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Günther Hermanns Freunde und Wegbegleiter: Bodo W. Klös (l.) und Friedhelm Häring.

Hommage an einen Freund

  • Nastasja Akchour-Becker
    VonNastasja Akchour-Becker
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Lich (nab). Geplant war die gemeinsame Ausstellung in Arnsburg schon vor dem Tod von Günther Hermann. Im Dezember ist der Maler und Grafiker im Alter von nur 64 Jahren gestorben. »Er hat es sich gewünscht, dass die Ausstellung trotzdem stattfindet«, sagt Birgit Klös, in deren »edition noir« auch Hermanns Werke vertreten sind. In Zusammenarbeit mit Hermanns Familie wurde das nun möglich.

Doch die beiden Familien verbindet noch viel mehr. Hermann war ein Weggefährte und Freund von Bodo W. Klös. Vor fast 40 Jahren lernten sie sich kennen. Der Maler und Grafiker Gerhard Sturm war ihr gemeinsamer Lehrer. 1984 gründeten Hermann und Klös die »Produzentengalerie 42« in Gießen. Sie wurden Freunde, unternahmen gemeinsame Reisen. »Ich, der Grafiker, lernte viel von dem Maler«, sagt Bodo W. Klös.

Zur Tradition geworden waren auch die gemeinsamen Ausstellungen in Kloster Arnsburg. Seit Samstag sieht man nun im Dormitorium die Werke beider Künstler. Zum 80. Geburtstag von Bob Dylan hat Klös einen Zyklus zu Texten des Musikpoeten angelegt (siehe Foto). In den Zeichnungen greift er Textfragmente von Dylan auf und illustriert und vermischt sie mit eigenen Assoziationen - mal ausgearbeitet bis ins Detail, mal als schnelle Skizze.

Aber auch die bekannten Raben, Akte und kleinen Unanständigkeiten sind vertreten, ebenso wie die Farbradierungen von Musikern, die Klös geprägt haben, oder die Porträtserie »Courage und Rebellion« von Figuren der Geschichte, die ihn beeinflusst haben, wie etwa Rosa Luxemburg, Georg Büchner, Willy Brandt und Bertolt Brecht.

Ebenso faszinierend ist aber auch die Hommage an Günther Hermann: Neben einem Meeresbild, dem letzten Gemälde, das Hermann fertigstellen konnte, hängt eines der ersten, die er anfertigte, ein Wassertropfen. Und auch alle anderen Ausstellungstücke zeigen, dass Hermann, der am Städel in Frankfurt studiert hatte, nicht nur ein begnadeter Maler war, sondern auch ein Meister der Radierkunst. Ganz intuitiv gelang es ihm, aus den drei Grundfarben Gelb, Blau und Rot Millionen Farbschattierungen zusammenzumischen. Denn er druckte seine Radierungen mit nur drei Platten. Egal ob Zeichnung, Ölgemälde oder Radierungen, Hermann widmete sich stets der Natur als Thema.

Farbradierungen von alten knorrigen Olivenbäumen, Alleen, Blumen und Lavendelfeldern finden sich ebenso darunter wie großformatige Landschaftsbilder. Besonders hervorzuheben sind seine beeindruckenden Meereslandschaften, die er in Öl auf Leinwand oder als Aquarelle festgehalten hat und beim Spiel der Wellen in der Brandung wie kein anderer so sehr mit Licht und Farben gezaubert hat.

»Alles Sichtbare ist nur über Licht und Farben sichtbar«, zitiert Friedhelm Häring gerne, wenn er über seinen Freund Günther Hermann spricht. »In seinen Wellenbildern ist das Licht der Schlüssel zum Leben«, erläutert der Kunsthistoriker und ehemalige Leiter des Oberhessischen Museums in Gießen. »Seine Arbeiten besitzen nicht nur ein leuchtendes Angebot für das Auge, sie sind eine Feier der Schöpfung«, macht Häring deutlich. »Vom Wiegenlied der Baumwipfel, bis zum Dröhnen des Meeres hat er den Gesang der Schöpfung in seinen Bilder festgehalten.«

Ein Werkbuch konnte nicht mehr entstehen. Doch es gibt zwei Hefte zur Ausstellung. Eines enthält »Grafik Editionen« von Bodo W. Klös, das andere zeigt die Werke Günther Hermanns. Texte von Friedhelm Häring ergänzen die zahlreichen Bilder. Es ist eine gelungene Rückschau auf das Schaffen des Malers und Radierers mit dem ach so passenden Titel: »Maler des Lichts«.

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