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Der Bauantrag für das Logistikzentrum an der Langsdorfer Höhe sieht eine 19 Meter hohe Halle vor. "Das ist schon ein richtiger Klotz", sagt auch Bürgermeister Bernd Klein. Doch aus seiner Sicht überwiegen die Vorteile des Projekts.

Logistikzentrum

Lichs Bürgermeister verteidigt umstrittenes Logistikzentrum: "Chance für die ganze Region"

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Das geplante Logistikzentrum in Lich ist hoch umstritten. Sehr emotional sei die Diskussion, sagt Bürgermeister Klein und erklärt, dass die Frist für ein Bürgerbegehren längst verstrichen sei.

Es gibt seit Wochen in Lich fast nur noch ein Thema: das geplante Logistikzentrum an der Langsdorfer Höhe. Kritiker haben über 2000 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. "Die Diskussion wird hoch emotional geführt", sagt Bürgermeister Bernd Klein. Die Fakten kämen dabei leider zu kurz. Klein ist überzeugt: Die Ansiedlung bietet für Lich und die Region viele Chancen. Warum, erläutert er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Warum ein Logistikzentrum? Wären mehrere kleinere Betriebe für die Langsdorfer Höhe nicht die bessere Lösung?

"Eine kleingliedrige Entwicklung kommt wirtschaftlich nicht in Frage", sagt Klein. Dann nämlich müsste die Kommune die 20 Hektar selbst erschließen. "Wir müssten 80 bis 90 Euro pro Quadratmeter verlangen, um halbwegs mit einem blauen Auge davon zu kommen. Das zahlt uns niemand." Er habe den Stadtverordneten seit jeher gesagt: "Wir machen die Langsdorfer Höhe nur mit einem Großinvestor. Ansonsten lassen wir die Finger davon." Hintergrund sind die hohen Verbindlichkeiten. Aufgrund der misslungenen Bodenbevorratung musste die Stadt allein für die Langsdorfer Höhe 2,2 Millionen Euro an die Hessische Landgesellschaft zurückzahlen. Vor diesem Hintergrund sei der Verkauf von Gewerbeflächen in Lich immer ein Verlustgeschäft, auch im Gewerbegebiet Bettenhäuser Weg/Entenpfuhl. "70 oder 80 Euro wären kostendeckend, wir verkaufen den Quadratmeter aber für 40 Euro."

Welche Argumente sprechen für die Ansiedlung eines großen Logistikzentrums?

Laut Klein vor allem die Arbeitsplätze, mindestens 500 im ersten Schritt. "Mir sind auch einfache Arbeitsplätze wichtig. Und vor Ort, damit die Leute nicht ins Rhein-Main-Gebiet pendeln müssen." Gesucht würden für das Logistikzentrum zudem nicht nur Lageristen, sondern auch Kaufleute, IT-Fachleute oder Programmierer. Die Gewerbesteuer sei nicht der entscheidende Punkt.

14 Meter? 20 Meter? Wie hoch soll der Komplex nun eigentlich werden? 

Der Bebauungsplan gestattet 20 Meter, der Bauantrag, der der Stadt mittlerweile vorliegt, sieht eine 19 Meter hohe Halle vor. "Das ist ein richtiger Klotz, das streite ich nicht ab", sagt Klein. "Aber es geht nicht nur um die schöne Aussicht." Die Langsdorfer Höhe sei schon seit 30 Jahren als Industriegebiet geplant. So sehe es auch der Regionalplan vor. Die ursprüngliche Planung habe sogar 28 Meter gestattet. "Und es gab nie eine andere Überlegung als einen 24-Stunden-Betrieb."

Was ist mit der Verkehrsbelastung? Droht Lich und der B 457 durch die Langsdorfer Höhe ein Kollaps? 

Die Zahlen, die in der öffentlichen Diskussion kursieren, werden nach Aussage des Bürgermeisters falsch ausgelegt. Die 1250 zusätzlichen Lkw-Bewegungen, die die R+T-Verkehrsuntersuchung prognostiziert hat, bezögen sich auf den Knotenpunkt an der B 457. Gemeint sei also der gesamte Verkehr, der über die Bundesstraße rollt. Klein: "Die fahren nicht alle nach Lich ab." Für das Logistikzentrum sei täglich mit 300 oder 400 Lkw zu rechnen. Fakt sei, dass die Einmündung Hungener Straße/B 457 schon in ihrer jetzigen Form ihre Kapazitätsgrenze erreicht habe. Einen Umbau, um den sich die Stadt Lich seit 2008 bemühe, habe Hessen Mobil leider immer wieder abgelehnt. "In harten Verhandlungen haben wir nun erreichen können, dass der Investor einen Schwerlastkreisel auf eigene Kosten baut," sagt Klein. Dadurch sei an der Einmündung zur B 457 mit einer deutlichen Verbesserung zu rechnen. Anstelle der Verkehrsqualitätsstufe E (Kapazitätsgrenze erreicht, Bildung von Rückstaus) werde man laut Prognose von R+T nachmittags die Stufe C (befriedigend) und vormittags A (sehr gut) erreichen. Das Gutachten, darauf weist Klein ausdrücklich hin, habe die Stadt in Auftrag gegeben, nicht der Investor. Wer den Kreisel später unterhalte, müsse im Rahmen einer Verwaltungsvereinbarung geklärt werden. Dass Lich grundsätzlich ein Verkehrsproblem hat, streitet der Bürgermeister nicht ab. Die historisch gewachsene Altstadt sei für den heutigen Verkehr nicht ausgelegt. Klein: "Aber alle wollen mit dem Auto reinfahren."

Als Mieter für das Logistikzentrum ist der Online-Händler Wayfair im Gespräch. Droht eine Bauruine für den Fall, dass das US-Unternehmen wieder geht? 

Partner der Stadt ist nicht Wayfair, sondern die Dietz AG aus Bensheim, nach Aussagen von Klein ein seriöses Unternehmen, "keine Heuschrecke". "Die bauen Logistikzentren und vermieten sie. Das ist ihr Geschäftsmodell. Und sie behalten die Liegenschaften in ihrem Eigentum. Wenn ein Mieter gehe, werde die Immobilie neu vermietet.

Falls die Stadtverordnetenversammlung den Bebauungsplan Langsdorfer Höhe als Satzung beschließt: Könnte der Beschluss durch ein Bürgerbegehren und einen anschließenden Bürgerentscheid zu Fall gebracht werden? 

Klein meint: Nein. In Hessen seien Bürgerbegehren lediglich gegen den Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan möglich, nicht aber gegen den Satzungsbeschluss. Die Frist für ein Bürgerbegehren sei längst verstrichen.

Bislang hat das Stadtparlament alle Beschlüsse zur Langsdorfer Höhe mit breiter Mehrheit gefasst. Was passiert, wenn es nun aber den Bebauungsplan am 11. September ablehnt?

In diesem Fall kann die Dietz AG den Kaufvertrag auflösen. Dann würden sich für die Stadt die mit der Langsdorfer Höhe verbundenen Verbindlichkeiten mehr als verdoppeln. Zu den 2,2 Millionen Euro, die Lich an die HLG gezahlt hat, kämen weitere 2,5 Millionen Euro hinzu. Für diese Summe hat die Kommune in den vergangenen Monaten die restlichen Grundstücke in dem geplanten Industriegebiet aufgekauft.

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