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Ev Machui singt "Zwei dunkle Augen" von Friedrich Hollaender.

Hommage an Friedrich Hollaender

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Lich (kjg). Wer wollte, konnte am Samstagabend mit dem "Kapellchen Schellack" eine musikalische Zeitreise in die 1920er Jahre machen. Lieder, Musik und Kleidung der Künstler ließen die Atmosphäre einer Kneipe oder eines Cafés im Berlin der Zeit vor der Nazidiktatur erahnen. Die Veranstaltung unter dem Titel "Eine kleine Sehnsucht - eine Hommage an Friedrich Hollaender" erinnerte an die Zeit, als erfolgreiche jüdische Künstler wie Hollaender und Kurt Weil aus Deutschland fliehen mussten, weil ihre Kunst als "entartet" bezeichnet wurde und sie bei den Rechten unerwünscht waren.

Verschrien als "Judenmusik"

Das "Kapellchen Schellack" mit der in Lich geborenen Chansonnette Ev Machui und Pianist Axel Kaapke eröffnete die diesjährige Gedenkreihe zum 9. November. Das Datum, an dem 1938 während der Nazizeit die Synagogen in Deutschland geplündert und angezündet wurden, die Verfolgung der Juden ein neues Ausmaß annahm. Gerade in Zeiten, in denen in Thüringen ein Viertel der abgegebenen Stimmen auf die Rechten entfällt, ist ein solches Erinnern notwendig.

Im Stil der damaligen Zeit eröffnete Kaapke mit der Ansage: "Bitte, begrüßen Sie mit mir die wunderbare, eloquente, bezaubernde und charmante Ev Machui." Diese stellte Friedrich Hollaender als Komponisten vor, der die Musik der 1920er Jahre geprägt habe. Kurz danach, sei die "Judenmusik" ausradiert worden, so Machui, die ihre Moderation passend zur Musik der Zeit sang.

Im Laufe des Abends sang sie "Zwei dunkle Augen", "Wenn ich mir was wünschen dürfte", "Ich weiß nicht zu wem ich gehöre" und andere Lieder aus der Feder Hollaenders sowie Lieder von Kurt Weil, der 1928 die Musik zu Berthold Brechts "Dreigroschenoper" komponiert hat. Die Zuhörer war ganz besonders von "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt", "Ich bin die fesche Lola" und "Illusions" aus Sabrina, das einst Marlene Dietrich gesungen hatte, begeistert.

Machui und Kaapke erklärten, es mache ihnen einen Riesenspaß diese Stücke zu singen und zu spielen. Jedoch handele es sich nicht um die Originale. Sie arrangieren diese selbst und verändern Rhythmus und Text. Das Publikum dankte den Künstlern mit einem begeisterten Applaus. Sowohl Hollaender als auch Weil mussten 1933 aus Deutschland fliehen, weil sie Juden waren und ihre Musik als entartet galt. Während des Krieges haben sie in den USA und danach in Deutschland weitere Musikerfolge gehabt.

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