Fachbereichsleiter Marco Römer und Bürgermeister Julien Neubert im großen Saal des Licher Bürgerhauses. Die energetische Sanierung des bald 60 Jahre alten Gebäudes ist komplex und dauert länger als geplant. FOTO: US
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Fachbereichsleiter Marco Römer und Bürgermeister Julien Neubert im großen Saal des Licher Bürgerhauses. Die energetische Sanierung des bald 60 Jahre alten Gebäudes ist komplex und dauert länger als geplant. FOTO: US

Sanierung

"Das hier ist nicht der BER": Sanierung des Licher Bürgerhauses verzögert sich

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Rund zwölf Monate sollte die energetische Sanierung des Licher Bürgerhauses dauern. Aber sie zieht sich in die Länge. Es wird noch einige Zeit dauern, bis die Halle wieder genutzt werden kann,

Der Kultursaal ist längst wieder in Betrieb. Aber ansonsten ist im Licher Bürgerhaus nichts mehr so, wie es mal war. Im großen Saal blickt man durch die Stahlträger der Dachkonstruktion geradewegs auf die Bimsdielen, mit denen das Dach eingedeckt ist. Der Fußboden ist herausgerissen, unter der Tribüne stapelt sich Schutt. Bürgermeister Dr. Julien Neubert steht mit seinen Mitarbeitern Marco Römer und Stefan Rauch mittendrin. "Das ist nicht der BER", sagt er. "Das ist keine unendliche Geschichte. Es gibt Gründe für die Verzögerung."

Als die Halle im Frühjahr 2019 zwecks energetischer Sanierung geschlossen wurde, gingen die Verantwortlichen von einer Wiedereröffnung im folgenden Jahr aus. Drei Dinge haben ihre Pläne durchkreuzt. Neubert zählt auf: "Erstens der Brandschutz, zweitens die Dachkonstruktion, drittens die Auftragslage in der Baubranche."

Wenn es mal fertig ist, soll das Bürgerhaus vielfältig genutzt werden können. In seiner Gesamtheit für große Veranstaltungen, mit dem Kultursaal und zwei neuen Seminarräumen aber auch für Angebote, die unabhängig voneinander parallel laufen können. Deshalb bekommt der große Saal einen eigenen Eingang. Bei der Planung hatten die Fachleute noch gehofft, im Bestand und ohne neue Genehmigungsverfahren umbauen zu können. Doch das erwies sich als Illusion, denn der Ist-Zustand entsprach nicht dem, was einst genehmigt worden war.

Wie Fachbereichsleiter Marco Römer berichtet, fehlte nicht nur im Kultursaal ein zweiter Ausgang als Fluchtweg. Auch von der Tribüne, die wegen des schadhaften Dachs ohnehin schon länger gesperrt war, hätte es im Fall eines Brandes kaum ein Entkommen gegeben. Also musste eine völlig neue Brandschutzplanung her. Vor einem ähnlichen Dilemma standen die Experten der Bauabteilung, nachdem unter dem undichten Dach die feuchten Deckenplatten entfernt worden waren. Aus den Stahlfachwerkbindern, die nun zutage traten, waren Teile entfernt worden. Wann und warum? Römer und Rauch zucken mit den Schultern. Das lasse sich heute nicht mehr nachvollziehen. Und weil auch der Stahl in den Bimsdielen korrodiert ist, braucht die Halle ein komplett neues Dach mitsamt neuer Statik.

"Das hier ist mit einem Umbau zu Hause nicht zu vergleichen", sagt der Bürgermeister. Dach, Lüftung, Boden, Heizung, Wärmedämmung, Elektrik - einfach alles soll bei dieser Komplettsanierung neu gemacht werden. "Nur der Grundriss bleibt so, wie er war", bemerkt Marco Römer ein bisschen ironisch.

Alles wird neu

Auf etwa 15 Gewerke kommen die Mitarbeiter der Bauverwaltung, wenn sie alles , zusammen zählen. Und damit wären sie bei einem weiteren Problem. Nicht nur Planer sind angesichts des aktuellen Booms in der Baubranche gut ausgelastet. Die Handwerker sind es auch. "Früher haben sich die Betriebe untereinander abgesprochen. Heute wird ein Auftrag fertiggestellt und dann muss man schauen, wann es mit dem nächsten weitergehen kann", beschreibt Stefan Rauch die Situation. Hinzu kommen Lieferengpässe. Aktuell verzögert sich der Anschluss an das Nahwärmenetz. "Weil ein Teil fehlt", erklärt Rauch.

"Nach den Sommerferien 2021": Diese Antwort gibt Neubert, wenn man nach dem Eröffnungstermin für die Halle fragt. Und er gibt sie unter Vorbehalt. "Ich weiß, dass Hallenkapazitäten in Lich knapp sind", sagt er. Deshalb stehe man mit den Nutzern insbesondere vom TV Lich regelmäßig in Kontakt. Auf etwa 2,1 Millionen Euro war die Sanierung ursprünglich taxiert. Der Bürgermeister stellt sich auf eine höhere Summe ein. Mit einer Kostenschätzung auf Basis der neuen Planungen rechnen man im Rathaus in Kürze.

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