Das Kloster jazzt

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Musik im Kloster ist inzwischen keine Ausnahme, Klassik oder Modernes erklingen gleichermaßen. Am Freitag gastierte im Mönchssaal von Kloster Arnsburg die ERF-Combo, die als Gast Robert Varady mitbrachte. Es wurde eine lebhafte, vielfältige und unterhaltsame Session. Die Combo ist sehr gut eingespielt, und die Ergänzungen Varadys auf der Geige kamen auch gut an; am Ende waren alle hochgestimmt.

Musik im Kloster ist inzwischen keine Ausnahme, Klassik oder Modernes erklingen gleichermaßen. Am Freitag gastierte im Mönchssaal von Kloster Arnsburg die ERF-Combo, die als Gast Robert Varady mitbrachte. Es wurde eine lebhafte, vielfältige und unterhaltsame Session. Die Combo ist sehr gut eingespielt, und die Ergänzungen Varadys auf der Geige kamen auch gut an; am Ende waren alle hochgestimmt.

Kreative Extremitäten hat die Combo des Evangeliums-Rundfunks Wetzlar nicht im Sinn, Tobias Schuffenhauer (Klavier), Robert Foede (Bass, Cello) und Harald Streitberger (Schlagzeug) sind musikalisch eher versöhnlich orientiert und pflegten im Konzert eine vielseitige Fröhlichkeit. Die versierten Musiker spielen schon lange zusammen.

Im Kloster servierten sie eine Mischung aus Pop- und Filmmusik, Jazz-Variationen und entspannter Klassik. Verstärkt wurden sie durch den Geiger und Gitarristen Robert Varady, der in der Region als Mitglied des Duo Schachmatt und des Duo Bravo bekannt ist. Die Sängerin Dagmar Pagmár ließ sich wegen der Vorbereitung auf ein wichtiges Opernkonzert entschuldigen.

Schon der erste Titel "Freude" von Johannes Nietsch zeigte die Richtung an. Schön bluesig und lebhaft, mit bester Geschlossenheit musiziert, war das emotional schon genau stimmig – und klangschön; das erste Glanzlicht – die Combo schwebte förmlich dahin, toll. Die Zuschauer fanden das prima, hörte man am kräftigen Applaus.

Hörenswert war auch der Klassiker "Girl from Ipanema" mit Varady an der Gitarre. Bei "Autumn Leaves" stieg Varady auf der Violine ein. Insgesamt ein sanfter Groove – das passte. Varady erweiterte das Klangspektrum sensibel und einfallsreich (Pizzicati), war auf der unverstärkten Geige jedoch nicht immer zu hören, schade.

Von "Moldau" bis "Summertime"

Insgesamt musizierte die Combo gewöhnlich lauter als erforderlich, das Klavier dominierte zu häufig. Dabei erwies sich Pianist Schuffenhauer nicht nur als kurzweiliger und intelligenter Moderator, sondern auch als einfallsreicher und sehr sensibler Instrumentalist. Die Combo, in der Varady inhaltlich nahtlos aufging (lediglich ein paar zu üppige Verspieltheiten im Grenzbereich der Geige passten nicht ins Jazzspektrum) wirkte sehr konzentriert und musizierte mit professionaler Geschlossenheit. Zur Abwechslung agierte Bassist Foede in einer kleinen Klassik-Abteilung auf dem Cello. Die Bearbeitungen der "Moldau" geriet inhaltlich durchaus schön, aber auch laut, was die Atmosphäre reduzierte. Im Duo Cello/Geige kehrte eine angenehm feine Stimmung ein.

Der Blues gehört zu den Grundpfeilern des Jazz, und die Version von Gershwins "Summertime" war ein weiterer Glanzpunkt des Abends: mit sehr feinfühlig aufgelöstem Klavierintro und einem durchgängig sehr schönen jazzigen Duktus, entspannt und fast laid back, war das ein Hörgenuss.

Es war ein sehr kurzweiliger, handwerklich untadeliger Abend, geprägt von großer Vielfalt und einigen originellen Einfällen. Das Publikum war vollkommen einverstanden mit dem Gebotenen und forderte am Ende sofort mehr. Letztes Jahr hätten sie sieben Zugaben gespielt, sagte Mitorganisator Burkhard Fritz abschließend. Und es kam dann außer einem exzellenten "My Way" mit schnörkelloser Geigenunterstützung noch mehr – ein angenehmer Abend.

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