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Claudia Hepting (2. v. l) und ein Team von Gutachtern bei der Kartierung eines Biotops.

Biotopkartierung

Inventur in der Natur

Gutachter der Hessischen Lebensraum- und Biotopkartierung sind ab Mai in der Wetter-Niederung bei Lich unterwegs.

Lich (keh). Wundern Sie sich nicht, wenn Sie demnächst bei einem Spaziergang Personen mit Lupe und Klemmbrett in der Licher Gemarkung hocken sehen. Es handelt sich dabei weder um Erbsenzähler, noch um Schmetterlingssammler: Ab Anfang Mai werden selbstständige Gutachter im Auftrag des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) erneut Biotope in der hessischen Flora und Fauna kartieren.

Jährlich wird in Zusammenarbeit mit den Regierungspräsidien bestimmt, wo genau kartiert werden soll. In den vergangenen Jahren wurden vor allem sogenannte FFH-Gebiete (siehe Infokasten) mit Priorität behandelt. Bei Lich ist ein solches FFH-Gebiet in der Wetter-Niederung zwischen der Kernstadt und Ober-Bessingen zu finden.

Lich: Biotopkartierung in Niederung der Wetter

Im Rahmen der Hessischen Lebensraum- und Biotopkartierung (HLBK) sind die Gutachter jedes Jahr aufs Neue auf der Suche nach schützenswertem Lebensraum. Dabei dienen Luftbilder als Grundlage für die Verzeichnung von Biotopen auf der Landkarte. Nach hessenweit einheitlichen Vorgaben werden zudem wichtige Besonderheiten erfasst - mögliche Gefahren für den Lebensraum oder das Vorkommen bestimmter Arten darin.

Claudia Hepting ist die Leiterin der Hessischen Lebensraum- und Biotopkartierung die im HLNUG untergebracht ist. Nach ihren Angaben ist eine Kartierung aus mehreren Gründen wichtig. Zum einen sei es wichtig, den Überblick in der Landschaft zu behalten, um zu wissen, wo sich »Perlen der Natur« noch befänden. Zum anderen könne man so Arten besser schützen. Außerdem ist anhand der Karten herauszufinden, wo gebaut werden kann und wo besser nicht.

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der HLBK, so die Diplom-Biologin, sei das Thema der landwirtschaftlichen Fördermittel. Diese werden vergeben nach sogenannten Kulissen von wertvollen Biotopen, die Gutachter vorher erarbeiten. »Wenn ein Landwirt eine naturschutzfachlich wertvolle Wiese besitzt und die so bewirtschaftet, wie Naturschützer es wollen, bekommt er dafür Geld«, erklärt sie. Dies sei nicht auf jeder Fläche so, dafür werde eine Kulisse erarbeitet, die anzeige, wo man Zuschüsse bekommen kann. »Dazu dient die Biotopkartierung eben auch«, so die Biologin.

Lich: Der Ablauf einer Biotopkartierung

Auch der Ablauf einer solchen Biotopkartierung ist streng reglementiert. »Es gibt eine ausführliche Kartieranleitung, jeder Lebensraum ist dort definiert«, sagt Hepting. Jeder Gutachter hat einen Erfassungsbogen bei sich, auf dem die vorkommenden Arten, Habitate, Strukturen und Gefährdungen des Biotops anzugeben sind.

Dabei müssen sich die Sachverständigen die folgenden Fragen stellen: Wo befinde ich mich? Welche Pflanzen und Tiere müssen hier vorkommen? Was sind mögliche Gefährdungen des Lebensraums? »Wenn ich zum Beispiel auf einer Wiese stehe«, sagt Hepting, »muss ich auf der Liste ankreuzen, welche Habitate ich dort finde.« Ist die Wiese blütenreich, so interessiert vor allem, welche Art von Gräsern wachsen dort, wird sie gedüngt, beweidet oder gemäht. Anhand dieser Parameter könne man später schauen, ob sich der Lebensraumtyp mit der Zeit verbessert oder verschlechtert habe.

Lich: Gefährdungen eines Biotops

Typische Gefährdungen für ein Biotop sind laut Hepting zum Beispiel Stickstoff- oder Nährstoffeinträge. »Die meisten Biotope in unserer Landschaft sind nutzungsabhängig. Eine falsche Nutzung ist meist eine Gefährdung«, verdeutlicht sie. Sehr gefährdet seien beispielsweise wechselfeuchte Wiesen, wie sie an der Wetter-Niederung zu finden sind. Diese weisen oft bis zu 60 verschiedene Arten in einer Dauerbeobachtungsfläche von 20 Quadratmetern auf.

Entwässert man diese Wiesen, verschwinden die wechselfeuchten Arten und es treten Arten an deren Stelle, die überall wachsen können, sogenannte Ubiquisten. Von diesen finde man häufig nur 15 Arten in einer Dauerbeobachtungsfläche vor. »Dadurch, dass man die Standortbedingungen gleich und optimal für Ubiquisten macht, sorgt man dafür, dass spezialisierte Arten verschwinden«, erläutert Hepting. Pflanzen, die hier in der Gegend immer noch vorkommen, sind der Teufelsabbiss und der Heilziest. Beide finden Anwendung in der Volksheilkunde und dienen als Nahrung für zahlreiche Insekten.

»Es gibt also allen Grund, auf die Pflanzen und ihren Lebensraum aufzupassen. Sie können uns gute Dienste erweisen,« unterstreicht Hepting.

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