1. Gießener Allgemeine
  2. Kreis Gießen
  3. Lich

Klärschlamm im Fokus

Erstellt:

Von: Christina Jung

Kommentare

us_Eberstadt_160323_4c_1
Die Uhr für die Teichkläranlage in Eberstadt läuft ab. Am Standort haben die Kommunen Lich und Münzenberg ein gemeinsames Neubauvorhaben ins Auge gefasst. Eine Machbarkeitsstudie liegt auf dem Tisch. © Ursula Sommerlad

Lich (ti). Ein voll besetzter Licher Stadtverordnetensitzungssaal kündete am Dienstagabend von mehr als einer üblichen Sitzung des Ausschusses für Bauen, Umwelt und Stadtentwicklung. Im Fokus stand zu Beginn eine Problematik, die nicht nur die Stadt an der Wetter, sondern auch die Nachbarkommune Münzenberg betrifft.

Von dort waren Mandatsträger sowie Bürgermeisterin Isabell Tammer gekommen, außerdem saßen Mitglieder der Licher Betriebskommission im Plenum. Im Fokus: Die beiden Teichkläranlagen in Eberstadt und Ober-Hörgern, deren dauerhafter Betrieb nicht mehr gesichert ist. Aufgrund der gemeinsamen Problemlage hatten zwischen den Kommunen Gespräche auf fachlich-technischer Ebene mit dem Resultat stattgefunden, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben. Für den gemeinsamen Bau und Betrieb einer Anlage auf Eberstädter Gemarkung. Die Ergebnisse stellte Norbert Meyer, Geschäftsführer des beauftragten Ingenieurbüros, der BITControl GmbH aus Nattenheim am Dienstagabend vor.

Beide Teichkläranlagen seien schon sehr alt und nicht mehr in gutem Zustand, erklärte der Fachmann. Sie wiesen Undichtigkeiten der Wasserkörper auf, die Belüftungstechnik sei ineffizient und energieintensiv. Dazu kämen verschärfte Anforderungen aus der Wasserrahmenrichtlinie. Künftige Auflagen für die Reinigungsleistung hinsichtlich Stickstoff und Phosphor seien von einer Teichkläranlage laut Meyer nicht zu erfüllen. Von einer solchen rät der Fachmann auch mit Blick auf den betrieblichen Aufwand ab.

10 Millionen Euro

Der Ingenieur sprach sich für den Bau einer kontinuierlich durchflossenen mechanisch-biologischen Kläranlage mit Schlammabscheidung am Standort Eberstadt aus. Möglich wären eine simultanaerobe oder eine anaerobe Schlammbehandlung, wobei letztere zwei Vorteile hätte: Die notwendigen Becken könnten kleiner ausfallen und würden dadurch weniger Kosten verursachen. Zudem könnte der Schlamm zur Kläranlage nach Lich transportiert werden, um daraus Energie zu gewinnen (76 580 Kilowattstunden). Gleichzeitig würde in Eberstadt weniger Energie verbraucht - 117 500 anstatt 141 000 Kilowattstunden pro Jahr.

Da für die neue Anlage nur ein Bruchteil des rund 25 000 Quadratmeter großen Areals, das derzeit etwa zur Hälfte bebaut ist, benötigt wird, soll dort eine Fotovoltaikanlage entstehen, eine weitere auf dem Gelände in Ober-Hörgern, wo auch ein Pumpwerk mit Regenwasserbehandlung gebaut würde. Meyer: »Sie können hier mehr Energie gewinnen, als diese Anlage braucht.«

Die Kosten für den Bau der Kläranlage inklusive Anpassungsarbeiten an den Faultürmen in Lich bezifferte Meyer auf rund 10 Millionen Euro. Mit 4 Millionen Euro würde der Bau der Fotovoltaikanlagen zu Buche schlagen.

Wie es jetzt weiter geht? In den zuständigen kommunalen Gremien beraten die Mandatsträger getrennt.

Auch interessant

Kommentare