Die umstrittene Karikatur. 
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Die umstrittene Karikatur. 

Logistikzentrum

Karikatur gegen Langsdorfer Höhe hat Folgen

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Ein Plakat auf der jüngsten Demonstration gegen das Logistikzentrum Langsdorfer Höhe hat antisemitische Klischees bedient. Der Verein BfL distanziert sich. Der Staatsschutz ist eingeschaltet.

Die jüngste Demonstration gegen das Logistikzentrum an der Langsdorfer Höhe hat ein Nachspiel. Unter den Plakaten, die die rund 300 Teilnehmer am 22. Februar bei ihrem Protestzug vom Rathaus zur Langsdorfer Höhe mit sich trugen, befand sich auch eine Karikatur, die antisemitische Codes bedient. Sie zeigt fünf Marionetten mit dem Untertitel: "Der Licher Magistrat" und der Überschrift "Die Dietz AG zieht an den Strippen". Die Marionetten mit ihren schwarzen Mänteln, Hüten und Rauschebärten sind eindeutig als orthodoxe Juden zu erkennen.

Der Verein Bürger für ein lebenswertes Lich (BfL) als Organisator der Demonstration distanziert sich von der Darstellung. "Die Karikatur war weder mit der BfL abgesprochen noch von ihr autorisiert", heißt es in einer offiziellen Stellungnahme des Öffentlichkeitsbeauftragten Burkhard Neumann.

Veröffentlicht (und mittlerweile gelöscht) wurde die Karikatur zunächst auf einer privaten Webseite. Deren Betreiber ist Mitglied im Arbeitskreis "Kommunikation" der BfL. Auch auf seiner privaten Homepage hat der Protest gegen das Logistikzentrum neben Urlaubsbildern und Naturimpressionen immer wieder Platz gefunden.

Eine unglückliche Vermischung, wie Neumann einräumt. Die BfL habe auf die aktuelle Kritik reagiert und werde ihre Öffentlichkeitsarbeit künftig anders organisieren. "Alles, was veröffentlicht wird, läuft über meinen Tisch", kündigte Neumann an.

Langsdorfer Höhe: Staatsschutz ist eingeschaltet

Der Öffentlichkeitsbeauftragte räumt ein, dass ein Bezug von der Karikatur zu antisemitischen Klischees zwar hergestellt werden könne. Dieser sei jedoch keinesfalls beabsichtigt gewesen. "Dem Autor war es wohl nicht bewusst, dass es sich um fünf Juden handelt." Das Bild sei einzig und allein verwendet worden, um die Ohnmacht des Magistrats gegenüber der Dietz AG zu verdeutlichen.

Dass die Veröffentlichungen auf der privaten Webseite möglicherweise ein juristisches Nachspiel haben, liegt allerdings nicht an der Marionetten-Darstellung und auch nicht einer weiteren Karikatur, die Bürgermeister Dr. Julien Neubert als "Heiler von Lich" zeigt. Auf der Homepage wurde auch ein Audio-Mitschnitt aus der jüngsten Sitzung der Stadtverordneten veröffentlicht. Die Vertraulichkeit des gesprochenen Worts sei damit verletzt worden, sagt Neubert.

Die Stadt habe deshalb einen Fachanwalt für Medienrecht eingeschaltet. Mittlerweile beschäftigt sich der Staatsschutz mit dem Fall. Der Ermittlungsauftrag kam laut Polizeisprecherin Sabine Richter von der Staatsanwaltschaft.

Was das Marionettenbild betrifft, so sieht Lichs Bürgermeister zwar antisemitische Codes bedient, er geht aber von einem "ungeschickten Zufall" aus. "Ich mag Karikaturen, aber sie sollten nicht Transportmittel für Unterstellungen sein," sagt Neubert. Seine eigene Darstellung als "Heiler von Lich" empfinde er als unterhaltsam. In seiner Position müsse man Spott aushalten können.

Die BfL versuchen derweil, die Wogen zu glätten. "Wir möchten uns auch im Namen des Autors ausdrücklich bei allen entschuldigen, die er unwissentlich beleidigt oder verunglimpft hat, insbesondere dann, wenn es sich um Bürger jüdischen Glaubens handelt", heißt es in der Stellungnahme des Vereins. "Dies war so nicht gewollt und tut uns sehr leid. Daraus eine antisemitische Haltung ableiten zu wollen, ginge allerdings zu weit."

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