichen Rauschens. Sehr präzise realisiert, war das eine überzeugende Vorstellung.

Insgesamt ein niveauvolles, zum Teil leidenschaftlich berührendes Musikereignis, wie man es sich wünscht.

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