+
Das Podium (von links): Peter Blasini (parteilos), Christian Knoll (CDU), Julien Neubert (SPD), die Moderatoren Burkhard Bräuning und Ulla Sommerlad.

Bürgermeisterwahl

Die Langsdorfer Höhe spaltet

  • schließen

Seit Wochen wird in Lich über nichts so heftig diskutiert, wie über das geplante Logistikzentrum. Auch bei der Podiumsdiskussion der Gießener Allgemeinen Zeitung war die Langsdorfer Höhe Thema.

Unterschriften wurden gesammelt, Bürgerinitiativen gegründet, Informationsveranstaltungen abgehalten. Seit Wochen drehen sich die Diskussionen in Lich nur um ein Thema: das geplante Logistikzentrum an der Langsdorfer Höhe. Und natürlich kam auch die Podiumsdiskussion nicht ohne aus. "Wo würden Sie Ihr Kreuz bei einer Bürgerbefragung machen, sind Sie für das Logistikzentrum?", wollte ein Zuhörer zum Auftakt der Fragerunde von den drei Kandidaten Peter Blasini (parteilos), Christian Knoll (CDU) und Julien Neubert (SPD) wissen. Blasini und Knoll antworteten mit nein, Neubert mit ja. Letzterer handelte sich damit laute Buh-Rufe ein, obwohl er zuvor erklärt hatte, dass er sich für eine Bürgerbefragung in dieser Angelegenheit aussprechen und deren Ergebnis akzeptieren werde.

Das ist neu, denn bisher hatte Neubert, der wie seine Fraktion und die große Mehrheit des Parlamentes bei allen bisherigen Beschlüssen für den entsprechenden Bebauungsplan votiert hatte, an der Entscheidung pro Logistikzentrum festgehalten. Weil er gehofft habe, dass die Bürgerversammlung am vergangenen Mittwoch den Menschen ihre Sorgen nehmen würde, wie er sagt. Doch das ist offenbar nicht geschehen. "Zu meiner Verantwortung gehört aber auch, den sozialen Frieden in der Stadt zu sichern", begründete Neubert sein Umdenken. "Ich möchte mich dem Bürgerwillen nicht in den Weg stellen."

Christian Knoll hingegen hatte aus seiner Ablehnung nie einen Hehl gemacht, allerdings hat er es auch nicht zu entscheiden, wie er betonte. "Das passt nicht zu Lich", befand er mit Blick auf die riesigen Hallen. Deshalb wolle er die Mandatsträger versuchen zu überzeugen, dass sie am 25. September nicht für den Bebauungsplan stimmen und forderte auch die Bürger dazu auf: "Sprechen Sie mit ihren Stadtverordneten."

Von einer Spaltung der Bevölkerung sprach Peter Blasini. Der Parteilose hatte lange zum Thema Logistikzentrum geschwiegen und seine Position erst unmittelbar nach der Bürgerversammlung kundgetan. An der hat sich seit Mittwochabend nichts geändert: "Die Entscheidung muss an die Bürger zurückgegeben werden, und anschließend müssen alle damit leben." Dass nach Aussagen wie diesen die jeweiligen Kandidaten viel Applaus ernteten, machte einmal mehr deutlich, wie emotional die öffentliche Debatte seit Wochen geführt wird. Dass diese erst so spät begann - in drei Wochen steht bereits der Satzungsbeschluss des Bebauungsplanes an - ist ein Problem, zumal ersterer , wie Neubert verdeutlichte, nicht einmal mehr zwingend notwendig ist. Was aber würden die drei Kandidaten tun, um eine solche Situation künftig zu vermeiden?

"Wir haben immer alles versucht, um eine Bürgerbeteiligung durchzuführen", erklärte Neubert, dessen Partei bereits im Juli 2018 auf die Langsdorfer Höhe eingeladen hatte - was nur eine gute Handvoll Menschen interessierte. Frühzeitig informieren, Briefe schreiben, zu Foren einladen, das ist für den 32-Jährigen der richtige Weg. Für Knoll ist es der falsche. "Bürger kommen nicht zu Parteiveranstaltungen", hielt er dagegen. Zu informieren sei die Pflicht des Bürgermeisters. Doch der habe zu wenig kommuniziert, was der Bebauungsplan ermögliche, so Knoll. "Mehr Transparenz von Anfang an" beispielsweise in Form von regelmäßigen Informationsveranstaltungen, das hat sich auch Peter Blasini vorgenommen, sollte er künftig auf dem Chefsessel im Rathaus sitzen.

Egal, wer sich am Ende durchsetzen wird, eines steht bereits fest: Sollte das Logistikzentrum scheitern, wird der neue Verwaltungschef mit einem Schuldenberg von knapp fünf Millionen Euro umgehen müssen. Was daraus folgt, brachte Neubert auf den Punkt: "Wir werden es schwer haben, den Haushalt auszugleichen, ohne den Rotstift bei den freiwilligen Leistungen anzusetzen."

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare