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Im Stall von Bessingen

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Von: Patrick Dehnhardt

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Pia Stoll füttert zwei Burenziegen. © Patrick Dehnhardt

Lich (pad). Neugierig blicken zwei dunkle Augen in Richtung Stalltür, als sich diese öffnet. Die jungen Burenziegen wissen genau: Jetzt kommt Pia Stoll herein, da könnte es ein Leckerli abzustauben geben. Obwohl die Gruppe - mit Ausnahme von Zwergi - nur aus Tieren besteht, die erst dieses Jahr das Licht der Welt erblickt haben, haben sie das ganz schnell herausgefunden.

Von der Entwicklung her sind die Tiere derzeit im Alter von Teenagern angekommen. Während es bei anderen Ziegenarten da durchaus eine Rowdy-Periode geben kann, lassen sich die jungen Burenziegen eher mit den Jugendlichen vergleichen, die sich bei einer Tasse Tee treffen, um über Fantasy-Romane zu quatschen.

Ziegen hören

»Die springen auch nicht so hoch«, sagt Stoll. Das sei bei den Bunten Deutschen Edelziegen, welche die Ober-Bessingerin ebenfalls hält, ganz anders. Diese würden auch mal ein Wasserfass erklimmen.

Eigentlich begann alles 1989 mit zwei Schafen. Diese bekamen die Stolls kurz nach dem Einzug in die Hofreite in Ober-Bessingen geschenkt. Stoll gab sich mit den Schafen viel Mühe, doch der Funke wollte nicht so richtig überspringen: »Die konnte man noch so verwöhnen und musste sie dennoch immer auf der Weide einfangen.« Das sei bei den Ziegen ganz anders. Diese würden sich rufen lassen - wenn sie nicht schon sowieso von selbst angelaufen kämen.

Nach einem Jahr hatte Stoll von den Schafen genug. Stattdessen sollten es Milchziegen sein. Früher hatte sie mit ihrem Vater in Friedrichshütte immer Ziegenmilch geholt und schon da eine erste Begeisterung für die Tiere entwickelt. Mit zwei Milchziegen ging es los. Heute stehen zwar noch immer Milchziegen im Stall, doch der Großteil der 28 Tiere sind Burenziegen. Diese Rasse ist vor allen Dingen für die Fleischproduktion gezüchtet worden.

Im Sommer verbringen die Ziegen ihre Zeit hauptsächlich auf der Weide, möglichst von März bis November werden sie draußen gehalten und an überdachten Futterstellen zugefüttert, wenn das vorhandene Gras nicht ausreicht. Nur nasskaltes Wetter mögen die Tiere gar nicht. Darum fühlen sie sich jetzt im einem trockenen Stall wesentlich wohler.

Während im Erdgeschoss der Scheune die Teenager-Gruppe ihre Heimat hat, ist eine Etage höher die Werdende-Mütter-Abteilung. Im Januar kommen die kleinen Zicklein zur Welt. Da die trächtigen Tiere besonders stark um das Futter kämpfen würden, hat derzeit jede Ziege ihre eigene Box, damit es zu keinem Gerangel kommt.

Ein Ziegenleben kann durchaus bis zu zwölf Jahre dauern, wobei Weibchen, die regelmäßig tragen, nicht ganz so alt werden. In der kleinen Herde machen die Ziegen eine Rangordnung aus, derzeit steht die Seniorin an der Spitze. Ein Teil der Jungtiere landet nach einem glücklichen Leben auf dem Teller, andere bleiben für die Zucht erhalten. Eine Ausnahme bildet dabei Zwergi. Als sie vor zwei Jahren das Licht der Welt erblickte, war sie klein und mickrig, hatte schlechte Chancen durchzukommen und wäre vermutlich bald beim Schlachter gelandet. Doch Familie Stoll schloss Zwergi aufgrund ihrer liebenswerten Art besonders ins Herz.

Mit zwei Jahren ist sie zwar noch immer nur so groß wie eine wenige Monate alte Jungziege. Dafür kann sie mittlerweile einige Kunststücke und folgt auf Schritt und Tritt. Da war sogar schon ein Spaziergang auf dem Ober-Bessinger Krippenweg möglich.

Wobei Zwergi dabei bemängelt haben dürfte, dass immer nur von Ochs und Esel als Gäste der Heiligen Nacht die Rede ist. Dabei würde sich so eine kleine liebe Ziege doch bei der Weihnachtskrippe auch gut machen.

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