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Mitten in der Natur und in historischen Mauern: Kolnhausen gehört zu den ganz besonderen Wohnorten in Lich.

Von oben

Ein Leben im Dauerurlaub

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Ende der 1990er schlummerte das Hofgut Kolnhausen noch im Dornröschenschlaf. Heute wird in dem Kulturdenkmal gewohnt und gearbeitet.

Lich (ti). "Sie sind ja hier im Dauerurlaub! Diesen Satz bekommt Susanne Schmid nicht selten zu hören, wenn Klienten in die Kanzlei kommen. Die befindet sich, ebenso wie die Wohnung der Juristin, am südwestlichen Stadtrand von Lich. Auf dem ehemals fürstlichen Hofgut Kolnhausen, das wir heute von oben betrachten. Die Rechtsanwältin zog im Dezember 2009 in das einstige Heulager und gehört damit zu den Bewohnern der ersten Stunde - seit der aufwendigen Sanierung, die 2004 begann.

Ehedem ein Gutshof

Ein Blick zurück: Die Arnsburger Mönche hatten das einstige Dörfchen Kolnhausen zum Gutshof umgebaut. Nach der Auflösung des Klosters im Jahr 1803 wurde der Besitz unter den vier Solmser Linien aufgeteilt, Kolnhausen fiel an die Licher. Bis in die 1990er Jahre wurde es für die Viehhaltung genutzt. Schon damals gab es Überlegungen, das denkmalgeschützte Ensemble zu Wohnzwecken umzugestalten, auch eine Nutzung durch den Golfclub war im Gespräch. Konkret wurden die Planungen erst, als Projektentwickler Rolf Fuhrmann ins Spiel kam.

Planer mit Visionen

"Das ganze Anwesen war damals in einem teils desolaten Zustand", erinnert sich der Geschäftsmann. Gebäude mit löchrigen Dächern, Fassaden, von denen der Putz bröckelte. Dazu Misthaufen in einer Dimension, die der Diplom-Ingenieur "nie zuvor gesehen" hatte. Abschrecken konnte ihn all das nicht. "Ich blende solche Dinge einfach aus, um mich auf das Wesentliche zu konzentrieren", sagt der Planer aus dem baden-württembergischen Winnenden, der bereits rund 50 Kulturdenkmäler aus dem Dornröschenschlaf geweckt hat.

Mit Kolnhausen, so sagt er, habe er vielleicht sein Meisterstück vollbracht. Auch deshalb, weil es immer wieder Rückschläge zu verkraften galt, darunter Anfang 2007 die Insolvenz des Generalunternehmers. "Ich hatte viele schlaflose Nächte und war mitunter verzweifelt", sagt Fuhrmann, für dessen Firma die Dimensionen des Projektes eigentlich zu groß waren, wie er im Rückblick festhält. Aber anstatt aufzugeben, steckte er immer mehr Energie in die Umsetzung des Vorhabens.

Drei Bauabschnitte

In drei Bauabschnitten wurden die historischen Gebäude aus dem 18. Jahrhundert saniert. Zunächst Mauerbebauung und Stallungen, anschließend Heulager, Scheune und Gutshaus, zuletzt die alte Mühle, die sogar aus der Zeit um 1600 stammt. 45 Wohneinheiten sind dort entstanden. Aus dem heruntergekommenen, denkmalgeschützten Gebäudekomplex ist ein Schmuckstück geworden, in dem Historie und Moderne perfekt harmonieren.

Aufdringliche Touristen

Hier lässt es sich wunderbar leben, in der Stadt und trotzdem mitten in der Natur, wie Susanne Schmid sagt. Ein Wohlfühlort, der einem das Gefühl von Geborgenheit vermittelt. "Man ist ganz schnell in Frankfurt und wohnt gleichzeitig im Grünen. Egal, durch welches Tor wir nach draußen gehen, wir fallen in die Wiesen", stellt die Anwältin, die dem kulturell interessierten Licher Publikum auch durch ihre Arbeit mit sukawave bekannt ist, den enormen Erholungswert des Lebens im Hofgut heraus. "Man wohnt hier einfach wunderschön."

Rund 35 Eigentümer

Rund 35 Eigentümer zählen zu der Gemeinschaft, denen die Apartments gehören und in denen junge Leute ebenso wie Senioren leben. In einer Art Community, die aber nicht verpflichtet. Soll heißen: Man kann sich ihr als Hofgut-Bewohner anschließen, muss aber nicht. Und genau das macht für Schmid einen weiteren Reiz des Lebens im Kulturdenkmal aus.

Weil dieses so besonders ist, zieht es aber auch immer wieder Touristen an den Stadtrand von Lich, die sich das Ganze näher betrachten möchten. Weil das für die Bewohner streckenweise unerträglich war - teilweise nutzten Fremde ihre Terrassen, um zu picknicken -, bleibt das Eingangstor an den Wochenenden mittlerweile geschlossen. Schmid: "Man hat uns teilweise besichtigt, als wären wir eine Attraktion im Zoo."

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