"Investoren stehen nicht Schlange"

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Lich (pm). Zu den derzeit heftigen Diskussionen um den Verkauf des Licher Industrie- und Gewerbegebiets Langsdorfer Höhe an die Bensheimer Dietz AG hat am Montag der Licher Magistrat Position bezogen. Es werde von manchen Kritikern offensichtlich der Eindruck erweckt, vor den Entscheidungsprozessen seien die Stadträte seitens des Bürgermeisters und der Stadtverwaltung nicht immer zeitnah und in vollem Umfang über Dimensionen und Auswirkungen dieses geplanten Logistikzentrums informiert worden. Die Zustimmung zu diesem Projekt, so die Annahme, könnte somit auf höchst fragwürdigen Grundlagen beruhen. Diesem Eindruck müsse jedoch, so die Magistratsmitglieder, entschieden widersprochen werden.

Die erste Information des Magistrats durch Bürgermeister Klein über einen möglichen Verkauf der Langsdorfer Höhe an diesen Investor sei zeitnah nach dessen Interessenbekundung im Januar 2018 erfolgt. Im Mai 2018 seien hierzu die ersten Presseveröffentlichungen erschienen. Im Oktober 2018 habe dieses Thema auf der Tagesordnung von Bauausschuss und den anderen städtischen Gremien gestanden. Dabei seien bereits durch die Dietz AG sehr konkrete Pläne vorgestellt worden. Auch hierüber habe die Presse umfassend berichtet. Insofern verwundere es schon, dass teilweise der Eindruck vermittelt werde, man sei von dieser Entwicklung völlig überrascht, zumal die genannten Sitzungen stets öffentlich waren.

Der Magistrat habe sich seine Entscheidung, den Verkauf der Langsdorfer Höhe an die Dietz AG zu befürworten, nicht leichtgemacht. Die Diskussion der Vor- und Nachteile eines solchen Logistikzentrums basierte aber immer auf aktuellen und konkreten Informationen, welche stets bereitwillig zur Verfügung gestellt worden seien. "Priorität bei der Entscheidung hatten das Gemeinwohl und die Chancen für eine zukunftsfähige Stadtentwicklung", so die Erklärung. Leider sei es nicht so, dass Investoren Schlange stehen würden. In der Region gebe es zwar einige innovative, auch global agierende mittelständische Unternehmen, bislang jedoch keine Flaggschiffe oder Cluster solcher Unternehmen oder Großforschungseinrichtungen, welche Anziehungspunkte wären für weitere Firmenansiedlungen oder eine nennenswerte Start-up-Szene, so der Magistrat.

Stärkung der Finanzkraft erwartet

Ein solches Logistikzentrum führe zwangsläufig zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen. Ein Verkehrschaos, wie von vielen prognostiziert, sehe man jedoch nicht, da im Zusammenhang mit diesem Projekt einige straßenbauliche Maßnahmen durch den Investor durchgeführt würden (u. a. zwei Verkehrskreisel, Linksabbiegerspuren). Die Hauptchancen eines solchen überregionalen Unternehmens für die Stadt Lich lägen aber in der Stärkung der kommunalen Finanzkraft, der positiven Auswirkungen auf Handel, Gastronomie und Dienstleistungsbetriebe sowie in der Schaffung neuer Arbeitsplätze, "beileibe nicht nur im Niedriglohnsektor".

Weiter heißt es in der Erklärung: "Kritiker dieses geplanten Logistikzentrums nennen als Alternative die Ansiedlung kleinerer oder mittelständischer zukunftsfähiger Unternehmen. Doch abgesehen von deren Bereitschaft müsste dieses Industrie- und Gewerbegebiet erst einmal mit Millionenaufwand auf Kosten der Stadt erschlossen werden". Ob sich dann genügend Investoren fänden, die bereit wären, einen solch hohen Quadratmeterpreis zu bezahlen, erscheine aufgrund der bisherigen Erfahrungen mehr als fraglich.

Die Entscheidung über diesen Verkauf treffe jedoch weder Bürgermeister noch Magistrat, sondern Beschlussorgan sei die Stadtverordnetenversammlung. Sollte dieser Verkauf jedoch wider Erwarten scheitern, habe sich das Thema "Gewerbegebiet Langsdorfer Höhe" höchstwahrscheinlich für unbestimmte Zeit erledigt. "Manche mögen dies begrüßen, doch müssten diejenigen dann konsequenterweise auch die finanziellen Folgen einer solchen Entscheidung akzeptieren. Denn unter diesen Prämissen dürfte es für den zukünftigen Bürgermeister schwierig sein, ohne Erhöhung von Grundsteuer und Gebühren sowie Kürzung von freiwilligen Leistungen genehmigungsfähige Haushalte vorzulegen", heißt es in der Erklärung. Unterzeichner sind Erste Stadträtin Barbara Kröger sowie die Stadträte Günter Block, Reiner Dern, Prof. Klaus Doll, Bernd Fischer, Dieter Hartmann-Harbusch, Dietmar Joseph, Gisela Maier und Klaus-K. Schneider.

Anm. d. Red: Der Kaufvertrag wurde bereits mit breiter Mehrheit von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Die Dietz AG hat indes eine Rücktrittsoption für den Fall, dass der Bebauungsplan nicht rechtskräftig wird. Für die Rechtskraft ist ein Satzungsbeschluss Voraussetzung, der am 25. September auf der Tagesordnung der Stadtverordnetenversammlung steht.

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