+
Lebensmittelgeschäft, Café, Treffpunkt, Rastplatz und noch viel mehr: Das ist der Dorfladen in Eberstadt, nach dem wir im fünften Teil unserer sommerlichen Schatzsuche gefragt haben.

Vom Klosterhof zum Dorftreff

  • schließen

Lich (us). Dorf- und Kulturladen Eberstadt: So lautet die korrekte Antwort auf unsere fünfte Schatzsuche-Frage. Seit fünf Jahren können die Eberstädter und alle anderen hier einkaufen, Kaffee trinken, Leute treffen und Kultur erleben. Untergebracht ist der Laden im denkmalgeschützten Herrenhaus des einstigen Pfaffenhofs. Der Gutshof war unter der Ägide des Abtes Johannes Kolb zwischen 1698 und 1717 von den Zisterziensern aus Arnsburg errichtet worden.

In den folgenden Jahren sollte es immer wieder zu Kontoversen zwischen Dorf und Klosterhof kommen. Der konfessionelle Gegensatz - die Eberstädter waren protestantisch, die Arnsburger Brüder katholisch - dürfte dabei weniger eine Rolle gespielt haben als die Tatsache, dass der Pfaffenhof die ertragreichsten Äcker bewirtschaftete. Der Schultheiß Johannes Buß soll damals gedroht haben: "Wir werden nicht eher ruh’n, bis wir die Pfaffen aus dem Hof getrieben und selbst die Herren sind." Heutzutage kann man über diese Querelen lachen, vor allem, wenn sie so amüsant geschildert werden wie 2017 im Bühnenstück "Der böse Mönch von nebenan", das zunächst beim Historischen Markt in Lich und später auch in Eberstadt aufgeführt wurde.

1803 war es mit der Klosterherrlichkeit vorbei. Der Pfaffenhof fiel zunächst an das Haus Solms-Lich und schließlich 1927 an die Gemeinde. Noch vor zehn Jahren war dem Pfaffenhof, der mit seinem trutzigen Portal auch das Ortswappen von Eberstadt schmückt, seine stolze Vergangenheit nicht mehr anzusehen. Niemand wollte ihn haben. Mehrere Versuche der Stadt Lich, das denkmalgeschützte Gebäude zu verkaufen, waren gescheitert. Dann nahte Rettung in Gestalt von vier unternehmungslustigen Frauen. Die wollten das Schicksal ihres Dorfes, in dem es kein Lebensmittelgeschäft, keine Kneipe und auch keine Bankfiliale mehr gab, nicht untätig hinnehmen und setzten viele Hebel in Bewegung, bis sogar aus dem LEADER-Programm der EU Geld floss. 2013 konnte im sanierten Pfaffenhof der Dorf- und Kulturladen Eberstadt eröffnet werden, eine Mischung aus Lebensmittelgeschäft, Geschenkelädchen und auch Café, denn allein mit dem Verkauf von Lebensmitteln hätte der Dorfladen nicht lange durchgehalten. So aber hat er sich zum beliebten Treffpunkt für Einheimische, Zugezogene und Gäste entwickelt. Neben dem Café ist auch "Midde in de Woch" höchst beliebt. Bei diesem Veranstaltungsklassiker, der schon vor der Dorfladen-Eröffnung an den Start ging, gibt es zu selbst gekochter Suppe interessante Gespräche zu wechselnden Themen mit wechselnden Gästen.

Zwischendurch fallen den Aktiven vom Dorf- und Kulturladen-Verein, die das ganze Projekt mit erheblichem ehrenamtlichen Aufwand stemmen, immer noch ein paar Extras ein. Am Samstag, dem 10. August, laden sie "in den schönen Abendstunden" zum dritten Bluesfestival ein. Mit dabei: die Beyond Blues Band und Blues Taxi. Wer den Eberstädter Dorfladen noch nicht kennt: Das Konzert bietet eine gute Gelegenheit, sich diesen Schatz einmal näher anzuschauen. www.dorfladen-eberstadt.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare