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Erstklassige Performance: Sven Görtz auf Bob Dylans Spuren.

Hommage an einen Ausnahmekünstler

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Lich(usw). Bob Dylan kennt jeder, klar - vor allem seine Welthits wie "Blowin’ In The Wind", "Like A Rolling Stone" oder "Knocking On Heaven’s Door". Sven Görtz ist hierzulande auch kein Unbekannter. Der Komponist, Sänger und Sprecher stellte am Mittwochabend im "Traumstern" sein neues Programm vor. "Bob Dylan - seine Songs, sein Leben" heißt es, und das fanden nun wirklich sehr viele Menschen interessant: das Kino war komplett voll. Görtz hatte bereits 2019 im Kulturzentrum Bezalel-Synagoge mit seinem Programm zu Leonhard Cohen einen tadellosen Eindruck hinterlassen. Und jetzt?

Eigene Dylan-Welt

Görtz ist für seine Einsprechungen der Hörbuchfassungen von Romanen berühmter Autoren wie Paulo Coelho oder der Bibel bekannt. Seit vielen Jahren ist er auch als Komponist und Musiker tätig. Zudem ist er ein viel beschäftigter Live-Rezitator und unternimmt regelmäßig Lese-Tourneen; er lebt bei Gießen. "Der Dylan" kam in Lich zum zweiten Mal auf die Bühne, in Wetzlar war Premiere, danach gab’s noch ein Privatkonzert.

Görtz erzählt Geschichten zu den Liedern und skizziert die wichtigsten Stationen im Leben des Ausnahmekünstlers Bob Dylan (*1941): Dessen Musik, dessen Songtexte ("Everybody must get stoned") haben Generationen beeinflusst. Als erster Musiker erhielt er 2016 den Nobelpreis für Literatur. Von sich selbst sagte er einmal: "Bob Dylan bin ich nur, wenn ich es sein muss. In der übrigen Zeit bin ich ganz ich selbst." Sein Motto war, der Held in seinem eigenen Leben zu sein, und da musste halt öfter etwas erfunden oder verschwiegen werden. Zum Charakter Dylans gehören allerlei Faxen wie durchgenuschelte Konzerte oder Frechheiten, etwa seine Abwesenheit bei der Verleihung des Literaturnobelpreises, zu der er Kollegin Patti Smith abordnete.

Görtz beginnt mit "Don’t Think Twice". Er singt einfach gut, und natürlich nuschelt er nicht. Er nimmt die Zuhörer mit in "eine eigene Welt, eine Dylan-Welt" mit, und spätestens bei "Blowin’ In The Wind" merkt man, wie der Zauber der Musik sich entfaltet, den der nicht selten geniale Komponist Dylan schuf. Görtz singt etwa so, wie man sich gewünscht hatte, dass Dylan gesungen hätte. Er versucht nicht, ihn nachzuahmen, sondern findet einen ganz persönlichen Stil, eine sehr glaubhafte Interpretation der Lieder. Das hören die Zuhörer gern und applaudieren sogleich kräftig und anhaltend. Zudem spielt Görtz prima Gitarre und Mundharmonika, was eine erstklassige Dreierkombination ergibt. Sehr positiv wirkt sich aus, dass er als Anglist genau weiß, was er singt, was sehr gut für die Stimmigkeit des Vortrags ist. Die klug und informativ eingebauten eigenen Texte schaffen Zusammenhang, durchaus auch sehr witzig, und die Lockerheit des Abends ist sehr angenehm.

Görtz läuft zu großer Form auf. Immer wieder fügt er exzellente persönliche Mundharmonikapassagen ein, zeigt eine "undylanhafte" Schönheit des Gesangs, streng werkgetreu, so dass man die Musik tief wirken lassen kann. Ordentlichen Schwung haucht er "Maggie’s Farm" ein und singt ein sehr lyrisches, sanftes "All Along The Watchtower". Ein Höhepunkt ist eine tolle Fassung von "It’s all over now", in der Görtz gesanglich weit aus sich herausgeht und exzellent Harmonika und Gitarre spielt. Er schafft die große Aufgabe, ein brillantes Werk sachgerecht zu verarbeiten und zugleich seine persönliche Eigenart in den Vortrag einzubringen - ein wunderbarer Abend. Das begeisterte Publikum erhält drei Zugaben. FOTO: USW

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