+
Die Stadt Lich möchte sich von Hessen Forst trennen und ihren Wald künftig selbst beförstern. Ulrich Gessner soll aber weiter Revierförster bleiben. (Archivfoto: con)

Bye bye Hessen Forst

  • schließen

Lich (us). Lich zeigt Hessen Forst komplett die kalte Schulter. Die Stadt will nicht nur die Holzvermarktung in andere Hände legen, sondern künftig auch den Stadtwald in eigener Regie beförstern. Der Haupt- und Finanzausschuss hat diesen vom Magistrat vorgeschlagenen Weg einstimmig befürwortet.

Zur Erinnerung: Nach einer Entscheidung des Kartellamts darf der Landesbetrieb Hessen Forst kein Holz mehr aus kommunalen Wäldern vermarkten. Bis zum Herbst müssen die Städte und Gemeinden eine andere Lösung finden. "Das hat uns kalt erwischt", erinnert sich Bürgermeister Bernd Klein. Er habe, auch als Sprecher der Kreisbürgermeister, in dieser Angelegenheit zahlreiche Gespräche geführt. Ergebnis: Jede Kommune für sich allein sei für eine erfolgreiche Vermarktung zu klein, man brauche ein größeres Volumen.

"Eine kreisweit homogene Lösung hat nicht geklappt, weil einige sich schon anders orientiert haben", sagte Klein. Deshalb wird sich Lich der Holzvermarktung Mittelhessen GmbH anschließen. Die Gesellschaft mit Sitz in Solms soll von über 20 Kommunen aus dem Lahn-Dill-Kreis und dem Kreis Gießen noch in diesem Monat gegründet werden und nach Auskunft ihres designierten vorläufigen Geschäftsführers, dem Solmser Bürgermeister Frank Inderthal, bis zum Winter arbeitsfähig sein.

Doch in Lich will man noch einen Schritt weitergehen und auch die Beförsterung schnellstmöglich in die eigenen Hände nehmen. Das sei nichts Neues, kommentierte Klein. "Die Stadt hat das früher selbst gemacht, bis Hessen Forst kam." Viele Jahre habe das auch gut geklappt. "Im Forstamt Wettenberg sitzt viel Erfahrung, das ist ein großes Pfund." Doch es gibt ein großes Aber: die steigenden Beförsterungskosten. 2017 musste die Stadt dafür knapp 90 000 Euro aufbringen, bis zum Jahr 2025 rechnet man mit gut 120 000 Euro. Die Beförsterung durch die Stadt ist laut Magistratsvorlage pro Jahr etwa 4000 bis 6000 Euro teurer, habe aber den Vorteil, dass ein Revierförster, der in städtischen Diensten steht, mit den Holzkäufern Kontakt halten darf. Als Landesbediensteter dürfte er das aus kartellrechtlichen Gründen nicht. In der Praxis wäre das problematisch, denn schließlich muss der Förster das Holz bereitstellen. Der Magistrat soll nun mit Hessen Forst über einen schnellstmöglichen Austritt aus der Beförsterung verhandeln. Die Magistratsvorlage enthält einen Termin: 31. Dezember 2021. Ihren vertrauten Revierförster sollen die Licher aber behalten. "Ulrich Gessner würde sehr gerne zur Stadt kommen", versicherte der Bürgermeister. Und die Stadt möchte ihn gerne übernehmen, wie Klein betonte: "Ein guter Mann und sehr weitsichtig." Der städtische Stellenplan soll entsprechend geändert werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare