Michael "Kaes" Schöneck vor seiner Siebbandpresse. Von der Frankfurter Apfelweinmesse kehrte er mit der Goldmedaille für seinen Apfelsecco rosé zurück. 		FOTO: PAD
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Michael »Kaes« Schöneck vor seiner Siebbandpresse. Von der Frankfurter Apfelweinmesse kehrte er mit der Goldmedaille für seinen Apfelsecco rosé zurück. FOTO: PAD

Stöffche made in Bettenhausen

Goldmedaille! Michael Schönecks Apfelsecco rosé räumt bei den World-Cider-Awards ab

  • vonPatrick Dehnhardt
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Es ist der Ritterschlag für Kelterer: Michael »Kaes« Schöneck kehrt von der Frankfurter Apfelweinmesse mit der Goldmedaille zurück.

Das ist mal »Stöffche« für eine Geschichte: Der Apfelwein-Kaes aus Bettenhausen hat einen so guten Apfelsecco rosé gekeltert, dass dieser beim jüngsten World-Cider-Award die Goldmedaille hat. Die 23-köpfige Fachjury gab dem Apfelsecco rosé aus dem Herzen der Wetterau 116 von 120 möglichen Punkten. »Dass ist so, als wenn du mit dem VfR Lich in der Champions League spielst«, freut sich Michael Schöneck - in Apfelweinkennerkreisen nur Kaes genannt.

Der Bettenhäuser nahm bereits zum zweiten Mal bei der Frankfurter Apfelweinmesse teil. Von Freunden und Gästen hatte er schon oft gehört, dass sein Äppelwoi »genau so ist, wie er sein soll«. Doch nun wollte er es genau wissen, stellte sich darum mit seinem Apfelsecco rosé, einem Apfelwein mit Apfelberre, dem Wettbewerb. Als er die Bewertung der Jury hörte, war er überwältigt: »Auf einmal war ich bester deutscher Fruchtseccohersteller.« Nun schmückt das Etikett mit dem »Cider-Award 20« die Flaschen.

Gesundes Obst gibt gutes Stöffche

Cider - ist das nicht was Französisches? Kaes schüttelt den Kopf. »Die einen nennen es Cider, bei uns heißt es halt Äppelwoi.« Bei einem Glas des Siegeräpplers verrät er sein Geheimnis: »Nur aus gesundem Obst kann man was Gutes keltern. Aus Gammelobst kann man kein gutes Stöffche machen.«

Kaes setzt auf Äpfel von Hochstammbäumen. »An den Hochstämmen wächst qualitativ das beste Obst, hat mehr Vitamine, da ist auch die Schale anders.« Auf seiner Streuobstwiese stehen 26 verschiedene Apfelsorten. Die Bäume brauchen Pflege, müssen regelmäßig geschnitten werden. Bis aus einem frisch gesetzten Hochstamm ein ausgewachsener Apfelbaum wird, dauert es Jahrzehnte.

Auf Obstplantagen findet man darum keine Hochstämme, sondern nur schnellwachsende Halbstämme und Säulenobst. Diese lassen sich leichter ernten, sind jedoch auch anfälliger für Krankheiten und werden von den Bauern regelmäßig gespritzt. »Der Hochstamm wird nicht gespritzt, der kann sich selbst gegen die Umwelt wehren, weil er stabil und robust ist«, sagt der Bettenhäuser. »Das ist ein Kerl, kein Hampelmännchen.«

Bio-Äpfel aus Neuseeland? Das muss nicht sein!

Dennoch ist das Obst von solchen Plantagen die Basis für die meisten Apfelsäfte und sogar manche Apfelweine, die in den Supermärkten erhältlich sind. Während Kaes auf ordentliche Äpfel achtet und faule Exemplare direkt aussortiert, ist er skeptisch, was auf den Plantagen in Polen und China in die Kelter wandert und dann als Konzentrat nach Deutschland gebracht wird. »Wir beziehen 38 Prozent von unserem Saftbedarf aus dem Ausland«, sagt er. »Bio-Apfelsaft wird aus Neuseeland hergebracht, das ist doch verrückt. Und auf unseren Streuobstwiesen vergammelt das Obst.« Der Apfelweinkelterer schüttelt den Kopf. Immer wieder sieht er ganze Streuobstwiesen, die ungepflegt vor sich hin vegetieren. Die Bäume werden von Misteln überwuchert, brechen auseinander. »Wir machen zu wenig und haben vergessen, auf die Alten zu hören, sich ihr Wissen anzueignen. Mit einem AppleHandy kannst du keine Bäume schneiden.«

Ab Samstag wird gekeltert

Um die Menschen auf den Schatz vor ihrer Haustür aufmerksam zu machen, lässt Schöneck alias Kaes nicht nur Worte, sondern auch Taten sprechen: Bereits vor einigen Jahren hat er in eine Siebbandkelteranlage investiert, presst seitdem als Lohnkelterei. Wer mindestens drei Zentner Äpfel gelesen hat, kann diese ab 14. September nach Voranmeldung vorbeibringen.

In der Keltergasse werden die Äpfel in einen Schwämmkanal gekippt, gehen von dort in die Wäsche. Danach laufen sie durch den Mußer und auf die Siebbandpresse, wo schließlich aus ihnen Saft gepresst und mit Namen gekennzeichnete Kanister gefüllt wird. Kaes lässt diesen noch einen Tag stehen, damit sich Schwebteilchen absetzen. Dann kann der Saft aus den eigenen Äpfeln abgeholt werden. Damit dieser besonders gut schmeckt, gibt Kaes einen Tipp, der auch für Apfelwein gilt: »Möglichst viele verschiedene Sorten.« Übrigens: Den Apfelsecco rosè kann man beim Kaes selbstverständlich auch kaufen.

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