In Birklar wird die Ortsdurchfahrt umfassend saniert: neue Abwasserrohre, neue Gehwege, neue Fahrbahn. Am Bau einer neuen Glasfaserleitung hat allerdings kein Telefonkonzern Interesse bekundet. FOTO: PAD
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In Birklar wird die Ortsdurchfahrt umfassend saniert: neue Abwasserrohre, neue Gehwege, neue Fahrbahn. Am Bau einer neuen Glasfaserleitung hat allerdings kein Telefonkonzern Interesse bekundet. FOTO: PAD

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Glasfaser für Birklar und andere Dörfer? Telefonkonzerne winken ab

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Wenn eine ganze Ortsdurchfahrt Baustelle wird, wäre dies die Gelegenheit, das Telefonnetz von Kupfer auf Glasfaser umzustellen. Doch die Telefonkonzerne lassen diese Chance links liegen.

In Birklar wird die Ortsdurchfahrt erneuert. Dabei wird alles neu gemacht. Alles? Nein. Die alten Kupfertelefonleitungen bleiben liegen, eine Glasfaserleitung ist nicht vorgesehen. Dabei ließen sich von der Hauptverkehrsader des Ortes später auch die Seitenstraßen leicht an ein Glasfasernetz anbinden.

Birklar ist kein Einzelfall. "Von Glasfaser brauchen wir bei Sanierungen nicht zu sprechen", sagt der Licher Bauamtsleiter Marco Römer. Während bei Neubaugebieten die Möglichkeit bestehe, dass direkt ein Glasfasernetz installiert werde, sei dies im Bestand ein Ding der Unmöglichkeit. "Die Telekom tut sich schon schwer, beschädigte Kupferleitungen auszutauschen." Bei der Sanierung der Georg-Frank-Straße in Lich seien neue Kupferleitungen erst nach langen Gesprächen verlegt worden. In Birklar wird nun sogar gar nichts getauscht.

Günstige Gelegenheit, um zu verlegen

Dabei habe man extra die Telekom frühzeitig über die geplante Baumaßnahme informiert, sagt Römer. Er versteht nicht, dass der Telefonkonzern die Möglichkeit nicht nutzt, kostengünstig Glasfaser unter die Erde zu bringen. "Das wäre doch die Gelegenheit, das müsste doch eine Selbstverständlichkeit sein." Müssten in ein paar Jahren die Gehwege aufgerissen werden, um dann neue Leitungen zu verlegen, könne dies zu Problemen mit der Gewährleistung der Baufirmen führen.

Telekom fehlen Kapazitäten

George-Stephen McKinney, Pressesprecher der Deutschen Telekom, stimmt zu, dass es deutlich günstiger wär, bei einer vorhandenen Baustelle sich mit dem Glasfaserausbau einzuklinken. Jedoch gebe es ein Problem: "In Deutschland wird ständig irgendwo gebaut." Die Telekom habe nicht die Kapazitäten, jede Baustelle zu nutzen. "Wir können nicht überall sein." Pro Jahr investiere der Telefonkonzern bereits vier bis fünf Milliarden Euro in den Breitbandausbau.

Mit der bisherigen Ausbaustufe (großteils ein Verdienst der Breitband Gießen GmbH, Anmerkung der Red.) und dem Vektoring-Verfahren ließen sich im Landkreis bereits flächendeckend hohe Internet-Geschwindigkeiten erreichen. Eine Förderung für einen weiteren Ausbau gebe es vom Bund nur, wenn sich dadurch die Internetgeschwindigkeiten vor Ort deutlich erhöhen würden.

Vodafone: Nicht unser Netz

Die Deutsche Telekom ist allerdings nicht der einzige Telefonkonzern. Nachgefragt beim Branchenriesen Vodafone. Dort brüstet man sich: "Vodafone hat die Infrastruktur im Bundesland Hessen bereits massiv ausgebaut und bietet jetzt schon 1,2 Millionen Haushalten sehr schnelle Breitband-Geschwindigkeiten." Interesse am Bau einer Glasfaserleitung in Birklar besteht aber nicht: "Der Ortsteil ist nicht an das Kabelglasfasernetz von Vodafone angeschlossen."

Das will man auch nicht ändern: "Statt ›Ausbau in der Fläche‹ legt Vodafone aktuell den Schwerpunkt darauf, im vorhandenen Netz die Kapazitäten auszubauen", teilt Pressesprecherin Heike Koring auf Nachfrage mit. Weiter schreibt sie, dass das Unternehmen Gemeinden beim Glasfaserausbau unterstützen würde. Jedoch: "Aktuell finden im Rahmen dieser Projekte im Landkreis Gießen keine Glasfaserbaumaßnahmen statt." Kunden könnten aber das Vodafone-Angebot über das DSL-Netz der Telekom beziehen.

Das Verhalten der anderen Telefonkonzerne ärgert Telekom-Pressesprecher McKinney: "Die Ausrichtung ist immer, dass die Telekom alles tun muss." Erst danach würden sich andere Konzerne auf die neu gebauten Leitungen aufschalten, ohne selbst vorher darin investiert zu haben. "Breitband war noch nie ein Monopolgeschäft."

Lich legt Leerrohre

Bauamtsleiter Römer sieht die Ursache für den schleppenden Breitbandausbau in den Entscheidungen der 1990er Jahre: "Das ist der Nachteil der Privatisierung." Die Stadt Lich betreibe jedoch Vorsorge: Seit der Amtszeit von Bernd Klein würden bei allen größeren Bauprojekten gleich Leerrohre mitverlegt. Dadurch will man vermeiden, dass nach ein paar Jahren die Gehwege wieder aufgegraben werden. Zudem besteht die Hoffnung, dass ein vorhandenes Leerrohr das Interesse der Telefonanbieter weckt.

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